Sonntag , 20. September 2020
Das wird knapp, zu knapp, wie Radfahrer Timo Burmester immer wieder in der Straße Auf der Höhe bei ihn überholenden Autos feststellt. Foto: t&w

Immer wieder viel zu dicht

Lüneburg. Wer die Straße Auf der Höhe kennt, weiß um die täglichen Kämpfe vieler dort durchfahrender Autofahrer. Weil die ohnehin nicht besonders breite Straße auch noch mit wechselseitigen Parkflächen versehen ist, spielen sich mitunter kritische Szenen beim Entgegenkommen ab. Besonders arg trifft es dabei aber häufig die Radfahrer, zu denen nicht der nötige Abstand eingehalten wird. Ein Betroffener richtet nun einen Appell an die vierrädrigen Konkurrenten für mehr Rücksichtnahme – und kann auf Unterstützung von ganz oben rechnen.

„Ich wünsche mir, dass Autofahrer so fahren, wie sie es auch für sich wünschen würden“, sagt Timo Burmester. Der Lüneburger ist häufig mit dem Rad unterwegs, oft hat er dabei auch seine dreijährige Tochter im Anhänger dabei. Doch die Straße Auf der Höhe meidet er inzwischen lieber, zu häufig habe es brenzlige Situationen mit Autofahrern gegeben. „Manchmal wird so knapp überholt, dass ich gegen die Fensterscheibe klopfen kann“, sagt der 32-Jährige, der inzwischen lieber auf die Nebenstraßen ausweicht.

Überholen ist ausgeschlossen

Bei der Stadt ist das Problem bekannt. „Die Situation dort ist suboptimal“, sagt Lüneburgs Radverkehrsplaner Sebastian Heilmann. Doch auch er kann nur an die Einsicht der Autofahrer appellieren, sich dort verkehrsgerecht zu verhalten. Das aber würde bedeuten, dass Radfahrer an diesen Stellen gar nicht überholt werden dürfen. Denn laut Heilmann muss nicht nur ein Abstand von 1,50 Metern zwischen vorbeifahrendem Auto und Radfahrer eingehalten werden, auch die Radfahrer selbst müssen einen Abstand von einem Meter zu den parkenden Autos einhalten, um sich nicht selbst durch sich plötzlich öffnende Autotüren zu gefährden. Hinzu komme, dass die Radler selbst eine Breite von rund einem Meter für sich beanspruchen. „Da die befahrbare Straße dort aber nur 4,50 Meter breit ist, verbleibt für die Autofahrer unterm Strich nur noch ein Meter. Ein Überholen ist damit also ausgeschlossen“, erläutert Heilmann.

Bund plant Überholverbot von Radfahrern

Weil die einzuhaltenden Abstände aber noch immer nicht bei allen Autofahrern angekommen sind, haben sich auch der ADFC und die Verkehrswacht Lüneburg des Themas angenommen. „Wir sind schon lange in der Planung, wie wir dazu gute Aufklärungsarbeit leisten können“, sagt Martin Schwanitz von der Verkehrswacht. Schon in Kürze werde man dazu Informationen mit Anschauungsmaterial herausgeben.

Unterstützung kommt vielleicht aber auch schon bald von höherer Stelle. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kündigt an, Radfahren sicherer machen zu wollen. Dazu hat er eine Novelle der Straßenverkehrs-Ordnung vorgelegt, die unter anderem ein generelles Haltverbot auf Schutzstreifen vorsieht. Zuwiderhandlungen sollen statt mit bisher 15 auf künftig 100 Euro geahndet werden. Aber auch Situationen wie die in der Straße Auf der Höhe sollen entschärft werden. So soll es ein Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen wie Radfahrern an Engstellen geben.

Von Ulf Stüwe