Donnerstag , 22. Oktober 2020
Für das Sparkassen-Gebäude am Platz Am Sande sind sechs Gebote abgegeben worden. Foto: be

Neuer Besitzer für Filetstück

as Lüneburg. Mieten statt Eigentum, weil das Kosten senkt und flexibler macht. Das ist die Immobilien-Strategie der Lüneburger Sparkasse. Nun verkauft das Kreditinstitut ein Filetstück in bester Lage: das Haus am Platz Am Sande. Die Sparkasse wird danach die Räume für ihre dortige Filiale mieten. Der Kaufvertrag soll Ende November/Anfang Dezember fixiert werden. Eine Vorgabe für den Verkauf war, dass das höchste Angebot zieht. „Wir sind mit Felix Manzke im Gespräch, der von sechs Investoren, die ein Angebot gemacht haben, das höchste abgegeben hat“, erklärt Sparkassenvorstandsvorsitzender Karl Reinhold Mai.

Bis 2009 hatte die Sparkasse noch 63 eigene Immobilien und angemietete Objekte, in denen Filialen oder Kreditabteilungen untergebracht waren. Da jedes Gebäude auch mit erheblichen Kosten verbunden ist, entschied man sich zur Immobilien-Strategie: Anmietung statt Eigentum. „Das geschah auch mit Blick auf Basel III“, sagt Mai. Die neuen Eigenkapitalregeln, die die Chefs der Notenbanken und Aufsichtsbehörden von 27 Staaten im Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht nach der Finanzkrise 2008 beschlossen hatten, verpflichten Kreditins-titute zu einer Verbesserung beziehungsweise Erhöhung der Eigenkapitalsituation. „Um dies zu erzielen, müssen wir Sparkassen jeden Cent verdienen“, sagt Mai. Denn Kreis und Stadt als Träger der Sparkasse sind bekanntlich klamm und können keine Kapitalerhöhung leisten. Hinzu komme, dass es der Wettbewerb und die Niedrigzinsphase schwieriger mache, Geld zu verdienen und die Eigenkapitaldecke zu erhöhen.

Die Sparkasse Lüneburg stellte alle Gebäude auf den Prüfstand, schaute, wo sich der Verkauf rentierte und durch Mieten Kosten gesenkt werden konnten. Außen vor blieben das Gebäude An der Münze sowie die beiden Gebäude im Lünepark, in denen die Stabs- und Betriebsbereiche angesiedelt sind. Ende 2013 habe man für alle Immobilien inzwischen sind es 43 von einem externen Gutachter eine Bewertung erstellen lassen, „um marktrealistische Preise zu haben“. Und die sind wesentlich: „Denn wenn zu billig verkauft wird, kann das wegen Veruntreuung von Sparkassen-Vermögen strafrechtliche Folgen haben.“

Mitte dieses Jahres sprach der Sparkassenvorstand mit dem Kontrollgremium Verwaltungsrat ab, welche Immobilien verkauft werden sollen und wie das Procedere aussehen soll. Darunter auch das Gebäude am Sand, für das es seit Jahren bereits „zahlreiche Interessenbekundungen“ gegeben hat, sagt Mai. „Wir haben dann die Interessenten angesprochen und geguckt, wer noch in Frage kommen könnte für die Immobilie“. Auf einer Liste standen 14 Interessenten, die man angesprochen habe, ob sie dieses oder andere Gebäude kaufen möchten. „Von den 14 haben sieben ein Kaufinteresse am Gebäude am Sand angemeldet. Ihnen wurde eine Kaufpreisvorstellung genannt. Wir haben gesagt, wir wollen kein Bieterverfahren, sondern dass jeder Interessent ein Angebot abgibt. Sechs gaben ein Angebot ab“, erläutert der Vorstandsvorsitzende. Die Vorgabe seitens der Sparkasse: Das höchste Angebot zieht. Das liegt nun vor und schmeckt nicht jedem.

Getuschelt wird, es habe ein Geschmäckle, dass Felix Manzke den Zuschlag erhalten soll. Denn sein Vater, Eberhard Manzke, ist Mitglied des Verwaltungsrates der Sparkasse. Mai verweist darauf, dass es „eine Chancengleichheit für alle sechs, die ein Angebot gemacht haben, gegeben hat. Es war von Anfang an klar, das höchste Angebot zieht.“ Alle Angebote seien dokumentiert worden, wenn es zum Verkauf komme, werde das Ganze vom Sparkassenverband geprüft. Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt, Führungs-Duo im Verwaltungsrat, waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.