Samstag , 19. September 2020
Peter Rahmann ist erleichtert: Am Dienstag gab ihm der Landkreis grünes Licht für den Kanu-Betrieb auf der Ilmenau. (Foto: t&w)

Die Kanus fahren wieder

Lüneburg. Sobald die Sonne scheint und die Temperaturen über die 15-Grad-Marke klettern, klingelt bei Peter Rahmann das Telefon am laufenden Band. In der Leitung: Kanufans, die bei ihm ein Boot mieten wollen. Bis Anfang der Woche hatte der Betreiber des Kanuverleihs auf dem Melbecker Campingplatz all seinen Kunden zähneknirschend abgesagt – wegen der Corona-Krise. Doch am Dienstag teilte ihm der Landkreis auf Anfrage mit, dass er seinen Betrieb fortsetzen darf – allerdings nur, wenn er sich dabei an die entsprechenden Verordnungen des Landes hält.

Freizeitliche Aktivitäten wie Radfahren oder Laufen seien ausdrücklich erlaubt, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden, sagt Urte Modlich, Sprecherin des Landkreises Lüneburg. „Das gilt auch für Kanufahrten in der Freizeit. Erforderlich ist aber dabei, dass die Boote ausreichend Abstand zueinander halten, mehr als zwei Personen pro Boot sind nicht erlaubt“, erklärt sie die Regeln.
Peter Rahmann ist erleichtert: „Spätestens Anfang Mai wäre es finanziell kritisch geworden.“ Jetzt beginnt für ihn eine Saison, wie er sie in 26 Jahren Kanuvermietung noch nicht erlebt hat:

Gruppenbildung auf dem Fluss vermeiden

Betriebsausflüge sind selbstverständlich gestrichen, Boote werden lediglich an Einzelpersonen, Paare oder Familien vermietet – und das auch nur jede Stunde. Damit will er verhindern, dass sich auf der Ilmenau zwischen seinen Stationen in Melbeck und Lüneburg ungewollt Gruppen bilden. An Interesse mangelt es offenbar nicht: „Ich habe Buchungen ohne Ende“, freut sich Peter Rahmann. „Den Leuten fällt ja inzwischen die Decke auf den Kopf.“

Auch sein Kollege Matthias Schrenk aus Oldendorf (Luhe) hat das „Go“ vom Landkreis erhalten. Alles andere hätte ihn auch gewundert, schließlich sei Kanufahren wie Radfahren – „nur eben ohne Rad“. In den zurückliegenden Wochen der Ungewissheit hat sich Schrenk Gedanken dazu gemacht, wie er sein Angebot künftig bewerben könnte. Bei ihm kann man nun „Paarshippen“. So, wie sich angeblich alle elf Minuten ein Single über eine Online-Partnervermittlung verliebt, wollte er zunächst alle elf Minuten ein Boot mit zwei Personen ins Wasser setzen. Inzwischen hat er sich allerdings zur Sicherheit auf einen „20-Minuten-Takt“ festgelegt.

Seine Kunden werden nun vor Abfahrt über die besonderen Verhaltensregeln in Corona-Zeiten belehrt. Auszuschließen sei aber trotzdem nicht, dass sich Gruppen auf dem Wasser bilden. „Das kann man auf dem Land ja auch nicht“, sagt Schrenk. Am Mittwoch habe ihm der Landkreis Harburg den Kanubetrieb auf den dortigen Strecken verboten. Für Schrenk ein Problem, denn allein mit den Fahrten auf Lüneburger und Uelzener Gebiet rechne sich der organisatorische Mehraufwand langfristig nicht. Der Oldendorfer hat darum finanzielle Unterstützung beantragt, doch eine Antwort aus Hannover lässt noch auf sich warten.

Hans Jürgen Ahrens, Inhaber von Kanu-Tours am Reihersee in Lüdershausen, wusste noch nichts von der Freigabe. „Das ist eine gute Nachricht“, meint er. Einige Anfragen für die Ostertage hatte er bereits, hat den Kunden aber abgesagt. „Schön, jetzt kann ich sie informieren, dass doch Touren möglich sind. Das freut mich für die Leute, dass sie raus können in die Natur.“ Ein Infoblatt mit den Spielregeln für den Infektionsschutz bereite er nun vor und bringe dieses gut sichtbar auf seinem Gelände am Reihersee an, sagt Ahrens. „Dann hole ich mal die Boote.“

Von Stefan Bohlmann und Anna Petersen