Pascal Rabeler ist Auszubildender bei DBL Marwitz. Noch vier Azubis werden für diesen Sommer gesucht. (Foto: DBL Marwitz)

Sie finden nur schwer zueinander

Lüneburg. Die Corona-Krise sorgt für erhebliche Turbulenzen auf dem Ausbildungsmarkt: Während auf der einen Seite noch 523 Lehrstellen in Stadt und Landkreis Lüneburg unbesetzt sind, wissen auf der anderen Seite 610 junge Menschen noch nicht, wo sie im Sommer in das Berufsleben einsteigen sollen. Weil die üblichen „Kontaktbörsen“ weggefallen sind, müssen sich Firmen neue Wege überlegen, um Interessenten anzusprechen. Die Azubis in spe selbst aber wissen oftmals nicht, welche Unternehmen ihren Interessen überhaupt entsprechen. Und dann ist da noch die große Zahl der Betriebe, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie dieses Jahr angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt Auszubildende einstellen sollen.

Instagram, Twitter, Facebook – Birgit Voigtländer bespielt nahezu alle Social Media-Kanäle, um Nachwuchs für DBL Marwitz zu gewinnen. Ein typisches mittelständisches Lüneburger Familienunternehmen, geführt in sechster Generation. DBL Marwitz bietet maßgeschneiderte Servicekonzepte rund um die Versorgung mit Berufskleidung an und hat noch vier Ausbildungsstellen zum 1. August unbesetzt. Fachinformatiker, Kaufleute für Büromanagement, Textilreiniger. „Wir hoffen, dass wir noch geeignete Bewerber finden“, sagt Personalreferentin Voigtländer. Sie hat den Eindruck, dass junge Leute durchaus noch auf der Suche sind, „aber es herrscht allgemeine Verunsicherung, wo und wie sie sich bewerben sollen“. Vor Corona waren ganze Schulklassen zur Betriebsbesichtigung gekommen, es gab den Zukunftstag, in dem die Schüler Einblicke bekommen konnten – alles gestrichen. Dazu kommt, dass ein Abi-Jahrgang nahezu komplett wegfällt.

Appell an Firmen, Lehrlinge einzustellen

Auch für den Arbeitgeberverband (AV) Lüneburg-Nordostniedersachsen ist die Situation eine Herausforderung. „Berufsorientierung auf Distanz, das ist schon eine schwierige Angelegenheit“, sagt deren Sprecherin Renate Peters. Der AV entwickelt derzeit neue Ideen, zum Beispiel virtuelle Betriebsbesichtigungen oder Chats zwischen Auszubildenden und Schülern. „Mit dem Netzwerk SchuleWirtschaft sind wir aktuell dabei, diese neuen Formate zu planen“, erläutert Peters.

Sorgen bereitet dem Arbeitgeberverband aber auch die wachsende Zahl an Betrieben, die zögern, überhaupt Ausbildungsplätze anzubieten. „Wir appellieren an die Firmen, Lehrlinge einzustellen, um zum einen für die Zeit nach Corona gewappnet zu sein und zum anderen auch gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen“, betont AV-Geschäftsführer Bernd Wiechel. Ein Abwarten könne man sich im Sinne der jungen Menschen, aber auch im Sinne der Unternehmen nicht leisten.

Birgit Voigtländer hat derweil ein erstes virtuelles Vorstellungsgespräch geführt, weitere Online-Gespräche mit potenziellen Auszubildenden sollen folgen. „Eigentlich lief das ganz gut“, sagt die Personalreferentin. Und hofft auf weitere Bewerber.

Von Thomas Mitzlaff