Mittwoch , 28. Oktober 2020
Wenn es klappt, ist die Freude groß: Bewerber müssen sich in Corona-Zeiten über das Internet bei potenziellen neuen Arbeitgebern vorstellen. (Foto: AdobeStock)

Schwierige Lehrstellensuche

Lüneburg. Rund 600 junge Leute im Kreis Lüneburg sind laut Arbeitsagentur noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle ab Sommer. Und das Verfahren, um geeignete Kandidaten zu finden, ist völlig anders als in den Vorjahren: Alle Beteiligten müssen sich darauf einstellen, dass der Bewerbungsprozess komplett online und somit ohne persönlichen Kontakt ablaufen wird.

„Viele Betriebe beschäftigen sich angesichts dieser Situation verstärkt mit der Frage, wie sie Bewerber überhaupt finden können“, schildert Renate Peters vom Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen. Ausbildungsbörsen und Schulveranstaltungen waren da in den Vorjahren immer eine gute Schnittstelle, doch die gibt es angesichts der Kontaktbeschränkungen nicht mehr.

Online-Bewerbungsverfahren für viele Unternehmen neu

„Vielen Betrieben fehlt es wegen der großen Verunsicherung in der Gesellschaft durch Corona aktuell an Bewerbern“, weiß auch Sönke Feldhusen, bei der IHK Lüneburg-Wolfsburg Experte für die berufliche Ausbildung. Er rät den jungen Menschen daher, die Initiative zu ergreifen und den Kontakt zu den Wunsch-Betrieben zu suchen.

Für etliche Unternehmen dürfte es Neuland sein, den kompletten Bewerbungsprozess online abzuwickeln. Vorstellungsgespräche werden telefonisch oder als Video-Call stattfinden, zum Beispiel über Skype oder WhatsApp. Das mag zunächst vielleicht etwas unpersönlich und auch abschreckend klingen, doch für junge Leute kann ein digitales Bewerbungsverfahren auch eine gute Gelegenheit sein, die eigene Online-Fertigkeit unter Beweis zu stellen.

Der Ausbildungsstart müsse ja nicht zwangsläufig der 1. August sein, heißt es von der IHK. Auch der 1. September sei möglich. Die Kammer bringt dazu einen Ausbildungsbonus für Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, ins Gespräch. Kommenden Freitag will die IHK außerdem ein neues Online-Format zur Beratung von Unternehmen starten. Immer freitags gibt es den so genannten Beratertalk, Thema der ersten Veranstaltung: Ausbildung in Zeiten von Corona.

„Vielen Betrieben fehlt es wegen der großen Verunsicherung in der Gesellschaft durch Corona aktuell an Bewerbern.“
Sönke Feldhusen, IHK Lüneburg-Wolfsburg

Ende April waren derweil im Landkreis Lüneburg noch mehr als 520 Ausbildungsstellen unbesetzt und die Arbeitsagentur geht davon aus, dass noch weitere freie Plätze gemeldet werden. Agenturchefin Kerstin Kuechler-Kakoschke appelliert an die Betriebe, auch im Fall von Kurzarbeit das Thema Nachwuchs nicht aus den Augen zu verlieren.

Jugendliche sollen gerne nachhaken

Beraten lassen können sich junge Leute unter anderem bei der Arbeitsagentur, eine Terminvereinbarung mit einem Berufsberater ist möglich. Das Gespräch erfolgt dann telefonisch. Freie Ausbildungsstellen gibt es außerdem bei der Industrie- und Handelskammer. Und bei der Orientierung über interessante Berufe und Karrierechancen in der Region hilft auch die Initiative „Moin Future“ weiter, die die IHK gemeinsam mit Partnern durchführt.

Doch was sollten Jugendliche tun, wenn die Bewerbung per E-Mail abgeschickt ist, eine Antwort aber ausbleibt? Personalchefs raten dazu, einfach mal zum Telefon zu greifen und sich in Erinnerung zu bringen. Denn angesichts der Corona-Krise müssen in vielen Firmen gerade wichtige Entscheidungen getroffen werden, da können andere Themen mal liegenbleiben.

Hier gibt es noch freie Ausbildungsstellen im Landkreis Lüneburg: Einzelhandelskaufmann/-frau, Elektroniker für Betriebstechnik, Verkäufer/in, Kfz-Mechatroniker, Bürokaufmann, Rohrleitungsbauer, Zahnmedizinische Fachangestellte, Maschinen- und Anlageführer.

Von Thomas Mitzlaff