Dienstag , 20. Oktober 2020
Der Beginn der Abrissarbeiten am alten Schlachthof bleibt weiter offen. Foto: be

Schlachthof wartet auf Abriss-Freigabe

us Lüneburg. „Wir rechnen damit, dass das Artenschutzgutachten Ende dieser Woche oder in der kommenden Woche vorliegt. Danach leiten wir es zur Auswertung an den Landkreis. Und erst wenn wir von dort eine Freigabe bekommen, werden wir mit dem Abriss beginnen.“ Jürgen Sallier sorgte gestern für Aufklärung. Der Lüneburger Immobilienmakler ist Eigentümer des ehemaligen Lüneburger Schlachthofs, der der künftigen Sport- und Eventhalle weichen und nun abgerissen werden soll. Doch obwohl laut Sallier bislang weder das Gutachten vorliege noch der Abrisstermin feststehe, überraschte der Landkreis mit der Aussage, zu Verzögerungen werde es nicht kommen.

Verzögerung ja, oder nein?

„Es handelt sich um eine routinierte Abarbeitung, die zu keiner Verzögerung führen und die Abläufe nicht behindern kann“, teilte der Landkreis in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Er bezog sich darin auf den LZ-Beitrag „Artenschutz verzögert Abriss“, in dem berichtet wurde, dass sich weder Stadt noch Landkreis in der Lage sahen, zu dem Artenschutzgutachten Auskunft zu geben, das im Zuge der geplanten Abrissarbeiten der Unteren Naturschutzbehörde vorzulegen ist. Es soll Aufklärung darüber geben, ob sich auf dem Gelände geschützte Tierarten angesiedelt haben und ob gegebenenfalls Maßnahmen zum Schutz der Tiere getroffen werden müssen. Während der Landkreis mitteilte, dass er seine „Hinweise“ an die Stadt weitergegeben habe, war darüber in der Stadt auch einen Tag später nichts bekannt. „Uns liegt dazu nichts vor“, teilte Pressesprecher Daniel Gritz mit.

Abendsegler wie dieser gehören zu den Fledermausarten, die sich in und an den Gebäuden des ehemaligen Lüneburger Schlachthofs angesiedelt haben könnten. Foto: nh
Abendsegler wie dieser gehören zu den Fledermausarten, die sich in und an den Gebäuden des ehemaligen Lüneburger Schlachthofs angesiedelt haben könnten. Foto: nh

Unverständlich blieb, weshalb der Kreis auch auf Nachfrage erneut versicherte, dass es keine Verzögerungen geben werde, obwohl er noch am selben Tag auf dem Gelände nach Fledermäusen suchen ließ, Ergebnisse also noch gar nicht vorliegen konnten. Die aber stufte der Landkreis bereits im Vorfeld als nicht besonders gravierend ein. In seiner Stellungnahme heißt es: „Sollten sich durch die heute stattfindende Suche nach Fledermäusen aber Anforderungen ergeben, könnten zum Beispiel neu installierte Fledermauskästen erforderlich werden. Dies sind vergleichsweise geringe Maßnahmen.“ Gleichwohl bezeichnete der Landkreis die Überschrift des LZ-Artikels als „unhaltbare These“.

Genaue Untersuchung gefordert

Das sieht der Nabu Lüneburg anders: „Sollten Fledermäuse vorhanden sein, drohen nicht nur terminliche Probleme auf diesem Areal, dann stellen sich auch weitere Fragen, etwa zu funktionierenden Ausgleichsmaßnahmen“, sagt Thomas Mitschke, Vorsitzender des Nabu Lüneburg. Seiner Einschätzung nach könnten die verlassenen Schlachthofgebäude „eine mittlere bis hohe Bedeutung“ für Fledermäuse als Quartier-standorte haben. „Das muss genauestens untersucht werden“, ein einziger Termin oder eine einzige Untersuchungsnacht reiche dazu nicht aus. Außerdem sei an und in den Gebäuden unter Umständen mit sogenannten Wochenstuben zu rechnen, in den Weibchen ihren Nachwuchs aufziehen, auch könnten Teile des Dachbereiches als Winterquartier in Frage kommen. Auch das bloße Aufhängen von Fledermauskästen reiche nicht aus, „es muss sichergestellt werden, dass die Kästen auch angenommen werden“. Mitschke warnt daher mit Verweis auf das Bundesnaturschutzgesetz vor voreiligen Maßnahmen.

Der mit diesen Forderungen konfrontierte Landkreis reagierte gereizt: „Seien Sie versichert, dass die Untere Naturschutzbehörde fachlich zu einer Artenschutzprüfung in der Lage ist und die von Ihnen genannten Punkte rechtlich differenziert zu betrachten weiß.“

Jürgen Sallier will sich nicht auf einen Abrisstermin festlegen: „Ich warte, bis ich grünes Licht bekomme.“ Das aber ist bislang noch nicht einmal bei der Stadt angekommen.