Montag , 26. Oktober 2020
Klaus Reschke (l.) bei der Themenbesprechung mit Hauptmann Alexander Klebba, dem hauptamtlichen Pressesprecher der Panzerlehrbrigade 9 mit Sitz in Munster. Die Corona-Krise hat auch bei der Bundeswehr die Medienarbeit durcheinandergewirbelt (Foto: Thiel/Bundeswehr).

„Ich trage meinen kleinen Teil bei“

Lüneburg/Munster. Es ist 4.45 Uhr morgens. Der Wecker klingelt, Zeit zum Aufstehen. Für mich als LZ-Redakteur eine wahrhaft unchristliche Zeit, gefühlt noch mitten in der Nacht. Denn gewöhnlich beginnt mein Arbeitstag morgens in der Redaktion erst um zehn Uhr. Doch seit dem 16. März ist mein Arbeitsplatz nicht das Medienhaus am Sande, sondern das Stabsgebäude der Panzerlehrbrigade 9 mit Sitz im 50 Kilometer entfernten Munster. Und Dienstbeginn bei der Truppe ist zeitig um sieben Uhr.

Ich bin Reserveoffizier. Als Oberstleutnant und Pressestabsoffizier werde ich in den nächsten Wochen bis Ende April den hauptamtlichen Presseoffizier der Panzerlehrbrigade 9 unterstützen: „Ableistung von Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft“, nennt sich das in schönstem Behörden-Sprech. So jedenfalls steht es in meinem Heranziehungsbescheid. Ursprünglich sollte ich den hauptamtlichen Presseoffizier vertreten, der eigentlich in den ersten drei Wochen für einen Lehrgang am Zentrum für Informationsarbeit in Strausberg eingeplant war. So war der Plan, so war es vorab besprochen. Doch dann schlug das Corona-Virus mit aller Härte zu. Seitdem herrscht weitestgehend Stillstand im öffentlichen Leben. Schulen, Restaurants und viele andere öffentliche Einrichtungen sind geschlossen.

Plätze sind für viele Übungsvorhaben gesperrt

Covid-19 hat aber auch den Dienstplan und die Vorhaben der Bundeswehr kräftig durcheinander gewirbelt. Statt Journalisten und Fernsehteams bei der US-Großübung Defender 2020 zu begleiten, statt Brigadekommandeur Oberst Christian Freuding über den neuesten Sachstand bei Medienprojekten berichten zu können, statt Interviews mit Soldaten im Gelände und auf den Übungsplätzen führen zu können, bestimmt jetzt nur ein Thema die Arbeit auch in der Pressestelle der Brigade: Die Bewältigung der Corona-Krise und welchen Beitrag die Panzerlehrbrigade 9 dazu leisten kann und wird.

Kampf gegen das Coronavirus

Für die Munsteraner Lehrbrigade ist die Lageentwicklung in Bezug auf Covid-19 eine ganz besondere Herausforderung, denn ihr eigentlicher Auftrag besteht darin, als sogenannte Nato-Speerspitze schnell und flexibel auf sicherheitspolitische Entwicklungen zu reagieren. Die Anforderung: Innerhalb von 30 Tagen weltweit verlegebereit zu sein,. Das erfordert ein hohes Maß an Professionalität und Einsatzbereitschaft. Und das bedeutet ständiges Training, was im Zuge der Corona-Beschränkungen alles andere als einfach ist. Denn die Standort- und die Truppenübungsplätze sind für viele Übungsvorhaben zurzeit gesperrt. „Davon ausgenommen ist nur die einsatzvorbereitende Ausbildung unserer Soldaten“, erklärt Brigadekommandeur Oberst Freuding.

Denn das Hauptaugenmerk richtet auch die Panzerlehrbrigade 9 zurzeit auf den Kampf gegen das Coronavirus, sie unterstützt bei Bedarf im Rahmen der Amtshilfe in Niedersachsen und Bremen. Dazu sind ihr sämtliche Truppenteile und Dienststellen der Bundeswehr in den beiden Bundesländern im Fall der Fälle unterstellt – mit Ausnahme der Sanitätskräfte, die gezielt Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen fachlich unterstützen sollen und dies teilweise bereits tun. „Schachmatt kriegt das Virus die Bundeswehr nicht“, sagte jüngst Generalinspekteur Eberhard Zorn. Im Gegenteil: Die Bundeswehr ist da, wenn sie gebraucht wird und aktuell eben an „doppelter Front“: zu Hause gegen die Verbreitung des Virus und Tag für Tag in den Einsätzen zum internationalen Krisenmanagement.

Daran muss ich denken, wenn ich morgens die Uniform anziehe, die Stiefel schnüre und zum Dienst fahre. Ich trage meinen kleinen Teil zum Kampf gegen Corona bei – und darauf bin ich stolz.

Von Klaus Reschke