Dienstag , 22. September 2020
Am Freitagnachmittag zogen etwa 250 Schüler, Studenten und auch viele Eltern durch die Stadt, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. (Foto: t&w)

Klimademo ohne Fehlstunden

Lüneburg. Den Vorwurf des „Schwänzens“ mussten sich die Demonstranten gestern nicht gefallen lassen: Zum ersten Mal fand die Demonstration der „Fridays for Future“ am Nachmittag statt, Start war 16 Uhr. Grund dafür war, dass viele Berufstätige und Eltern die Aktion unterstützen wollten. „Ihnen ist damit die Möglichkeit gegeben, trotz ihres Jobs die Bewegung zu unterstützen“, sagte einer der älteren Demonstrationsteilnehmer Klaus-Dieter Röschke aus Deutsch Evern, der auch bei den „Parents for Future“ aktiv ist. Einen Widerspruch zu den Schulstreiks sieht er darin nicht: „Wir sind ja nicht auf Konfrontation aus.“ Die Qualität der Demos sieht er in der Beharrlichkeit – zum 19. Mal demonstrierten die Schüler am Freitag – und dem Engagement der jungen Leute für die Sache, sowohl während der Schulzeit als auch in ihrer Freizeit.

Die Schülerinnen Marie-Sophie, Kaja, Luise und Marilena von der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Bevensen waren gekommen, um ein Zeichen zu setzen – auch, um den Lehrern ihrer Schule zu zeigen, dass es ihnen ernst ist mit dem Klimaprotest. „Wir wollen eben nicht nur schwänzen“, sagte Marie-Sophie entschieden. Das Quartett ist aber auch in seiner Freizeit engagiert: Sie achten sehr auf ihr Konsumverhalten und wollen auch Mitschüler dazu anhalten, mit ihrem Lebensstil weniger die Umwelt zu belasten.

Mensch für das Artensterben verantwortlich

Dennoch: Mit-Demonstrant und ebenfalls aktiver „Parent for Future“ Jens Lück aus Garlstorf fand, dass die Nachmittags-Demo die Ausnahme bleiben muss: „Die Schüler müssen definitiv während der Schulzeit streiken, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt er.

Etwa 250 Menschen zogen gestern durch die Innenstadt und lauschten den Kundgebungen am Marktplatz und am Sande. Diesmal war das Thema ‚Artensterben‘. „Das Great Barrier Reef stirbt, weil die Korallen die steigende Wassertemperatur nicht vertragen“, sagte etwa die Schülerin Leonie Mahncke in ihrer Ansprache. Die Zahl der Bienen würde aufgrund der vom Menschen eingesetzten Pestizide immer kleiner werden, Plastikmüll in den Meeren sorge für den Tod tausender Fische und anderer Meeresbewohner. „Wenn nicht das Handeln des Menschen für das sechste große Artensterben verantwortlich ist, was dann?“ fragte sie ihr Publikum – und erntete Zustimmung.

von Robin Williamson