Sonntag , 1. November 2020
Der Lieblingsort im Landkreis für Jens Böther ist sein Zuhause: „Ich bin viel unterwegs und genieße hier die Zeit mit meiner Frau. Runterkommen und Kräftetanken geht nirgends besser.“ (Foto: t&w)

Abba als Film, AC/DC im Auto

Was bedeutet für Sie Heimat?

Mit dem zu verklärten Heimatbegriff kann ich nicht viel anfangen. Heimat ist für mich dort, wo ich zu Hause bin, wo ich mich wohlfühle, wo Familie und Freunde in der Nähe sind und wo ich keine Karte und keinen Kompass für meine Rennradtouren brauche.

Lassen Sie einmal Ihre Phantasie schweifen. Wie würde Ihr idealer Landkreis aussehen?

In meinem idealen Landkreis würden alle Menschen Arbeit haben und von ihrem bezahlbaren Wohnraum aus mit wasserstoffbetriebenen öffentlichen Verkehrsmitteln alle Ziele im Landkreis erreichen, ohne eine Fähre zu nehmen. Alle Menschen können wählen ob sie lieber ihren Glasfaseranschluss zu Hause für das Zulassen ihres Autos auf der Online-Seite des Landkreises nutzen oder lieber ins Lüneburger Theater beziehungsweise zum Sport in eine bezahlbare Arena gehen während sie sich nie wieder Sorgen über Überschwemmungen oder andere negative Einflüsse des Klimawandels machen müssen und gerne in IHREM Landkreis leben.

Welchen Teil dieses Traums werden Sie verwirklichen können, wenn Sie Landrat sind?

Ich denke, dass ich als Landrat gemeinsam mit allen Akteuren in allen wichtigen Handlungsfeldern den Landkreis ein gutes Stück voranbringen kann. Ganz konkrete Projekte wie ein flächendeckendes Glasfasernetz, neue Antriebstechniken im Nahverkehr, eine bezahlbare Arena, die Brücke über die Elbe und ein zukunftssicheres Theater möchte ich in meiner Amtszeit verwirklichen.

Was schätzen Sie an einem Menschen im Besonderen?

Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Am liebsten natürlich mit meiner Frau, mit einer Fahrradtour oder im Garten. Ich liebe das Radfahren und wenn mal ein ganzer Tag frei ist, packe ich mein Mountainbike ins Auto und quäle mich im Harz den Brocken hoch. Zu schön!

Was ist das Verrückteste, das Sie je gemacht haben?

Ich habe versucht gegen meine damals kleinen Kinder im Memory zu gewinnen.

Sind Sie auch manchmal politikverdrossen? Warum?

Ja, das bin ich auch manchmal. Insbesondere dann, wenn taktisches Kalkül von handelnden Personen über das eigentlich Notwendige und offensichtlich Richtige gestellt wird und wichtige Entwicklungen dadurch blockiert werden.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

„Zeitenwende“ von Carmen Korn: Vier Frauen. Hundert Jahre Deutschland – der Abschluss von Carmen Korns Jahrhundert-Trilogie. Lesenswert!

Welches ist Ihre Lieblingsspeise?

Kartoffelpuffer mit Apfelmus

Welches Ereignis hat Sie besonders geprägt?

Der Fall der Mauer am 9. November 1989 war wohl das prägendste Ereignis in meinem Leben. Ich bin mit der hautnah erlebbaren Trennung Deutschlands aufgewachsen, eine Wiedervereinigung war gar nicht denkbar. Dann ist es friedlich passiert. Ich bin der festen Meinung, dass wir nach fast 30 Jahren schon richtig viel erreicht haben im geeinten Deutschland.

Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Als Bürgermeister von meinen Bürgerinnen und Bürgern.

Welche Musik hören Sie gerne?

Gute Rockmusik, am liebsten von Bruce Springsteen, auf dem Weg nach Hause im Auto zum Kopf frei bekommen auch mal eine ordentliche Portion AC/DC.

Haben Sie einen Lieblingsfilm? Welchen?

Den Abba-Film „Mama Mia“ mit Meryl Streep und Pierce Brosnan, super Musik, super Schnulze!

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?

Die Versuche meiner Eltern mit uns fünf Geschwistern im pubertären Alter am Heiligabend Weihnachtslieder zu singen.

Welches ist Ihr liebstes Reiseziel?

Die Ostseeinsel Usedom

Wann und wohin sind Sie nach dem Mauerfall zunächst in die damalige DDR gefahren?

Zusammen mit meinem Bruder und meinem Vater sind wir an Heiligabend 1989 in Horst über die Grenze zu meinem Großonkel Heino nach Lüttenmark (liegt zwischen Boizenburg und Zarrentin) gefahren. Es war ein bewegender Moment, er stand mit seinen fast 80 Jahren auf eine Forke gestützt auf dem Hof, weinte vor Freude und konnte es nicht fassen, dass er das noch erleben durfte.

Welches ist die beeindruckendste Person, die Sie je getroffen haben?

Mein ehemaliger Stadtbrandmeister Henning Banse, der mit mir drei Hochwasserkatastrophen gemeistert hat!

Als Sie das erste Mal wählen durften (wann war das, bei welcher Wahl), für wen haben Sie sich entschieden?

Weiß ich nicht mehr genau, muss so um 1984 gewesen sein. Auf jeden Fall habe ich als Wähler nicht eine einzige Wahl ausgelassen.

Warum sollte sich ein junger Mensch heute in der Kommunalpolitik engagieren?

Weil hier das direkte Lebensumfeld der Menschen gestaltet wird. Hier geht es um die unmittelbaren Fragen wie Schule, Sport, Busanbindungen oder den Kindergarten um die Ecke. Da mitzumachen bringt Ergebnisse, man hat mit Menschen zu tun und es ist unheimlich abwechslungsreich.

Nach welchem Motto leben Sie?

Machen.

Zur Person: Jens Böther

Geboren in Lüneburg, Leben in Echem, Arbeiten in Bleckede

  • Alter: 52 Jahre
  • Geboren in: Lüneburg, aufgewachsen in Echem.
  • Familienstand/Kinder: seit 1994 verheiratet mit meiner Frau Ute, eine Tochter (23 Jahre) und einen Sohn (21 Jahre)
  • Beruf: Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Informatik-Betriebswirt (VWA).
  • Wichtige berufliche Stationen: 21 Jahre beim Landkreis Lüneburg, zuletzt in führender Position als Leiter der Stabsstelle des Landrates, seit 2006 Bürgermeister der Stadt Bleckede
  • Parteimitglied seit/frühere Mitgliedschaften: Mitglied der CDU seit 2006, 2001-2006 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Echem, 2001-2005 Mitglied im Samtgemeinderat Scharnebeck

Ich kandidiere als Landrat, weil ich sicher bin, dass ich es kann und Lust drauf habe. Die dringend erforderliche Qualifikation und die nötige Erfahrung dafür bringe ich mit und traue mir die Aufgabe zu. Ich bin davon überzeugt, dass ich den Landkreis in dem ich lebe weiterbringen kann. Ich habe richtig Lust auf die Aufgabe und habe alles an Bord dafür – daher will ich es machen und hoffe darauf, dass die Wählerinnen und Wähler mir den Auftrag am 26. Mai geben.

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