Sonntag , 27. September 2020
Die Folgen des heftigen Regenn am Ende des vorvergangenen Winters und die folgende lange Dürre, die von Mai bis Oktober reichte, haben ideale Bedingungen für Schädlinge wie den Borkenkäfer geschaffen. (Foto: phs)

Die Katastrophe im Wald

Lüneburg. Die Sprache der Verwaltung ist gemeinhin eher nüchtern. Ganz anders klingt das allerdings im aktuellen Forstbericht der Stadt Lüneburg für 2018. „Das Jahr wird als außerordentliches Katastrophenjahr in die Forstgeschichte Mitteleuropas und auch im Stadtwald eingehen“, heißt es dort. „Viele Schäden werden erst in den nächsten Jahren oder sogar Jahrzehnten sicht- und spürbar werden.“

Forstamtsleiter Michael Stall zieht in seinem letzten Bericht, bevor er in den Ruhestand geht, eine traurige Bilanz: „Durch die zahlreichen Ausfälle der Fichte ist deren Anteil an der Baumartenverteilung erheblich gesunken, allerdings führte dies auch zu einem Verlust zahlreicher positiver Strukturen, aus mehrschichtigen Beständen blieben häufig nur noch einschichtige übrig. Weiterhin ist die anfällige Baumart Fichte nun noch unsicherer geworden, weil überall im Innern der Bestände Ausfalllücken entstanden sind, die nun vermutlich Ansatzpunkte für weitere Sturm- und Borkenkäferschäden sein werden.“ Kurz: Es kann also noch dicker kommen.

Ursächlich dafür seien der heftige Regen am Ende des vorvergangenen Winters und die folgende lange Dürre, die von Mai bis Oktober reichte – ideal für Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Borkenkäfer treibt sein Unwesen

Das ist die negative Seite des Berichts. Wirtschaftlich hingegen schaut es anders aus. Stall und seine Mitarbeiter haben ein Plus erwirtschaftet. Der Wintereinschlag bei den Laubbäumen sei gut gelaufen, die Preise seien hoch gewesen. Beim Nadelholz habe das Forstamt mit Beginn der „Borkenkäferkatastrophe“ die Durchforstungen von Juli an eingestellt und nur noch Schadholz zu 60 Prozent des Normalpreises verkauft. Harvester, also Erntemaschinen, habe man bewusst nicht von Unternehmen angefordert, um die Kosten gering zu halten. Am Ende bleibe ein Überschuss von 118 000 Euro, von denen ein Teil in den sogenannten Erholungswald gesteckt wird etwa für das Ausbessern von Wegen und die Pflege von Rastplätzen. Für die Stadt bleibe eine Einnahme von 46 600 Euro.

Wie schon sein Vorgänger Hans-Walther Eckel setzt Stall darauf, den Nadelwald quasi mit Laubbäumen zu durchsetzen, die hier ursprünglich eine viel größere Rolle spielten. So setzten seine Mitarbeiter 10 025 Traubeneichen, 18 225 Rotbuchen und 1700 Bergahorne. Durch diese Pflanzungen seien 6,6 Hektar Nadelwald in Laubmischwald umgewandelt worden.

Um die Bedeutung des Waldes als Erholungraum, für Ökologie und Klima vielen nahe zu bringen, betreibt Stall Öffentlichkeitsarbeit. Er arbeitet nach eigenen Worten intensiv mit Kita, Schulen, der Universität und Jugendherbergen zusammen. Überdies bietet er Führungen an, 43 waren es 2018.

Am Schluss dann doch noch etwas Optimismus. Stall: „Es bleibt die sehr positive Gesamtbeurteilung für den Stadtwald bestehen. Durch die 40-jährige naturgemäße Waldbewirtschaftung trifft unser Stadtwald in dem bestmöglichen Zustand auf die zu erwartenden Klimaextreme und der Umbau der Nadelwälder in Laubmischwälder zahlt sich schon heute aus.“

Von Carlo Eggeling