Mittwoch , 23. September 2020
David Amri, Ratsmitglied der Linken, fordert den Rücktritt von Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf (CDU). (Foto: A/be;t&w)

Jetzt wollen die Linken Scharfs Rücktritt

Lüneburg. Auch nachdem er seine Äußerungen im Video eines rechten Bloggers zur Gedenkkultur öffentlich in der LZ bedauert hat, steht Bürgermeister Gerhard Scharf (CDU) weiter unter Druck. Die Linke fordert seinen Rücktritt. Die Grünen, Koalitionspartner der CDU, tagen Montagabend. Mittlerweile liegt auch eine Anzeige wegen „Beleidigung“ vor.

Niels Webersinn (CDU) zu den verbalen Ausfällen des Bürgermeisters

Wie berichtet, hatte Scharf mit einem rechten Blogger am Stein für die 110. Infanterie-Division, die an Kriegsverbrechen beteiligt war, über Gedenkkultur gesprochen und nicht nur von Versöhnung und seinen Erlebnisse mit Überlebenden gesprochen, die er im Rathaus empfangen habe, sondern auch linke Gruppen und ihre Form der Geschichtsdeutung flapsig kritisiert „Da geht mir das Messer in der Hose auf.“

Bedauern für pauschalisierende Aussagen

Gegenüber der LZ räumte Scharf ein, „gerade einige Aussagen, die ich da in Richtung der Linken getätigt habe, waren pauschalisierend. Ich bedauere das.“ Sein Fraktionschef Webersinn sprach von einer Entschuldigung und einer persönlichen Erklärung Scharfs, die im Rat folge.

Webersinn, der auch anstelle von Scharf für eine Erklärung auf www.lzplay.de vor die Kamera trat, hatte vor dem Redaktionsbesuch mit Ulrich Blanck (Grüne) und Michèl Pauly (Linke) gesprochen. Sein Eindruck: Damit und mit einer späteren persönlichen Erklärung Scharfs im Rat ist die Sache wohl aus der Welt. Doch den Linken reicht das offenbar nicht. Pauly kritisiert, dass sich Scharf weiterhin hinter der Erklärung der Stadt zurückziehe, die eigentlich gar keine sei. Er hätte sich eine persönliche Erklärung auch zu den Inhalten des Videos gewünscht. Während Pauly einen Rücktritt Scharfs persönlich dennoch nicht zwingend für erforderlich hält, ist die Linie der Partei eine andere: „Herr Scharf muss von seinem Amt als Bürgermeister zurücktreten“, fordert David Amri, der für Die Linke im Rat sitzt.

„Scharf als Bürgermeister nicht mehr tragbar“

Thorben Peters, Kreisvorsitzender der Linken, sagt: „Wenn Herr Scharf sich von den revisionistischen Inhalten distanziert und sich bei den Menschen, die er im Video beleidigt hat, entschuldigt, dann wäre das mehr als angemessen.“ Stattdessen werde ein Blackout vorgeschoben, mit dem er sich als Opfer eines Rechtsradikalen darstelle. Das sei keine Entschuldigung. Scharf als Bürgermeister nicht mehr tragbar.

Und wie die Grünen sich verhalten, wird sich nächste Woche zeigen. Fraktionschef Ulrich Blanck  sagt: „Was ich im Gespräch mit Herrn Webersinn am Donnerstag geäußert habe, war meine persönliche Meinung. Wie die Fraktion und die Partei darüber denken, vermag ich aktuell nicht zu sagen. Am kommenden Montag werden wir das in der Fraktion besprechen.“

Von Hans-Herbert Jenckel

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