Mittwoch , 28. Oktober 2020
Metronom-Züge werden künftig auch am Wochenende stündlich von Lüneburg nach Hamburg pendeln. Foto: t&w

Bahn und HVV bitten zur Kasse

Lüneburg. Die Deutsche Bahn glänzte in den vergangenen Monaten nicht unbedingt mit Pünktlichkeit. Vor allem auf der Pendler-Strecke zwischen Lüneburg und Hambur g gab es wegen Bauarbeiten und Umleitungen immer wieder Verspätungen. Manche Zugverbindungen wurden ganz gestrichen. Auch die Metronom Eisenbahngesellschaft hatte darunter zu leiden – und damit Tausende Pendler. Nun soll alles besser und schöner werden. Aber auch teurer.

Besser, weil es im Regionalverkehr mit dem Metronom alle zwei Stunden ohne den bisherigen Umstieg in Uelzen von Hannover nach Hamburg gehen wird. Weil die Regionalbahn von Lüneburg nach Hamburg künftig auch am Wochenende stündlich pendelt. Für Hamburg-Ausflügler sollen am Wochenende zusätzliche Direktzüge ab Hannover einsetzt werden. Das teilte die Landesnahverkehrsgesellschaft mit. Auch die von Hannover über Schwarmstedt und Soltau nach Buchholz fahrende Heidebahn wird am Wochenende bis Hamburg-Harburg verlängert. Und erstmals seit 44 Jahren wird mit dem Fahrplanwechsel wieder Einbeck mit der Bahn zu erreichen sein.

Doch das ist nicht alles: „Es wird mehr Spätverbindungen geben und zusätzliche Züge wegen der neuen Amazon-Zentrale in Winsen“, sagt der Metronom-Pressesprecher Björn Pamperin. Details sollen in der kommenden Woche bekannt gegeben werden.

Teurer, weil zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember die Deutsche Bahn die Fahrpreise im Fernverkehr um durchschnittlich 0,9 Prozent erhöhen wird. Fahrscheine zum vollen Preis (Flexpreis) werden in der ersten und der zweiten Klasse im Durchschnitt jeweils 1,9 Prozent teurer.

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) will tiefer in die Taschen der Kunden langen. Zum Jahreswechsel hat der HVV eine Erhöhung der Preise um 2,1 Prozent beantragt. Noch ist dieser Antrag zwar nicht durch, aber „wir sind optimistisch“, sagt Silke Seibel, stellvertretende Pressesprecherin des HVV. Die Stationen ab Mitte Oktober sind klar: Erst befasst sich der Senat mit dem Antrag, dann Verkehrs- und Haushaltsausschuss, und am Ende – „wahrscheinlich Mitte Dezember“– die Bürgerschaft.

Bei einem Ja würden für eine Monatskarte im Gesamtbereich 218,40 Euro fällig statt 212,80. Der Einzelfahrschein innerhalb einer Zone soll um zehn Cent auf 2,30 Euro steigen, ein Ticket für den Gesamtbereich soll von 8,80 auf 8,90 Euro steigen. Die Gründe sind bei HVV und Bahn ähnlich: Höhere Ausgaben für Personal und Energie, mehr Investitionen.

Immerhin will die Bahn ihr Angebot auf beliebten Fernverkehrsstrecken ausbauen. Davon wird auch der Norden profitieren. So sollen auf der Strecke Hamburg–Köln mehr ICE statt IC eingesetzt werden. Auch auf der Linie 26 (Karlsruhe über Marburg, Hannover, Lüneburg und Hamburg an die Ostseeküste) werden die klassischen Intercity-Züge von modernen ICE-T-Zügen mit Bordbistro und kostenlosem WLAN abgelöst. Der Fahrplan im Zwei-Stunden-Takt bleibt unverändert, die mit Spitzentempo 230 auch schnelleren Züge sollen helfen, noch pünktlicher zu fahren. Im Zuge der Umstellung vom IC auf den ICE kommt es zu Anpassungen bei Angeboten und Preisen, kündigte die Bahn an – die Tickets dürften also teurer werden.

Gibt es Beispiele für die Preiserhöhungen?

Ja, die Bahn zählt einige Beispiele auf: Wer von Hamburg nach Frankfurt fährt, muss mit 128 Euro künftig zwei Euro mehr bezahlen. Die Strecke Köln-München kostet 150 statt 147 Euro.Und für die neue Schnellfahrstrecke München-Berlin steigt der Flexpreis (2. Klasse) von 150 auf 153 Euro.

Welche Preiserhöhungen gibt es noch?

Wer es nicht mehr geschafft hat, vor Fahrtantritt ein Ticket zu kaufen, muss beim Nachlösen im Zug deutlich mehr zahlen: Der Aufschlag erhöht sich von bisher 12,50 Euro auf satte 19 Euro. Zudem werden für Vielfahrer die Streckenzeitkarten teurer – und zwar um durchschnittlich 2,9 Prozent. Auch die Bahncard 100 wird teurer: In der zweiten Klasse werden künftig 4395 Euro fällig, 125 Euro mehr als bisher. Für die erste Klasse verlangt die Bahn 214 Euro mehr: 7439 Euro .

Wie viele Kunden sind mit Spartickets unterwegs?

Laut Bahn sind es mehr als 90 Prozent aller Kunden, sie kaufen entweder ein Ticket im Sonderangebot oder haben eine Bahncard. Die anderen gut 10 Prozent müssen den vollen Preis zahlen.

Von Werner Kolbe