Eberhard Wedler hofft, dass es aufwärts geht. Der Lüneburger Karstadt-Chef und seine Crew haben wegen der Abstandsregeln beispielsweise Ständer und Tische auseinandergezogen. Am Montag darf das gesamte Haus wieder genutzt werden. (Foto: t&w)

Noch lange kein normales Niveau

Lüneburg. Bei Karstadt ist es ein bisschen wie einst im Tante-Emma-Laden: Der Kunde sagt, was er braucht, die Verkäuferin holt es dann aus der Tiefe des Raumes des Kaufhauses. Von Montag an soll es wieder anders werden. Statt auf „eingezäunten“ 750 Quadratmeter Fläche wollen Geschäftsführer Eberhard Wedler und seine Crew wieder das gesamte Haus mit rund 10 000 Quadratmetern bespielen. Trotzdem: Normalität herrsche auch dann nicht, denn die Corona-Regeln schränken weiterhin vieles ein: „Wir halten uns natürlich daran.“ Abstandsmarkierungen auf dem Boden, Hinweisschilder, zudem sei das Personal in Hygienefragen geschult.

Das Land hatte die Schließung der Geschäfte vor rund zwei Wochen aufgehoben, Läden bis 800 Quadratmetern Fläche durften wieder öffnen. Doch noch reagieren die Kunden verhalten – das ist das Fazit eines kurzen Rundgangs der LZ. So sagt Frank Gätjens von „Ricardo Paul“ an der Schröderstraße: „In der ersten Woche hatten wir vielleicht 30 Prozent des üblichen Umsatzes.“ Es sei Anfang der Woche etwas angezogen, doch weit vom Gewohnten entfernt. Er glaube überdies nicht, dass die Kunden mit der nächsten Lockerung beispielsweise sprunghaft mehr zu Dekorationsartikel greifen werden. Da am Montag aber auch Lokale wieder öffnen dürfen, werde sich die Innenstadt weiter etwas beleben.

Ebbe in der Kasse

„Es fehlt der Spontankauf“, sagt der Geschäftsmann. „Bei uns merken die Leute erst im Laden, dass sie etwas entdecken, was sie bislang nicht vermisst haben.“ Wer Accessoires mitnimmt, komme zumeist nicht gezielt: „Das ist anders, als wenn man Schuhe kauft.“ Ebbe in der Kasse, und zwar dramatisch. Gätjens ist zwar dankbar für die Beihilfen des Staates, „doch wenn man das auf drei Monate rechnet, deckt das vielleicht ein Viertel der Kosten ab“.

Cornelius Schnabel beschäftigt die Frage, was er mit seiner ganzen Ware machen soll, denn die Hersteller haben trotzdem auf Abnahme der Bestellungen bestanden. (Foto: t&w)
Schuhhändler Cornelius Schnabel ist etwas entspannter: „Wir kommen wohl mit einem blauen Auge davon.“ Dafür seien zwei Faktoren wichtig: Kurzarbeitergeld, das er für seine Mitarbeiter aufstocke, und das eigene Haus: „Wir zahlen keine Miete.“ Mit dem nächsten Lockerungsschritt am Montag werde sich wenig ändern: „Wir können nicht mehr als 14 Kunden ins Geschäft lassen. Die Zahl haben wir bisher kaum erreicht.“ Wichtig sei sein Online-Shop-Angebot: „Das läuft gut.“ Das unterstreicht auch Wedler: Galeria-Karstadt sei da gut im Geschäft.

Kosten sind da, Einnahmen nicht

Das ist aus Sicht Heiko Meyers einerseits erfreulich, zeige aber andersherum, welche Herausforderungen der Internethandel den Geschäften in der Stadt mache. Der Vorsitzende der Handelsorganisation LCM resümiert: „Es gibt im Netz einen gewaltigen Zuwachs. Viele Kunden nutzen den Bestellservice jetzt. Da besteht die Gefahr, dass sie das auch künftig tun.“ Deshalb sei es wichtig, Akzente zu setzen, die zeigen, wie attraktiv die Lüneburger Mischung aus Handel und Lokalen ist. Meyer berichtet nach Gesprächen mit Mitgliedern: „Es läuft unterschiedlich, aber viele Kollegen berichten, dass sie sich bislang zwischen 20 bis 40 Prozent des normalen Umsatzes bewegen. Für sie ist es schwierig, Tritt zu fassen, die Kosten sind komplett da, die Einnahmen aber nicht.“

Meyer begrüßt zwar die weiteren Lockerungen, die Montag in Kraft treten sollen, doch das werde nicht einfach: „Wie soll das mit der Reservierung in einem Café gehen, wenn man zum Einkaufen in die Stadt kommt? Und wie sollen kleine Lokale das machen, wenn sie nur die Hälfte ihrer Fläche nutzen dürfen?“ Die Kosten seien kaum zu erwirtschaften. Wie auch Gätjens sieht Meyer neben dem Staat die Vermieter gefordert, ihren Pächtern entgegenzukommen, denn Händler und Wirte steckten tief in Schwierigkeiten. „In meinem Fall ist mir der Hausbesitzer sehr entgegengekommen“, lobt Meyer, der den Coffeeshop am Schrangenplatz betreibt.

Karstadt-Chef gelassen

Einig sind sich die Geschäftsleute, dass bei allen Erleichterungen für die Wirtschaft „die Sicherheit obenan steht“. Denn was niemand gebrauchen könne, sei ein zweites Mal ein Einfrieren des öffentlichen Lebens.

Karstadt-Chef Wedler und seine rund 100 Mitarbeiter sehen den neuen Herausforderungen relativ gelassen entgegen: „Wir dürften theoretisch 1000 Leute reinlassen – so viele haben wir nicht einmal zu Weihnachten.“

Von Carlo Eggeling