Freitag , 30. Oktober 2020
Außer dem Gerüst für das Arena-Bauschild ist auf dem Areal von der geplanten Halle für bis zu 3500 Besucher nichts zu sehen. (Foto: be)

Wer zahlt was für den Arena-Betrieb?

Lüneburg. Eines der in den vergangenen Monaten am besten gehüteten Geheimnisse der Lüneburger Kreisverwaltung ist gelüftet: Der Betreibervertrag für die geplante „Arena Lüneburger Land“. Er ist Bestandteil der öffentlichen Ausschreibung, mit der nun europaweit nach einem neuen Betreiber für die Sport- und Eventhalle gesucht wird. Die Verhandlungen mit dem Hamburger Konzertveranstalter FKP Scorpio hatte die Kreisverwaltung im Frühjahr abgebrochen. In dem Vertrag ist derweil nicht nur die Zahl der Veranstaltungen festgeschrieben, die in dem weit mehr als zehn Millionen Euro teuren Bau stattfinden sollen, sondern auch Sonderregeln zugunsten der SVG-Volleyballer.

Mindestens 30 000 Euro Pacht

In dem 14-seitigen Papier „Vertrag über den Betrieb der multifunktionalen Sport- und Veranstaltungshalle in Lüneburg“ gibt es nur eine Lücke, und die soll von jedem, der sich als Betreiber bewirbt, ausgefüllt werden: Die Höhe der jährlichen Pachtzahlungen, die er in monatlichen Raten an den Landkreis als künftigen Eigentümer der Arena zahlen will. Laut Zuschlagskriterien soll die jährliche Pachtzahlung „mindestens 30 000 Euro ohne Umsatzsteuer betragen“. Die Laufzeit der ausgeschriebenen Konzession beträgt zehn Jahre, mit Option auf Verlängerung. Bei den vorherigen Verhandlungen mit privaten Betreibern standen sonst immer nur fünf Jahre im Raum. Eine derart kurze Verpflichtung schien aber auch vielen Kreistagsabgeordneten angesichts der hohen Investitionen als zu riskant. Zudem sichert sich der Kreis mit dem Vertrag einen Teil des Gewinns: „Sollte der Gewinn des Betreibers aus dem Betrieb der Arena in einem Geschäftsjahr 100 000 Euro nach Steuern überschreiten, führt der Betreiber von dem überschießenden Betrag 50 Prozent an den Landkreis ab“, heißt es in dem bislang nichtöffentlichen Kontrakt mit Stand vom 28. Juni.

Für den Veranstaltungsbetrieb fordert der Vertrag nach einer Anlaufphase von zwei Jahren „jährlich zirka 15 kommerzielle Sportveranstaltungen und 50 kommerzielle Kulturveranstaltungen mit durchschnittlich 1500 Teilnehmern oder mehr“. Hinzu kommen jährlich zirka „20 sonstige Veranstaltungen wie Messen, Kongresse, Seminare, Versammlungen, Betriebsfeiern oder Ausstellungen mit jeweils mehr als 150 Teilnehmern“.

Vorrang für Volleyballer

Zur Freude von SVG-Vorstand Andreas Bahlburg ist festgeschrieben, dass Pflichtspiele der Volleyballer „Vorrang vor allen anderen Veranstaltungen haben“. Außerdem gibt es zugunsten der Sportler die Sonderregelung, dass der mobile Sportboden vom Landkreis „bauseits zur Verfügung gestellt“ wird. Den Aufwand für Auf- und Abbau bei Veranstaltungen hat so der Betreiber. Allerdings zahlt der Kreis dafür einen jährlichen Zuschuss von pauschal 30 000 Euro netto. Es bleibt aber dabei, dass die Volleyballer pro Pflichtspiel ein Nutzungsentgelt von 5000 Euro zahlen müssen. Laut Bahlburg zahle die SVG bereits jetzt einen ähnlichen Betrag für die Grundmiete, wenn sie für Playoff-Spiele auf die CU-Arena in Hamburg-Harburg ausweichen müssen.

von Dennis Thomas