Samstag , 31. Oktober 2020
Danny Kolbe vom Stadtarchiv (l.) und Ingo Perkun, Leiter des Lünebruger THW, verstauen den Nachlass des Heimatforschers Otto Puffahrt in dessen Keller auf dem Kreideberg, am Ende mehr als eine Lkw-Ladung. Foto: t&w

Kartonweise Erinnerungen

Lüneburg. Mehr als 40 Jahre war Otto Puffahrt der Heimat auf der Spur. Der Lokalchronist hat sich in Archiven durch alte Unterlagen gewühlt, aber er hat auch ge sammelt. Berge von Dokumenten stapeln sich in seinem Keller an einem Mietblock auf dem Kreideberg. Nun ist Puffahrt im Alter von 70 Jahren gestorben – und ist selber zu einem Fall fürs Archiv geworden, wenn man das so sagen kann: Danny Kolbe, Mitarbeiter des Stadtarchivs, und seine Kollegen haben das Technische Hilfswerk um Hilfe gebeten, um den Nachlass des Heimatforschers in die Räume an der Wallstraße zu transportieren. alein wäre es nicht zu bewältigen. Kolbe zeigt auf eine Regalwand: „Da sind allein 50 Aktenordner Korrespondenz mit Archiven.“

Unterlagen rund um den Wasserbau

Puffahrt hat einst in einer Behörde das sogenannte Wasserbuch geführt. Alles, was mit Wasserbau zu tun hat, hat ihn interessiert. So hat er Unterlagen zu den „Deichschauen im Landkreis Harburg von 1934 bis 1955“ neben den Themen „Brackverfüllungen“ und „Wasserverbrauch Melbecker Moor“ aufgereiht. Dazwischen finden sich stoßweise alte Zeitungen. Obendrauf liegt ein Beitrag aus der LZ vom 13. Februar 2018: „Elbfähre Tanja macht zwei Wochen Pause“.

THW-Ortsleiter Ingo Perkun ist mit einer Handvoll Kollegen gekommen, um Amtshilfe zu leisten. Die Ehrenamtlichen schleppen am Mittwoch Papierberge in einen Lastwagen und einen Transporter. „Wir haben 110 Umzugskartons mitgebracht“, erzählt Perkun. „Ich weiß nicht, ob die reichen. Allein oben aus dem Arbeitszimmer der Wohnung haben wir 20 Kartons getragen.“

Im Stadtarchiv schauen Kolbe und seine Kollegen in den kommenden Wochen alles durch, sortieren und erfassen, was aufbewahrt wird. Andere können nun mit dem Material arbeiten, das Puffahrt für rund 600 Veröffentlichungen nutzte. Und vielleicht findet sich schließlich jemand, der den freundlichen neugierigen Lokalhistoriker selber zum Thema einer Forschungarbeit macht. Verdient hätte er es.

von Carlo Eggeling