Freitag , 18. September 2020
Im Dezember 2014 wurde das Inventar des Hauses, das von 1967 an der Jugend zur Verfügung stand, entsorgt. Auch der Stadtjugendring und die Stadtjugendpflege mussten ausziehen. Foto: A/t&w

Gibt es bald wieder ein „Haus der Jugend“?

Lüneburg. Ein halbes Jahrhundert lang war das „Haus der Jugend“ an der Katzenstraße eine zentrale Anlaufstelle für die jüngeren Einwohner Lüneburgs. Sie konnten dort Diskussionsrunden abhalten, sich in einer Werkstatt austoben, ein Fotolabor nutzen und vieles mehr. Ende 2014 war Schluss, der Komplex wurde verkauft. Jetzt gibt es neue Bewegungen: Die Stadt ist auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, aktuell wird eine ehemalige Güterhalle am Bahnhof geprüft.

„Das Gebäude steht leer, es müsste viel saniert werden, aber es ist gut geeignet“, sagt Bildungsdezernentin Pia Steinrücke und betont: „Ein Haus der Jugend halten wir für wünschenswert und sinnvoll.“ 2019 sollen entsprechende Planungen beginnen.

„Die aktuelle Raumsituation ist übersichtlich“

Dass das Thema jetzt zur Sprache gekommen ist, hängt damit zusammen, dass der Stadtjugendring eine Anfrage an den Jugendhilfeausschuss des Rates gestellt hat und wissen wollte, ob es seitens der Verwaltung Pläne für ein neues Haus gibt. Mit dieser positiven Rückmeldung hat Steinrücke gleich versucht, einen anderen Antrag abzubügeln. So wünscht sich der Verein ein Konzept, das die Raumvergabe an Jugendliche und Jugendgruppen regelt.

„Die aktuelle Raumsituation ist übersichtlich“, formuliert es Friedrich Laatz vom Stadtjugendring vorsichtig. Auch seien vorhandene Räumlichkeiten oftmals aufgrund der großen Nachfrage völlig überbucht. Er führt das Beispiel des Café Finke in der Finkstraße an, das vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) betrieben wird und vor allem wegen der zentralen Lage so beliebt bei Jugendlichen ist: Acht verschiedene Gruppen würden die Flächen nutzen, allein die Initiative „Jugend für Geflüchtete“ treffe sich da rund 80 Mal im Jahr. Die Nutzung ist kostenlos, auch deshalb ist die Räumlichkeit gefragt. Laatz weist auf die Kehrseite hin: „Der CVJM hat hohe Mietkosten und betreibt Raubbau an der eigenen finanziellen Substanz.“

Koordinierungsstelle abgeblockt

Eine Lösung sieht er in einem zentralen Kontakt für Jugendliche, die auf Raumsuche sind. Es sei wichtig, dass sie auf die Belegungspläne der verschiedenen Häuser in Lüneburg zugreifen können, ihre Anfragen zeitnah beantwortet werden und die eingeschränkte Mobilität jüngerer Menschen Berücksichtigung findet. So würden manche Flächen aufgrund der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln wegfallen. „Sie sind nicht alle 18 Jahre alt und können Auto fahren“, sagt er.

Steinrücke hält die Idee für „nicht charmant“ und „unrealistisch“, betont außerdem, dass die Stadt über so viele Räumlichkeiten gar nicht verfüge. In einem ersten Schritt ein Konzept zu erarbeiten und dann einen Mitarbeiter aus der Verwaltung mit einer halben Stelle für die Koordination der Raumvergabe abzustellen, das sei nicht passend und personell nicht umsetzbar.

„Es wird immer schwieriger, Räume zu finden.“

Dass es nach Auskunft von Stadtjugendpfleger Jens Döhrmann insgesamt nur zweimal vorgekommen ist, dass ein Jugendlicher nach einem Raum gefragt hat, ist für Steinrücke ein weiterer Beleg dafür, dass nichts verändert werden muss. „Wir stehen ja trotzdem weiterhin zur Verfügung, wenn jemand einen Raum benötigt.“ Gleichzeitig sei die heutige Jugend aber durchaus fit genug, beispielsweise direkt in einem der Stadtteilhäuser nachzufragen.

Ein generelles Platzproblem in Lüneburg bestreitet sie dagegen nicht. So macht die Dezernentin deutlich, dass die Verwaltung davon ebenso betroffen sei. „Wir sehen es ja bei der Ausschussplanung, es wird immer schwieriger, Räume zu finden.“

Letztlich fand ihre Bitte, den Antrag des Stadtjugendrings abzulehnen, Gehör. Die Mehrheit der Ausschussmitglieder stimmte gegen ein Konzept und eine entsprechende Koordinierungsstelle, begrüßte gleichzeitig aber die Bemühungen der Stadt, der Jugend wieder ein eigenes Haus zu widmen.

Von Anna Paarmann