Samstag , 24. Oktober 2020
In Bussen gilt jetzt die Maskenpflicht. Die ist nach wie vor umstritten. (Foto: t&w)

Doch keine Maskenpflicht für Wochenmarkt-Beschicker

+ + Update: 28. April, 17 Uhr: 

Die Stadt sieht nun doch von einer Maskenpflicht für die Anbieter auf dem Lüneburger Wochenmarkt ab. Die Verwaltung hat sich nach Rückmeldungen von den Marktbeschickern noch einmal mit den anderen beteiligten Behörden abgestimmt. Das Ergebnis: Für die städtische Anordnung ist in punkto erweiterte Maskenpflicht „nach dem Infektionsschutzgesetz kein Raum“. Das ist auch in einem Schreiben zu lesen, das an die Marktbeschicker ging.

Und weiter: „Die ursprünglich angeordnete Maßnahme sollte der Prävention dienen und dem Umstand Rechnung tragen, dass – wie mittlerweile fast durchgängig im Einzelhandel vorhanden – auf dem Wochenmarkt die Einrichtung etwa so genannter Spuckschutzwände schwerlich realisierbar ist.“ Nur die Kundschaft muss einen Mund- und Nasenschutz tragen. lz

 

 

Lüneburg. Auf dem Wochenmarkt deutet sich neues Ungemach an, und dieses Mal sind nicht nur die Blumenhändler betroffen, sondern alle – es geht um die Maskenpflicht. Die gilt von heute an bekanntlich in Niedersachsen für Bus und Bahn sowie für den Einzelhandel. Doch während die Verordnung des Landes Busfahrer und Verkaufspersonal vom Vermummen ausnimmt, soll es am Mittwoch vor dem Rathaus anders laufen. Die Verwaltung hat am Sonnabend ein Schreiben an die Marktbeschicker verteilt. Unter Punkt 2 heißt es: „Von daher haben alle Standbetreiber sowie ihr Personal während der Verkaufszeiten einen Nasen- und Mundschutz zu tragen.“

An den Ständen droht Luftnot

An einigen Ständen stöhnten die Händler über drohende Luftnot. Tenor: „Wie sollen wir das machen? Wir arbeiten körperlich und reden viel mit den Kunden. Das wird schwierig.“ Vor allem fragen sich einige, warum scheinbar mit zweierlei Maß gemessen werde.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte gestern: „Das Schreiben kenne ich nicht. Aus der Masken-Diskussion halte ich mich raus. Allerdings muss ich sagen, dass Abstandsregeln oft nicht eingehalten werden. Deshalb ist Vorsicht richtig.“

„Abstandsregeln werden oft nicht eingehalten.“ – Oberbürgermeister Ulrich Mädge

Marktmeister Norbert Stegen, der das Schreiben „im Auftrag“ unterzeichnet hat, erklärte: „Nach unserem Kenntnisstand gilt die Maskenpflicht auch für die Standbetreiber. Aber wir werden das prüfen.“ Darüber kann er dann mit dem Vorsitzenden des Marktbeschickervereins reden, der heute einen Termin im Amt hat. Cord Wöhnecke sagt: „Ich muss mich mit dem Schreiben und der Landesverordnung erst einmal beschäftigen. Das mache ich.“ Er setze auf das Gespräch.

Gestern Nachmittag erreichte die LZ schließlich den zuständigen Dezernenten Markus Moßmann. Der begründete die Entscheidung so: In Lebensmittelgeschäften seien die Beschäftigen inzwischen durch Plexiglasscheiben und Co. geschützt. Diesen „Spritzschutz“ gebe es auf dem Markt nicht. Deshalb setze man auf diese „präventive Maßnahme“.

Skurril finden einige der Händler auch den Passus, dass aus „hygienischen Gründen eine bargeldlose Bezahlung“ erfolgen solle. Kartenlesegeräte dürften die wenigsten der Marktleute dabei haben.

Wirrwarr um Vorschriften

Wirrwarr hatte es erst kürzlich gegeben. Vor zweieinhalb Wochen galt die Verordnung des Landes, nach der keine Blumenhändler auf dem Wochenmarkt stehen durften, Blumenläden hingegen konnten ihre Türen wieder aufsperren. Den Kompromissvorschlag Mädges, den Marienplatz zur Blumenmeile zu nutzen, hatten Landrat Jens Böther und seine Mitarbeiterin Yvonne Hobro abgelehnt: Das sei mit den Regelungen aus Hannover nicht vereinbar. Daraufhin einigten sich die Beteiligten, die Blumenstände über die Stadt zu verteilen. Seit vergangenem Mittwoch dürfen die Blumenhändler nun am Ochsenmarkt stehen. So nahe am gewohnten Platz, wie es zuvor angeblich unvorstellbar war.

Spötter auf dem Markt sagen dazu: „Das Virus hat sich jetzt bestimmt an die Vorschriften angepasst.“ Gespannt warten die Marktleute nun darauf, ob die Verwaltung vielleicht noch einmal in sich geht und die Vorgaben überdenkt.

 

Von Carlo Eggeling