Freitag , 18. September 2020
Einen Radweg von Lüneburg nach Buchholz in der Nordheide entlang der Trasse der ehemaligen Buchholzer Bahn hatten Initiatoren angeregt. Doch der Stolperstein Kosten droht das Projekt schon im Ansatz zu ersticken. Foto: t&w

Aus für die Velo-Route droht

Lüneburg. Der Bau- und Planungsausschuss des Kreistages Harburg hat die Velo-Route von Lüneburg nach Buchholz/Nordheide so gut wie beerdigt. Bei zwei Enthaltungen lehnten die Mitglieder des Gremiums einstimmig die Pläne ab, auf der stillgelegten Bahntrasse einen durchgehenden Radweg zwischen den beiden Städten anzulegen. „Die zu erwartenden Kosten stehen nach Ansicht des Ausschusses in keinem Verhältnis zum erwarteten Nutzen“, sagt Andres Wulfes, Pressesprecher des Landkreises Harburg.

Wie berichtet, hatten der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der Ingenieur Eckehardt Scheibler aus Salzhausen ein Konzept entworfen, das die komplette Strecke der ehemaligen Buchholzer Bahn mit einem Fahrradweg ausweist. Eine solche kreisübergreifende Velo-Route hätte nicht nur eine touristische Funktion, sondern wäre auch ein Infrastrukturprojekt, so die Initiatoren. Radfahrer haben sich inzwischen in der Bürgerinitiative (BI) „Velo-Route Buchholzer Bahn“ zusammengefunden. „Viele Bürger in unseren Landkreisen wollen sicher mit dem Fahrrad fahren. Die Veloroute wäre für den Alltagsverkehr und auch für touristische Radfahrer ein Highlight und die einzige Strecke, die autofrei durch die Landkreise Harburg und Lüneburg führt“, meint Scheibler.

Ehemalige Bahntrasse als Bahnstrecke

„Dem Kreis Harburg ist der Radverkehr wichtig, doch bei der Velo-Route ist die Kostenhöhe völlig unklar. Allein schon eine Machbarkeitsstudie würde rund 100 000 Euro kosten“, gibt Wulfes die Argumente aus der Ausschusssitzung wieder. Zudem befürchten die Kommunalpolitiker Probleme mit dem Naturschutz. „Weil streng geschützte FFH-Gebiete berührt würden, wie etwa die Luhe, die überquert werden müsste.“ Überdies würden Vögel an ihren Brutplätzen gestört. Ebenso Reptilien, die sich im Schotter des einstigen Schienenbettes angesiedelt haben.

Der Absage an die Velo-Route seien Untersuchungen, Prüfungen und ein Ortstermin vorausgegangen. „Das Nein im Ausschuss war daher eindeutig“, sagt Wulfes. Zumal es inzwischen auch bei Kommunen im Nachbarkreis Vorbehalte gegen die Velo-Route gibt. „Die Gemeinde Marxen will beispielsweise keine Flächen für das Projekt zur Verfügung stellen“, so der Kreis-Sprecher. Das letzte Wort hat nun der Kreistag bei seiner Sitzung am Montag, 22. Oktober.

Harburg bevorzugt Radschnellwege

Es erscheint allerdings fraglich, dass der Kreistag das Paket gegen das Votum des Ausschusses wieder aufschnürt. Vor allem, weil der Landkreis Harburg lieber in den Ausbau von Radschnellwegen investieren möchte. „Zum Beispiel in die Strecken von Lüneburg über Winsen/Luhe nach Hamburg und von Buchholz/Nordheide über Tostedt nach Harburg“, sagt Wulfes.

Widerstand gegen die Veloroute gab es erst kürzlich auch aus dem Landkreis Lüneburg. Wie berichtet, hatte sich der Rat der Gemeinde Vögelsen, die an der einstigen Buchholzer Bahn liegt, gegen einen Ausbau des Rundwegs auf dem Bahndamm ausgesprochen. Bereits 2007 hatte die Gemeinde das einstige Gleisbett zu einem grünen Rundweg um Vögelsen umgestaltet. Und dieser, so der Rat, soll nicht angetastet werden.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Für Initiator Eckehard Scheibler ist indes das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Wir geben nicht auf und versuchen, die kommunalen Gremien davon zu überzeugen, dass ihre Beschlüsse auf falschen Annahmen und Informationen beruhen“, sagt er. Gespräche mit Kommunalpolitikern liefen bereits. Das Ziel sei nach wie vor, 2019 mit der Velo-Route in den Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ aufgenommen zu werden. „Das würde dann eine 75-prozentige Förderung bedeuten“, sagt er. Die Baukosten für das Projekt beziffert er mit 1,8 Millionen Euro. Zusätzlich würden noch Kosten für Grunderwerb anfallen. „Weitere 24 Prozent könnten von Bund und Land aus einem in Planung befindlichen Programm fließen“, so Scheibler. Im Übrigen hätten Sponsoren Interesse bekundigt, das Vorhaben zu unterstützen. „Es handelt sich um Unternehmen, die an und in der Nähe der Veloroute angesiedelt sind.“

Dass das Projekt schon beerdigt ist, glaubt er nicht. „Noch ist auf dem Sarg kein Deckel drauf.“

Von Stefan Bohlmann

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