Montag , 26. Oktober 2020
Alina Galeano (l.) berät Nathalie Starke und und Benjamin Küntzel: Brillenkauf ist in Zeiten von Corona eine Herausforderung. (Foto: t&w)

Das maskierte Leben

Lüneburg. Nathalie Starke probiert den Sitz der Brille. Passt sie zum Gesicht, zum Haar? Nicht einfach, wenn man gleichzeitig eine Maske vor Mund und Nase ziehen muss. Natürlich rückt Nathalie Starke den Schutz mal zur Seite, um zu betrachten, wie sie aussieht. Chefin Marion Adam und ihre Mitarbeiter versuchen bei Brillen-Curdt an der Bäckerstraße quasi das Geschäft des Optikers mit der individuellen Optik zu verbinden.

Seit gestern gilt die Verhüllungspflicht für Kunden, die in Geschäften einkaufen wollen – es ist eine neue Herausforderung für den Handel. Marion Adam und andere Händler finden Lösungen. So tragen die Meisterin und ihre Beschäftigten auch selber einen Schutz. Eigentlich müssen sie das nicht, die Verordnung aus Hannover stellt Beschäftigten das frei.

Annette Redder und ihre Mitarbeiterinnen verkaufen bei Venus-Moden Dessous. Damen, die einen BH anprobieren wollen, müssen Ideen haben, wie sie das hinbekommen. Die Inhaberin berät entsprechend. Ihre Erfahrung: „Die Kundinnen reagieren verständnisvoll.“ Sie selber hat sozusagen eine Kunststoffscheibe vorm Gesicht: „Da sieht man ein Lächeln.“ Eben das tue ganz gut in Zeiten der Einschränkungen.

Annette Redder kann unter ihrer Maske ein Lächeln zeigen. Die Chefin von Venus-Moden sagt: „Die Kundinnen haben Verständnis für die Regeln.“ (Fotos: t&w)
Ernst-Joachim Petersen müsste nicht, aber er tut es: Bei Wist am Sand tragen auch die Mitarbeiter Maske: „Wir ermahnen die Kunden, die ohne Schutz reinkommen.“
Lilli Oertel findet die Maskenpflicht selbstverständlich: „Eine wichtige und richtige Maßnahme.“ Juniorchef Johannes Tschorn hat sein Gesicht ebenfalls verhüllt.
Carsten Meyn zieht sich einen Schutz vors Gesicht. Bei Tassilo hat der Verkäufer zwei Kunden gehabt: „Die hatten die Maske auf, als sie reinkamen.“
Jutta Hye-Rehn hat die Maske gerade aufgesetzt, sie will bei Tschorn einkaufen: „Ich trage die Maske schon länger, wenn ich einkaufe.“
Im Tassilo-Shop an der Grapengießerstraße steht Carsten Meyn mittags vor der Tür und macht eine Zigarettenpause. „Ich hatte erst zwei Kunden, die kamen mit Maske. Wir haben weniger zu tun, den Leuten fehlt das Einkaufserlebnis. Mal einen Kaffee trinken, etwas essen. Da macht Shoppen keinen Spaß.“ Er glaubt, dass mancher wegbleibe wegen der Gesichtsverhüllung.

Wist am Sand zählt zu den ältesten Lebensmittelgeschäften der Stadt. Viele, die von hier den Bus nehmen, kaufen Milch, Wurst, Gemüse oder ein Bier ein. Ernst-Joachim Petersen und seine Mitarbeiter tragen Masken – so gut es geht. Denn der Atem lässt Brillengläser schnell beschlagen. Er sagt: „Wir haben unsere Stammkunden schon am Freitag und Sonnabend auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht. Das läuft ganz gut. Die keine tragen, machen wir darauf aufmerksam und ermahnen sie.“ Nicht jeder setzt auf Maske. Eine junge Mutter hat ein Tuch vor die Nase gezogen, ihr Sohn in der Kinderkarre hat das Gesicht – erlaubterweise – frei.

Am Sand halten Busse. Ein Blick zeigt: Wer drinnen sitzt, hat Mund und Nase abgedeckt. So wie es vorgeschrieben ist.

Hauptkommissar Thomas Fischer geht Streife, seine übliche Runde als Kontaktbeamter. Sein Eindruck: „Es gibt kaum etwas zu beanstanden. In den Geschäften wird auf die Vorgaben geachtet.“ Der Beamte achtet mehr auf Verkehrsregeln: Der Betreiber eines Cafés am Sand hat sein Motorrad vor seinem Laden geparkt. Verboten. Er schiebt die schwere Maschine weg, um kein Knöllchen zu kassieren.

Gegenüber vor der Sandpassage zieht sich Jutta Hye-Rehn eine Stoffmaske vor das Gesicht: „Gewöhungsbedürftig. Ich hoffe, es trägt am Ende auch Früchte.“ Matthias Tschorn und seine Familie haben auch an die gedacht, die keinen Schutz dabei haben. Ein Dreierpack kostet 3,49 Euro. „Wir haben nichts dabei über“, sagt Tschorn. „Das läuft unter Werbung.“ Bis zum Mittag hatte er in den Geschäften am Sand und am Bockelsberg rund 1300 Packungen verkauft. Sein Sohn Johannes erzählt: „Wir sehen hier auch komische Lösungen. Ein Kunde hatte sich ein Schwammtuch vors Gesicht gebunden.“

Im Markt selber trägt geschätzt die Hälfte der Kollegen einen Mundschutz. „Wir haben ja den Tresen zwischen uns“, sagt ein Mitarbeiter. Abstand sei kein Problem. Maximal greifen 70 Kunden in den Regalen zu. Das bemisst sich an der Zahl der zur Verfügung stehen Einkaufswagen. Es ist – wenn man will – also genug Platz. Lilli Oertel legt Obst und Gemüse in ihren Wagen. Sie sagt: „Ich finde es richtig, hier eine Maske zu tragen. Mich stört das nicht.“

Von Carlo Eggeling