Montag , 26. Oktober 2020
Den Radverkehr in Lüneburg fördern wollen alle. Doch welches Ziel realistisch erreichbar ist, darüber herrscht Uneinigkeit. (Foto: t&w)

Zwischen machbar und überheblich

Lüneburg. Wieviel Radverkehr soll Lüneburg in zehn Jahren haben? Ist ein Anteil von 30 Prozent sinnvoll oder doch lieber 40 Prozent, auch wenn klar ist, dass dieser Wert gar nicht erreichbar ist? „Wir sollten das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu bekommen“, machte sich Ulrich Blanck (Grüne) für einen möglichst hohen Anteil stark. Bei der Diskussion um die Präambel für Lüneburgs Radverkehrsstrategie 2025 im Verkehrsausschuss ging es auch um weitere Aspekte für mehr Radler-Freundlichkeit.

Ausreichend breite Radwege, mehr grüne Wellen für Radfahrer, stärkere Berücksichtigung digitaler Möglichkeiten, konkretere Ziele mit klarerem Zeitraster, „Radrouten“ statt „Radwege“ oder mehr Rücksicht auf Fußgänger – es gab vieles, was den Ausschussmitgliedern für eine Berücksichtigung oder Verbesserung in der Präambel einfiel. Zwar waren alle von dem Papier, das von der Verwaltung vorgelegt worden war, weitgehend angetan, doch es gab eben weitergehende Wünsche. Zu viele, wie Jens-Peter Schultz (SPD) monierte: „Dies ist eine Präambel und kein Gesetz.“ Es gehe um Leitbilder, erinnerte der Ausschussvorsitzende, „wir sollten nicht zu enge Fesseln anlegen“.

„Dies ist eine Präambel und kein Gesetz. “ – Jens-Peter Schultz , Ausschussvorsitzender

Die drei Leitbilder, die den Handlungsrahmen für die künftige Radverkehrspolitik ausmachen sollen, hatte zuvor Lüneburgs Radverkehrsbeauftragter Sebastian Heilmann vorgestellt: Komfort, Sicherheit und Klima. Dabei hatte er die nicht ganz einfache Aufgabe, diese Leitbilder weiter zu untersetzen, gleichzeitig aber im Unverbindlichen zu bleiben, um künftigen Maßnahmen nicht vorzugreifen. Und: Die Begründung der Leitbilder und Maßnahmen sei auch wichtig, um argumentativ für künftige Förderprogramme von Bund und Land gewappnet zu sein.

Sechs Handlungsfelder

Gleichwohl wurden sechs Handlungsfelder benannt, in denen die Leitbilder umgesetzt werden sollen: Ausbau der Radverkehrsanlagen, Untersuchung von Unfallschwerpunkten, Verknüpfung mit anderen Verkehrssystemen, Steigerung von Fahrradabstellmöglichkeiten, Navigation durch Digitalisierung und Stärkung der „Mobilitätsstruktur“.

Während die meisten Punkte die Unterstützung im Ausschuss fanden, bot lediglich die von der Verwaltung vorgeschlagene Zielmarke von 30 Prozent Radverkehrsanteil weiter Diskussionsstoff. So lehnte nicht nur Ayse Reichert (SPD) den Blanck‘schen Vorstoß auf 40 Prozent mit den Worten „Das ist ein überhebliches Ziel“ ab, auch Michèl Pauly (Linke) befand, dass man mit 30 Prozent schon sehr gut aufgestellt sei, schließlich habe Kopenhagen als besonders fahrradfreundliche Stadt selbst nur einen Anteil von 32 Prozent. „Wenn wir uns dem nähern, wäre es fantastisch.“

Dezernent Markus Moßmann suchte den Kompromiss und schlug 35 Prozent vor. Ob dieser Wert letztlich aber in eine überarbeitete Fassung des Präambel-Entwurfs aufgenommen werde, ließ er ebenso offen wie die ­übrigen Änderungswünsche. Klar sei aber, dass das Bezugsjahr für die Maßnahmenvorschläge nicht 2025, sondern 2030 sei. Eine frühere Umsetzung sei aus finanziellen Gründen und wegen nicht ausreichender Verfügbarkeit von Ingenieurbüros und Bauunternehmen nicht möglich.

Radverkehrsstrategie 2025

Präambel-Auszüge

In dem Entwurf für die Präambel als Handlungsrahmen für die künftige Radverkehrspolitik der Stadt heißt es unter anderem:

  • Ziel ist eine fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt.
  • Radfahren muss einfacher, schneller, bequemer und sicherer werden.
  • Radwege müssen in qualitätsvoller Substanz vorhanden und bei vorhandenem Raum ausreichend breit sein.
  • Kinderanhänger, Pedelecs und Lastenräder bereichern das Verkehrsgeschehen.
  • Während Radwege in der Vergangenheit überwiegend als Begleitaspekt der Straßenplanung gesehen wurden, will Lüneburg den bereits vor zehn Jahren gestarteten Ausbau eines leistungsfähigen, vollständigen, sicheren und eigenständigen Radverkehrsnetzes fortsetzen.
  • Die Stadt Lüneburg, die Umlandgemeinden und der Landkreis können einen wesentlichen Beitrag zur Förderung des Radverkehrs leisten. Deswegen müssen sie noch fahrradfreundlicher werden.

Von Ulf Stüwe