Mittwoch , 30. September 2020
Solche Triebwagen könnten auf Elektroantrieb umgerüstet werden, schlagen die Ehrenamtlichen von der Bleckeder Kleinbahn vor. Foto: Henning Karger

Wiederbelebung mit Akku

Lüneburg/Bleckede. Diese Idee könnte auf die Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede wirken wie ein Defibrillator auf das stillstehende menschliche Herz: Zur Wiederbelebung der alten Schienenstrecke für den Personennahverkehr hat die Bleckeder Kleinbahn eine Konzeptskizze vorgelegt, die einen Betrieb mit einer akku-elektrischen Regionalbahn vorsieht. Dafür könnten Dieseltriebwagen aus den 1990ern relativ kostengünstig umgerüstet werden, sagt Hans Dierken, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL), die Trägerin der Bleckeder Kleinbahn ist. Für diese Idee erwärmt sich nicht nur der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols (CDU).

Das Bundesverkehrsministerium sei zu einer Förderung der Bleckeder Kleinbahn bereit, wenn es darum geht, ältere Dieseltriebfahrzeuge auf Elektroantrieb umzurüsten. Das gehe aus einer schriftlichen Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Ministerium, Enak Ferlemann, auf eine entsprechende Anfrage hervor, erklärt Pols in einer Pressemitteilung. „Es war vor allem die mögliche Pilotcharakter, der das Interesse des Ministeriums geweckt hat“, sagt Pols. Der Kauf und die Umrüstung der Triebfahrzeuge, die Energieversorgungsinfrastruktur sowie die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens könnten Bestandteile einer Projektförderung sein, heißt es.

Alle Komponenten sind verfügbar und erprobt

Die Ehrenamtlichen der Bleckeder Kleinbahn machen sich schon seit längerem Gedanken darüber, wie sie die Strecke Lüneburg-Bleckede wieder fit für einen regelmäßigen Schienenpersonennahverkehr machen können. Dabei haben Hans Dierken und seine Mitstreiter auch den Fuhrpark in den Blick genommen. Sie wollen weg vom verpönten Dieselmotor. Gleichzeitig gilt Dierken der Oberleitungsbetrieb angesichts steigender Unwetterhäufigkeiten gerade in ländlichen Gegenden als zu störungsanfällig und die Wasserstofftechnik sei zu anspruchsvoll. Dierken: „Seit Kurzem sind alle Komponenten verfügbar und erprobt, um Regionalbahnen akku-elektrisch anzutreiben.“

Die Kleinbahner schlagen ein Modell vor, wonach die Endhaltestellen in Lüneburg und Bleckede mit Induktions-Ladetechnik ausgestattet werden. Wartezeiten an den Endbahnhöfen wären gleichzeitig auch Ladezeiten, sagt Dierken, dann könnten auch die verbauten Akkus kleiner ausfallen. Und es hätte einen weiteren Vorteil: Für den Betrieb müssten keine neuen Triebwagen angeschafft werden. Stattdessen könnten alte Dieseltriebwagen kostengünstiger umgerüstet werden. Das würde auch der Wirtschaftlichkeitsberechnung des Vorhabens zum Vorteil gereichen.

„Wir sind keine professionellen Nahverkehrsbetreiber“

Damit aber eine Förderung durch den Bund tatsächlich realistisch wird, müssten laut Pols die niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) beziehungsweise der Landkreis Lüneburg dafür sorgen, dass auch ein regulärer Schienenpersonennahverkehr dauerhaft gewährleistet ist. Der Betrieb müsste dann ausgeschrieben werden. Die Bleckeder Kleinbahn bliebe Netzbetreiber und sieht sich sonst vor allem als Ideengeber. Dierken: „Wir sind schließlich nur Hobbybahner und keine professionellen Nahverkehrsbetreiber.“

Rainer Peters von der LNVG sagte auf LZ-Nachfrage: „Der Landkreis müsste eine standardisierte Bewertung für die Strecke in Auftrag geben, die mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von größer als 1 abschließt. Gelingt das, stehen die Chancen für eine Reaktivierung der Strecke für den Schienenpersonennahverkehr und eine Förderzusage durch die LNVG gut.“ Kreissprecherin Urte Modlich sagt: „Der Landkreis Lüneburg wird in Abstimmung mit dem Kreistag und den betroffenen Institutionen ein Gutachten zur Reaktivierung der Bahnstrecken Lüneburg-Bleckede und Lüneburg-Soltau über Amelinghausen beauftragen.“ Das Ausschreibungsverfahren läuft in Kürze an.

Von Dennis Thomas