Freitag , 2. Oktober 2020
Die Lüneburger Paartherapeutin Silvia Groth. (Foto: privat)

Eine Chance für die Beziehung

Lüneburg. Die Corona-Pandemie stellt auch Paare vor besondere Herausforderungen. Denn für viele heißt es jetzt Homeoffice, wodurch sie sich rund um die Uhr begegnen. Dazu will der Familien- wie auch der berufliche Alltag bewältigt sein. Für manch eine Beziehung bedeutet das eine Belastungsprobe. Die LZ sprach dazu mit der Lüneburger Paartherapeutin Silvia Groth.

Frau Groth, welche Auswirkungen kann es für Partnerschaften haben, wenn man wie in dieser Zeit zwangsläufig aufeinander hockt?

Silvia Groth: Manche Partnerschaften wachsen durch so eine Krise noch mehr zusammen, unterstützen sich und gehen mehr in die Zweisamkeit. Andere wiederum streiten sich häufiger und das Konfliktpotenzial nimmt zu, bis zu häuslicher Gewalt.

Wie können Paare dafür sorgen, dass es nicht kracht?

Indem sie Verständnis für ihr Gegenüber entwickeln, sich hier und dort mal aus dem Weg gehen, versuchen, positiv zu bleiben und sich auf das Wesentliche im Leben besinnen.

Sollte man bestimmte Probleme oder Themen eventuell nicht ansprechen?

Es ist immer wichtig, miteinander zu reden, auch wenn es schwierig wird. Doch bitte vergessen Sie nicht auch Positives, Wertschätzendes zu benennen: „Was lief heute gut?“ Bedanken Sie sich für den Kaffee am Morgen oder für andere alltäglichen Dinge.

Was sind Sorgen und Ängste, die Paare in dieser Situation besonders belasten?

Alle Menschen befinden sich derzeit in einer globalen Krise, Ängste und Sorgen, die vor allem das Morgen, die Zukunft betreffen. Wie sieht die finanzielle Situation aus, kann ich meine Arbeit noch behalten, Insolvenz, laufende Verpflichtungen, Kredite, Abzahlungen für das Haus und so weiter. Aber auch ganz persönliche existenzielle Sorgen wie: „Wie geht es meinen Eltern?“, „Wie erkläre ich diese Situation bloß meinen Kindern?“ können Themen sein, die gerade im Vordergrund stehen und eine große Belastung darstellen.

Glauben Sie, dass es infolge der Corona-Zeit zu mehr Trennungen und Scheidungen kommen wird?

Dies als Folge der Corona-Krise zu sehen … das glaube ich nicht. Paare, die vor der Zeit schon in einer Trennungsambivalenz waren, gehen vielleicht jetzt eher diesen Schritt. Ich glaube vielmehr, dass Beziehungen, die diese schwierige Situation gemeinsam meistern, noch tiefer zusammenwachsen und gestärkt aus dieser Zeit herausgehen.

Wie mancher Ihrer Kollegen bieten Sie Online-Videosprechstunden zur Unterstützung von Paaren an. Wie genau läuft sowas ab?

Eine Videosprechstunde ähnelt der sonstigen Paarberatung sehr. Die Paare erhalten einen Link und Zugangscode, dieser ist für alle Betriebssysteme verfügbar. Um dem Datenschutz gerecht zu werden, läuft die Video-Sprechstunde über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit wird gewährleistet, dass Unbefugte nicht mithören können. Ich bin selber ganz beeindruckt, wieviel Nähe, Vertraulichkeit und Emotionalität über das Internet möglich ist. Daher möchte ich an dieser Stelle auch Paare und alle anderen ermutigen, sich Hilfe und Unterstützung zu suchen, gerade jetzt.

Wie kann ich gemeinsam Positives bewahren? Und haben Sie einen speziellen Tipp für die Ostertage?

Wie schon oben gesagt. Bleiben Sie positiv – sehen Sie es als Chance für die Beziehung! Schätzen Sie die gemeinsame Zeit auch mit Ihren Kindern, die Sie jetzt verbringen dürfen. Gehen Sie viel nach draußen in die Natur, machen Sie Dinge, die sonst zu kurz gekommen sind. Erfreuen Sie sich, dass Sie einander haben, und im Grunde ist alles möglich.

Von Antje Schäfer