Dienstag , 29. September 2020
Benjamin Albrecht baut Lüneburger Backsteinhäuser mit Lego-Steinen nach. (Foto: t&w)

Lüneburg im Kleinformat

Lüneburg. Vor etwa sieben Jahren wollten Benjamin Albrechts Eltern die Lego-Kisten aus seiner Kindheit nicht mehr aufheben. „Ich habe sie dann widerwillig genommen, weil ich es zu schade fand, alles wegzuschmeißen“, erinnert sich der 41-jährige Lüneburger.

Nach kurzer Zeit ist daraus schließlich eine neue Leidenschaft entstanden: Der Musiker und Webdesigner baut mit einem Computerprogramm Lüneburger Häuser nach, druckt daraus Anleitungen und kann die Modelle anschließend aus Legosteinen erstellen.

„Seit einem Jahr laufe ich wie ein Tourist durch meine eigene Stadt und sehe sie mit ganz anderen Augen“, meint Albrecht. Denn bevor er ein Gebäude in dem Programm nachempfinden kann, muss er es sich ganz genau anschauen. „Ich besorge mir original Baupläne, gehe mit meinem Lasermessgerät los und sammle genug Informationen, um die 3D Vorlage entwickeln zu können.“ Denn Albrechts Entwürfe sind zwar verkleinert, aber maßstabsgetreu.

Persönliches Corona-Projekt

Stein für Stein setzt er in dem Programm digital aufeinander. „Das Vorgehen ist dem physischen Bauen mit Lego ziemlich ähnlich.“ Allerdings gebe es ein paar Vorteile: „Ich muss zunächst nicht auf die Schwerkraft achten. Das heißt, ich kann zum Beispiel erst das Dach bauen – und das kann dann in dem Programm schweben. Außerdem zählt das Programm jeden einzelnen Stein mit und erstellt somit eine Art Einkaufsliste. Von dort kann ich dann alle Steine bestellen, die ich für das Haus brauche.“

Foto: t&w –
Benjamin Albrecht mit seinem neuesten Modell, dem Zigarren-Haus. Einige der Steine stammen noch aus seiner Kindheit. Oben das Original.
Foto: t&w –

 

21 000 Stück braucht er für den Wasserturm, 4000 Teile für das Zigarren-Haus, das Albrecht derzeit baut. Etwa 380 Euro haben ihn die Lego-Steine dafür gekostet. Die Frage der Finanzierung ist es, die dafür sorgt, dass Albrecht nur wenige seiner digitalen Entwürfe auch wirklich aus echten Lego-Steinen baut. „Noch ist das ganze eben ein Hobby, da kann ich es mir nicht leisten, jedes Modell am Ende auch wirklich zu bauen.“ Außerdem möchte der Musiker nicht seine ganze Wohnung mit Lego-Modellen vollstellen, bisher baut er deshalb nur, wofür er wirklich Verwendung hat.
Ein paar Auftragsarbeiten habe er schon gemacht, zudem hofft Albrecht, seine Werke irgendwann in Lüneburg ausstellen zu können. Seine digitalen Entwürfe hat er bereits in einem Kalender gebündelt: Das Rathaus, der Lunabrunnen, der Wasserturm, die Turmspitze der Michaeliskirche und ein paar Lüneburger Backsteinhäuser schmücken die zwölf Seiten, rund 5000 Stunden saß Albrecht insgesamt daran. „Das war mein persönliches Corona-Projekt und sollte eigentlich ein Geschenk für meine Eltern werden“, sagt er, „aber dann haben sich doch einige Leute dafür interessiert, deshalb habe ich ein paar mehr Kalender machen lassen und verkaufe sie jetzt.“

Einen Traum hat Albrecht, wenn es um die Lego-Modelle geht: „Ich würde sehr gerne einmal die Michaeliskirche bauen. Die wäre allerdings 1,90 Meter hoch, das passt nicht in meine Wohnung.“

von Lilly von Consbruch