Mittwoch , 30. September 2020
Rund 100 Wohneinheiten sollen auf dieser Fläche in Rettmer entstehen. (Foto: be)

Rettmer soll am Ortsrand wachsen

Lüneburg. Die Stadt möchte am nordwestlichen Rand von Rettmer, zwischen Heiligenthaler Straße und Margeritenweg, ein neues Wohngebiet entwickeln. „Denn trotz Wohnungsbauprogramm gibt es ein Defizit an Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern“, machte Matthias Eberhard, Bereichsleiter Stadtplanung, im Bauausschuss deutlich. Dort ging es um die Aufstellung des Bebauungsplanes „Rettmer Nord“. Dagegen sprach sich Ulrich Blanck, Fraktionschef der Grünen, im Rahmen eines Änderungsantrags aus, weil aus seiner Sicht erst einmal das Stadtentwicklungskonzept auf dem Tisch liegen solle. Gegen die Stimmen der Grünen und Linke votierte die Mehrheit der Ausschussmitglieder jedoch für den Aufstellungsbeschluss.

Es soll ein Quartier mit rund 100 Wohneinheiten entstehen, nachdem der Eigentümer die bis dato landwirtschaftlichen Flächen verkaufen möchte und sich ein Käufer gefunden hat. Nach Ostern habe sich zudem ein weiterer Eigentümer bei der Stadt gemeldet, der eine Fläche in Höhe des geplanten Neubaugebietes südlich der Heiligenthaler Straße angeboten habe, erläuterte Eberhard. Da es Bedarf an Seniorenwohnungen gebe, könnte dort ein solches Angebot geschaffen werden oder dieses integriert werden ins Neubaugebiet. Außerdem soll per städtebaulichem Vertrag 30 Prozent sozialer Wohnungsbau festgeschrieben werden.

Die Stadt habe sich im Vorfeld auch Alternativen überlegt. Flächen am östlichen Rand zum Beispiel würden sich nicht zur Bebauung anbieten, da sie den Grüngürtel West tangieren, so der Stadtplaner.

Eine Frage der Priorität

Ulrich Blanck hielt dagegen: keine weiteren Entwicklungen von Neubaugebieten ohne Stadtentwicklungskonzept. Es gelte dem Wunsch der Bürger nachzukommen, die sich an der Entwicklung Lüneburgs beteiligen wollen. Die Verwaltung solle zunächst einmal darlegen, warum von dem Grundsatz Innen- vor Außenentwicklung abgewichen werde und welche Projekte im Innenbereich aus welchen Gründen nicht entwickelt werden können.

Falls es nicht zur Absetzung des Aufstellungsbeschlusses von der Tagesordnung komme, gab Blanck Vorgaben für den Aufstellungsbeschluss. Das trieb Eberhard Manzke (CDU) in Harnisch: „Wir lassen uns doch nicht vorschreiben, was Herr Blanck vorschreibt.“

Frank Soldan (FDP) konzidierte Blanck, dass der Verkaufswunsch eines Eigentümers nicht die oberste Priorität sein könne. Gleichwohl sieht er den Druck bei der Nachfrage nach Wohnraum. Deshalb solle man das Stadtentwicklungskonzept nicht abwarten. Klaus-Dieter Salewski (SPD) hielt Blanck entgegen, dass es „keine Verabredung gegeben hat, dass es keine Entwicklung von Flächen bis zum Vorliegen des Stadtentwicklungskonzeptes gibt“.

Vorwurf der Salami-Taktik

Ulrich Löb (Grüne) sprach von einer Salami-Taktik, mit der die Feldmark immer stärker erschlossen werde. Christoph Pod-stawa machte für die Linke deutlich: keine Zustimmung für einen Bebauungsplan, der Einfamilienhäuser vorsieht. Um den Siedlungsdruck zu lösen, brauche es eine engere Kooperation mit dem Landkreis.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) verwies darauf, dass es ein Minus von 300 Wohneinheiten bei Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern gebe. Da man keine andere Fläche sehe, „wollen wir hier einen Bebauungsplan ermöglichen“.

Von Antje Schäfer