Samstag , 31. Oktober 2020
So soll die Galerie aussehen, die Henning Jörg Claassen eigentlich Am Werder errichten wollte. Doch er kann sich auch vorstellen, dass sie an einem alternativen Standort entsteht. (Foto IMC)

Kommt die Kunstgalerie doch?

Lüneburg. Der Lüneburger Unternehmer Henning Jörg Claassen hat der Stadt angeboten, einen Neubau für eine Galerie Am Werder zu errichten. Seine Sammlung internationaler Gegenwartskunst, die zurzeit noch im „Alten Kaufhaus“ untergebracht ist, soll darin für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Bauausschuss hatte das Projekt Ende Januar in nicht-öffentlicher Sitzung behandelt. Und da sah es so aus, als wenn es schwierig sei, das Vorhaben zu realisieren. Doch nun hat der Kulturausschuss die „Kunstgalerie Am Werder“ noch einmal im öffentlichen Teil auf die Tagesordnung gesetzt. Es scheint Bewegung ins Projekt zu kommen.

Dimension des Gebäudes passte einigen Politikern nicht

Der Bauausschuss hatte deutlich gemacht, dass er das Bauvorhaben dem Grunde nach unterstütze, erklärte Stadtpressesprecherin Ann-Kristin Jenckel damals gegenüber der LZ. Aber es solle kleiner werden, damit der dort vorhandene Baumbestand durch die Baumaßnahme nicht gefährdert werde. Sollte eine geringere Bebauung aus Sicht des Bauherrn nicht möglich sein, solle die Verwaltung nach einem alternativen Standort für das Gebäude suchen. Aus der Politik war damals auch zu hören, dass nicht nur die Dimension des Gebäudes nicht zusage, sondern auch die architektonische Gestaltung.

Anders wertete Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er hatte bereits nach der Ausschusssitzung gesagt, dass er den Bau einer Galerie Am Werder für einen Gewinn für die Stadt Lüneburg hält. Als Kulturdezernent sei es ihm ein großes Anliegen, „die Sammlung von Herrn Claassen hier in der Stadt zu halten. Ich hoffe daher, dass Verwaltung, Politik und Bauherr eine Lösung finden werden.“ Es sei wichtig, dass neben dem Bauausschuss auch der Kulturausschuss über die Galerie Am Werder diskutiert, damit das Projekt nicht allein aus baurechtlicher, sondern auch aus kultureller Sicht beurteilt werde.

Der Stadt entstünden keine Kosten

Und auch Bürger machten in Leserbriefen an die LZ deutlich, dass es der Stadt ihrer Ansicht nach gut zu Gesichte stünde, ein solches kulturelles Geschenk anzunehmen. Claassen hatte gegenüber der LZ erläutert: „Ich habe mich bereiterklärt, sämtliche mit dem Projekt in Verbindung stehenden Kosten zu übernehmen und den laufenden Betrieb durch meine Stiftung ‚Kunstsammlung Henning J. Claassen‘ zu gewährleisten.“ Der Stadt entstünden also keine Kosten.

In der Vorlage zum Kulturausschuss wird nun darauf hingewiesen, dass die Kunstsammlung von Claassen ein breites Spek­trum zeitgenössischer Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik und Skulptur umfasse. Über Jahrzehnte habe er Werke von internationalen Künstlern wie Christo, Roy Lichtenstein und Victor Vasarely erworben. „Ein vergleichbares Vorhaben, eine Sammlung in dieser Vielfalt für alle Bürger und Besucher der Stadt niederschwellig erfahrbar zu machen, gibt es in der Stadt Lüneburg nicht.“

Kleinere Variante Am Werder kommt nicht infrage

Claassen sagt, er freue sich, dass neben dem Bauausschuss nun auch der Kulturausschuss eingebunden werde. „Ich wäre bereit, die Kunstsammlung auch an einen anderen Standort in der Stadt zu verlegen und ein entsprechendes Gebäude auf eigene Kosten zu errichten.“ Ein verkleinertes Konzept für den Werder sei nicht möglich, „da das von mir vorgestellte Gebäude auf die baulichen Möglichkeiten Am Werder Rücksicht genommen hatte und für den Umfang der Sammlung sowie die Ausstellung mit wechselnden Exponaten eigentlich schon zu klein war“.

Die Sitzung des Kulturausschusses findet am Freitag, 8. März, von 16 Uhr an im Traubensaal des Rathauses statt.

Von Antje Schäfer