Dienstag , 29. September 2020
Auch viele Personen aus der Region Lüneburg nehmen an der Aktion „Deutschland spricht“ teil. Sie haben sich über die LZ registriert und werden mit einer andersdenkenden Person ein Gespräch führen. (Foto: t&w)

Die Stunde der Streitkultur

Lüneburg. Sonntag, 15 Uhr. Mehr als 20 000 Menschen treffen sich um diese Zeit überall in Deutschland, um mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin über Fragen wie „Sollte Deutschland seine Grenzen stärker kotrollieren?“ oder „Hat die #MeToo-Debatte etwas Positives bewirkt?“ zu diskutieren. Ihr Gegenüber hat jeweils eine völlig andere Meinung zu diesen Themen. Trotzdem suchen sie das Gespräch miteinander – von Angesicht zu Angesicht. Auch viele Personen aus dem Landkreis Lüneburg nehmen an der Aktion teil. Sie haben sich über die Landeszeitung oder einen anderen der zwölf Medienpartner von „Deutschland spricht“ registriert und mit einer andersdenkenden Person für einen Gespräch matchen lassen.

Aussicht auf hitzige Gespräche

Wie wird die erste Begegnung mit dem fremden Gesprächspartner ablaufen? Werden wir konstruktiv diskutieren können, obwohl der andere so anders denkt? Und wie werden wir wieder auseinandergehen? Diese und ähnliche Fragen dürften den Teilnehmern kurz vor dem Event durch den Kopf gehen. Nur knapp 30 Prozent von ihnen sind Frauen. 60 Prozent der Debattierenden kommen aus urbanen Zentren, die diskussionsfreudigsten Städte sind Berlin und Heidelberg, wie die anonyme Auswertung der Teilnehmer-Daten von „ZEIT Online“ zeigt.

Deutschland sprichtDas Online-Portal ist Organisator der Aktion und stellt dafür die technische Plattform „My Country Talks“ bereit. Der bundesdeutsche Altersdurchschnitt der Teilnehmer liegt bei 41,6 Jahren. Und noch eines zeigt die Analyse: Ältere Männer und jüngere Frauen sind in ihren Einstellungen besonders weit voneinander entfernt und dürften bei ihrer Begegnung am Sonntag hitzige Streitgespräche haben.

Weitaus mehr Personen haben sich mit ihrer Anmeldung gesprächsbereit gezeigt als die Aktion letztendlich zusammenführen kann, da es nicht für jeden einen passenden Diskussionspartner in seiner Region gab oder einer der beiden nach dem Matching einem Treffen doch nicht zugestimmt hat. Sie bitten die Organisatoren, nicht enttäuscht zu sein und es im nächsten Jahr noch einmal zu versuchen. Allen anderen wünscht die LZ ein aufschlussreiches Treffen am Sonntag, 15 Uhr.

Von Katja Grundmann