Sonntag , 20. September 2020
Wirt Felice hat sein Lokal draußen erweitert. Das gefällt seinen Gästen an der Rackerstraße. Foto: t&w

Umstrittene Bankgeschäfte an der Rackerstraße

Lüneburg. Felice Di Pietrantonio betreibt die wohl kleinste Kneipe Lüneburgs: Kommt ein Dutzend Gäste, ist das „Wohnzimmer“ an der Rackerstraße proppevoll. Nun ist Felice ein cleverer Wirt: Weil seine Besucher drinnen keinen Platz finden, hat er kurz entschlossen eine acht Meter lange Sitzbank vor seinen und einen angrenzenden Laden geschraubt. Die Gäste finden‘s prima, die Verwaltung war weniger amüsiert und dachte über einen Abbau nach. Nachdem das Thema im Internet die Runde machte, schauten sich binnen kurzem fast 27 000 Besucher ein Video an. Applaus und Zustimmung für den Kneipier – und am Ende scheint sich eine Lösung mit dem Rathaus abzuzeichnen.

27 000 Zuschauer im Internet

Ordnungsdezernent Markus Moßmann sei zum Bankgespräch vor Ort gewesen, heißt es aus dem Pressebüro, „um sich mit Herrn Di Pietrantonio dahingehend zu verständigen, dass der Bereich Ordnung und die Stadtbildpflege sich die Situation nochmals ansehen. Wir sind guten Mutes, dass wir einen Kompromiss erzielen, zum Beispiel einen Umbau in der Art, dass die Bank ab 22 Uhr nicht mehr genutzt werden kann. Denn so wie wir ein Auge auf das Stadtbild haben müssen, so gilt das auch für die Anwohner, die ganz normal in der Innenstadt wohnen und ein Recht auf Nachtruhe haben.“

Während bei der Polizei an der Rackerstraße aktuell kaum Einsätze wegen Ruhestörung bekannt sind, sagt Suzanne Moenck von der Pressestelle der Stadt, einige Anwohner hätten sich über zunehmenden Krach beklagt. Das dürfte auch daran liegen, dass die Gasse der schwächelnden Schröderstraße inzwischen Konkurrenz macht: In den vergangenen Jahren haben dort mehrere Lokale eröffnet. Felice Di Pietrantonio hat vor einigen Monaten eine gelungene Premiere mit großem Zuspruch hingelegt.

Der Italiener, der seit drei Jahrzehnten in der Lüneburger Gastroszene unterwegs ist, räumt ein, er habe die 40 Zentimeter breite Bank ohne Genehmigung angebracht: „Ich habe viel Zuspruch bekommen, nicht nur von Kunden, sondern auch von Passanten. Die finden es schön, sich einen Moment hinsetzen zu können.“ Er könne verstehen, dass sich Anwohner gestört fühlen und möchte reagieren: „Ich will keinen Stress.“ Er werde seine Gäste auffordern, gegen 22 Uhr ins Lokal zu kommen, auch entsprechende Schreiben möchte er aufhängen: „Zu mir kommen nette ruhige Leute, die unterhalten sich.“

„Ich habe viel Zuspruch bekommen, nicht nur von Kunden, sondern auch von Passanten.“ – Felice Di Pietrantonio, Wirt

Die Rackerstraße ist kein Einzelfall in Lüneburg. Rund um den Stintmarkt gibt es in der tiefen Nacht Probleme, Betrunkene liefern sich Schlägereien. Der Rat der Stadt hat das Thema diskutiert, die Polizei fährt öfter Streife. Sogar über eine Sperrstunde wurde gesprochen.

Aber auch an der Schrangenstraße sorgt eine Bar nicht nur für Begeisterung in der Nachbarschaft, ähnliches gilt unter anderem für Lokale an der Rotehahn- und der Lüner Straße. Suzanne Moenck sagt: „Wir haben an verschiedenen Stellen Beschwerden über Lärm. Insofern begrüßen wir es, wenn die Wirte ihre Gäste auf die Regeln hinweisen und auch mit ihren Nachbarn das Gespräch suchen. Wenn sich jeder ein bisschen in die Rolle des anderen versetzt und Rücksicht nimmt, kommen doch meistens die besten Lösungen zustande.“

Generell sei es in der Innenstadt an vielen Stellen grundsätzlich möglich, Außengastronomie zu betreiben. Gegen 22 Uhr sollte der Außenbetrieb enden: „Da ist die Eigenverantwortung der Wirte gefragt.“ Doch dass auf vielen Straßen draußen länger bedient wird, weiß jeder, der abends durch die Stadt geht. Gleichwohl gehe die Stadt dem nach, wenn sich jemand über Lärm beklage. Und der Freiluft-Trend Entwicklung setzt sich fort. Das weiß man auch im Rathaus. Suzanne Moenck sagt: „Die Entwicklungen betrachten wir im Einzelfall.“

von Carlo Eggeling