Mittwoch , 30. September 2020
Zur Beweidung von Flächen an der Elbe sind unter anderem Rinder angeschafft worden. Ihr Fleisch darf wegen Schadstoffbelastungen nicht in den Lebensmittelkreislauf gelangen. (Foto: t&w)

Auf Augenhöhe

Lüneburg. Vier Jahrhunderthochwasser in nur elf Jahren, und das letzte liegt bereits sechs zurück: Der Handlungsdruck an der Elbe ist enorm, die Anrainer erwarten Lösungen, bevor die nächste Welle anrollt. Um einer solchen im Ernstfall Herr zu werden, haben das Biosphärenreservat Niedersächsiche Elbtalaue, die Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Bauernverband Nordostniedersachsen mit Fördermitteln des Landes 2016 das „Kooperative Auenmanagement“ ins Leben gerufen – und das Vorhaben kommt an.

„Ziel des Projekts ist es, kurzfristig greifende Präventiv-Maßnahmen zu treffen und die Bedürfnisse von Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Naturschutz unter einen Hut zu bekommen“, erklärt Dr. Johannes Prüter, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung. „Früher hat man sich gegenseitig über Leserbriefe angefeindet, heute sitzen wir alle an einem Tisch.“

Gehölzrückschnitt und Beweidung

Im Vordergrund des Auenmanagements stehen Gehölzrückschnitt und Beweidung. Die Beweidung im Deichvorland ist dringend notwendig, um den Aufwuchs junger Bäume und Büsche zu verhindern, denn diese wachsen rasant, bis zu anderthalb Meter pro Jahr. Doch sie gestaltet sich schwierig, Prüter: „An den Ufern ist die Erde durch Altlasten aus der DDR schadstoffbelastet, sodass Tiere hier nur grasen dürfen, wenn sie nicht in den Lebensmittelkreislauf gelangen. Das macht die Flächen für Landwirte unattraktiv.“ Ihre Pflege sei zwar auch mechanisch möglich, doch gerade in einem Schutzgebiet unglücklich.

Deshalb seien im Zuge des Auenmanagements für die Beweidung Schafe und Rinder angeschafft worden. Das Förderprojekt ist auf sechs Jahre angelegt, zur Halbzeit laden die Organisatoren nun zu Informationsabenden ein, um ein erstes Resümee zu ziehen (siehe Kasten). „Wir haben Befragungen zu den bisherigen Maßnahmen gemacht, deren Ergebnis wir gerne vorstellen möchten“, sagt Prüter. Der Tenor sei positiv, verrät er. „Es gibt kleine Kritikpunkte, aber die Marschroute findet Anklang. Und wir liegen gut im Zeitplan.“

Die Gesellschaft finanziell mehr in die Pflicht nehmen

Zuspruch gibt es auch von Hartmut Burmester, Deichhauptmann des Artlenburger Deichverbands. Allerdings würde er es gerne sehen, wenn der präventive Hochwasserschutz auf mehr Schultern verteilt, auch andere Teile der Gesellschaft finanziell mehr in die Pflicht genommen würden. „Bislang sind hauptsächlich wir Landwirte die Leidtragenden.“

„Endlich passiert mal was“, sagt Jürgen Siems vom Verein zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums im Elbtal und lobt die gleichberechtigte Zusammenarbeit beim Auenmanagement. „Wir werden als örtliche Interessenvertreter auf Augenhöhe behandelt, das war nicht immer so“, sagt der Hittberger. Auch Johannes Prüter glaubt, dass durch die vier Verbände auf sehr örtlicher Ebene eine besonders gute Kooperation mit Bevölkerung und Initiativen möglich sei. „Trotzdem erhoffen wir uns, durch die Infoabende noch mehr Interesse an unserer Arbeit zu wecken, wir freuen uns über jeden, der Lust hat, sich zu engagieren.“

Hintergrund

Info-Abende an der Elbe

Die Termine im Überblick :

  • Montag, 4. März, in der Dorfgemeinschaftshalle Hittbergen
  • Donnerstag, 7. März, im Archezentrum Amt Neuhaus
  • Dienstag, 19. März, im Quickborner Jägerhof (Gusborn OT Quickborn), jeweils um 19 Uhr.

Weitere Infos unter www.elbtalaue.niedersachsen.de

Von Lea Schulze