Freitag , 2. Oktober 2020
Der Bau der Arena geht nach Angaben der Kreisverwaltung planmäßig voran – unabhängig von der Corona-Krise und der Beziehungskrise zwischen den Planern und dem Behindertenbeirat. (Grafik: Kreis Lüneburg)

Von der C-Krise wieder zur A-Krise

Lüneburg. Nach den Osterferien beherrscht nicht das C-Thema, sondern das A-Thema die erste öffentliche Ausschusssitzung des Kreistages – wie schon vor der Corona-Krise geht es einmal mehr um den Bau der Arena.

Am Donnerstag in einer Woche kommen die Mitglieder des Hochbauausschusses indes nicht im Sitzungssaal der Kreisverwaltung, sondern im Schulzentrum Oedeme zusammen. In dessen großräumiger Mensa können sich nicht nur die Kreispolitiker weitläufig genug verteilen. Es ist auch Platz für 20 Zuschauer.

Auf sie alle wartet eine spannende Debatte: Der Behindertenbeirat wird in der Sitzung seine massive Kritik an den Bauplänen des Großprojektes darlegen – nachträglich, da die Interessenvertreter lange Zeit außen vorgelassen worden waren. Dessen Vorsitzender Jörg Kohlstedt hatte schließlich im Februar Alarm geschlagen. Die Veranstaltungs- und Sporthalle sei in weiten Bereichen nicht barrierefrei, weise hier planerische Mängel auf und „widerspricht eklatant der UN-Behindertenrechtskonvention“ (LZ berichtete).

Der Ausschuss hatte sich daraufhin bereits im März zu einer Sondersitzung getroffen. Dabei hatten die Ausschussmitglieder deutlich gemacht, dass sie eine behindertengerechte Halle wollen. Projektleiter Hans-Richard Maul wies jedoch darauf hin, dass dies sowohl den Kostenrahmen von 23 Millionen Euro als auch den Zeitplan bis zur Eröffnung im Frühjahr 2021 gefährden könnte.
Von allen Seiten wurde danach die Annäherung gelobt. Wie die im Detail aussehen wird, dürfte am Donnerstag spannend werden. Im Kreishaus gilt derzeit die Devise, die Kritikpunkte „soweit wie möglich zu berücksichtigen“. Projektleiter Maul schränkt jedoch ein: „Darüber hinaus gehende Wünsche können bei dem erreichten Umsetzungsstand aber nicht mehr unbegrenzt realisiert werden.“

Das hat zu neuen Unstimmigkeiten geführt. Beiratsvorsitzender Kohlstedt etwa warnt vor „Gebastel“. „Das Einzeichnen von drei Kreisen macht noch lange keine Planung für Menschen mit Behinderung.“ So seien Pläne zum Umkleidetrakt trotz Umplanung „weiter weg von einer ernsthaften Berücksichtigung der Belange von Menschen mit Behinderung entfernt“. Waschbereiche, Dusche und Toilette hätten „weiterhin nichts mit der DIN 18040 zu tun“ – diese Vorgabe ist indes Bestandteil der Baugenehmigung.

Böther kritisiert Kohlstedt: „So geht das nicht“

Kohlstedt ging sogar noch weiter: „Nimmt man uns nicht ernst oder zweifelt unsere Zuständigkeit oder Kompetenz an, dann eskalieren wir auf allen uns zur Verfügung stehenden Kanälen“, schrieb er Ende März an Maul. Das wiederum rief Landrat Jens Böther (CDU) auf den Plan: „Ganz offen – so geht das nicht“ schrieb der Landrat an Kohlstedt und forderte dazu auf, „konstruktiv und ergebnisorientiert“ miteinander umzugehen. „Sehen Sie bitte von Drohungen ab“, unterstrich Böther.

Dass er gedroht habe, dagegen verwahrt sich der Vorsitzende des Behindertenbeirates: „Ich halte weiterhin das Aufzeigen von Eskalationen für normal im gemeinsamen Umgang. Und auch unsere Forderung nach Respekt und Wertschätzung“, fügt Kohlstedt hinzu. Auf seine Bitte an den Landrat, „die Formulierung klar zu stellen“, habe er keine Reaktion erhalten.

Über den Konflikt unterrichtete Böther am Montag auch die Mitglieder des Kreisausschusses. In dessen nichtöffentlicher Sitzung zeigte er den Schriftwechsel via Beamer. „Aus Gründen der Transparenz“, wie Kreissprecherin Katrin Holzmann auf LZ-Nachfrage erläutert. Sie sieht die Wogen jetzt allerdings geglättet. Ob das der Fall ist, dürfte sich nächsten Donnerstag zeigen. Böther und Kohlstedt werden beide im Ausschuss sein und reden.

Unterdessen gehe der Bau der Multifunktionshalle planmäßig voran, heißt es. „Die Corona-Krise hat hier keine Auswirkungen“, sagt Holzmann.

Von Marc Rath