Mittwoch , 23. September 2020
Erika Romberg strahlt – nicht nur wegen der Blumen, sondern auch angesichts des lautstarken Beifalls bei ihrer Wahl. (Foto: t&w)

Die unvoreingenommene Alternative

Lüneburg. „Ich kann Verwaltung. Ich kann Netzwerke knüpfen. Ich kann Verkrustungen aufbrechen“ – selbstbewusst steht Erika Romberg am Rednerpult im Gasthaus Nolte. „Ich will mich als unvoreingenommene Alternative anbieten“, ruft die 62-Jährige am Mittwochabend den 45 Parteimitgliedern zu. Die „Macht langjähriger Netzwerke“ kenne sie als Ex-Staatssekretärin und ehemalige Baustadträtin. Mit ihr würde ein neuer Stil einziehen, anstelle der „herrschenden Gutsherrenart im Landkreis“.

Es ist der erste Auftritt der Wahl-Berlinerin im Kreis. Doch in ihrer schnörkellosen und direkten Art heimst Romberg mit ihrer gerade einmal zwölfminütigen Rede einige Male Zwischenbeifall ein, der am Ende in rhythmisches Klatschen übergeht.

Den Landkreis in allen Facetten vertreten

„Es geht um den Posten der Landrätin“, hatte die studierte Ingenieurin und erfahrene Verwaltungsfachfrau zuvor eingeschränkt: „Es wird uns leider nicht gelingen, das komplette grüne Programm umzusetzen.“ Viele Positionen seien aber inzwischen in der Gesellschaft angekommen. „Wir werden mehr, lasst uns die Zeit nutzen“, stimmt sie auf den Wahlkampf ein.

Sie wolle den Landkreis in allen Facetten vertreten, kündigt Romberg an. Bei der Modernisierung der Verwaltung sieht sie „ein hohes Potenzial“. Bei der Bildung gehe es um eine gute Schulstruktur, eine enge Kooperation mit der Leuphana, aber auch um die Förderung von Kultureinrichtungen und Volkshochschule – „gute Arbeit gibt es nur durch gute Bildung“. Der Breitbandausbau müsse zügig vorangetrieben werden, um modernes und familienfreundliches Arbeiten zu ermöglichen.

Absage an Elbbrücke

Bei der Verkehrspolitik setzt die Kandidatin auf Ausbau der Fahrradwege zu sicheren Routen, einen Nahverkehr mit mehr Linien, die auch bis in den späten Abend fahren. Die Reaktivierung alter Bahnstrecken solle klimaneutral erfolgen. Güter gehörten von der Straße auf die Schiene. Hier sei ausreichender Lärmschutz wichtig. Unter dieser Prämisse spricht sie sich für die Alpha-E-Variante aus und gegen „eine neue Bahnstrecke durch die Heide“. Ortsumgehungen statt A39-Weiterbau – ein ur-grünes Thema. Einer Elbbrücke erteilt sie eine klare Absage, stattdessen sollte eine kostenlose Fährnutzung für die Schüler „sofort“ ermöglicht werden.

Da gibt es nur wenige Nachfragen. Petra Kruse-Runge will wissen, ob sie dann auch in den Landkreis ziehe. Ihr Mann habe eine kleine Wohnung in Dahlenburg, verrät Romberg, sieht da „kein Problem“: „Die Kinder sind aus dem Haus.“ Sie bekommt am Ende 44 der 45 Stimmen bei einer Enthaltung. Die Basis quittiert das mit stehenden Ovationen. Es gibt Blumen. Romberg ist überwältigt: „Ich freue mich auf den Wahlkampf mit Euch. Wir werden viele Leute gewinnen.“

Wichtige Stationen

Ein halbes Jahr Staatssekretärin

  • 1957 in Bad Honnef geboren, studiert Erika Romberg Maschinenbau und arbeitet anschließend in der Hamburger Baubehörde
  • 1986 tritt sie in die Grünalternative Liste (GAL) Hamburg ein, sitzt für die Partei von 1986 bis 1989 in der Bürgerschaft
  • 1990 bis 1996 ist sie als Baustadträtin in Berlin-Kreuzberg tätig
  • Mitte 2001/Anfang 2002 Staatssekretärin der Senatorin für Wirtschaft und Technologie im rot-grünen Senat von Berlin
  • Seit 2010 Referatsleiterin im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

Von Marc Rath