Donnerstag , 22. Oktober 2020
Lüneburgs Hanseviertel-Ost ist Vorzeige-Objekt für den Energieversorger. (Grafik: Stadt Lüneburg)

Avacon will grüner werden

Lüneburg. Weg von der Kohle, hin zu erneuerbarer und klimaneutraler Energie – das ist die Kernbotschaft, die Avacon-Vorstandschef Marten Bannemann verkündete. „Die Dekarbonisierung der Gesellschaft ist weiterhin eine der vordringlichsten Aufgaben“, erklärte der CEO per digitaler Pressekonferenz. Mit dem Umbau seines Energiesystems leiste das Unternehmen dazu seinen Beitrag. Das Hanseviertel-Ost in Lüneburg wurde dabei als vorbildhaft hervorgehoben.

„Wir wollen in kleinem Rahmen innovative Modelle einführen und ausprobieren und sie den Bürgern vorstellen“, erklärte Bannemann mit Verweis auf das entstehende Hanseviertel-Ost. Kern des Energiekonzepts ist die Wärmeversorgung des Quartiers mit Fernwärme aus einem mit Bioerdgas betriebenen Blockheizkraftwerk, das zu Einsparungen von 4000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr führe. Auch sollen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge mit Einbindung einer E-Car-Sharing-Station entstehen, des Weiteren ist ein Mieterstrom-Konzept vorgesehen.

Unternehmen hat Corona-Krise gut überstanden

Welchen Stellenwert „grüner“ Strom bei der Avacon inzwischen hat, machte Bannemann ebenfalls deutlich. So habe die Grünstromquote im Avacon-Netz, also der Anteil regenerativ erzeugter Energie, im vergangenen Jahr 185 Prozent betragen, „und damit also deutlich mehr als wir selbst verkaufen konnten“. Insgesamt seien mehr als 12 Gigawatt erneuerbarer Energie von mehr als 40 000 dezentralen Einspeisern erzeugt worden. Für den CEO ein klares Indiz dafür, „wie tiefgreifend der Wandel ist und was erreichbar ist“.

Die Corona-Krise habe das Unternehmen gut überstanden, „die Energieversorgung war zu jeder Zeit sicher“, erklärte Bannemann. Auch wolle das Unternehmen die Krise für seinen Neustart mit „grüner“ Komponente nutzen. Dazu sei das Investitionsvolumen für zukunftsgerichtete Infrastrukturmaßnahmen um 200 Millionen Euro „deutlich erhöht“ worden, unter anderem für den Aufbau einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft. „Teile unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft werden wir nur so dekarbonisieren können.“ Dass die Corona-Pandemie Auswirkungen auf eingeleitete Entwicklungen in der Energiewirtschaft habe, wollte Bannemann nicht erkennen: „Die großen Mega-Trends in der Energiewirtschaft sind durch Corona nicht gebrochen.“

Das Geschäftsjahr 2019 hatte Avacon mit einem Jahresüberschuss von 140 Millionen Euro abgeschlossen, 131 Millionen Euro Dividende wurde an die Anteileigner gezahlt, zu den auch die Stadt Lüneburg gehört. Das Investitionsvolumen wurde mit 275 Millionen Euro angegeben, die regionale Wertschöpfung – unter anderem durch Steuern, Gehälter, Investitionen – bezifferte das Unternehmen mit 700 Millionen Euro.

Von Ulf Stüwe