Samstag , 15. August 2020
Der bekannte Zukunftsforscher Prof. Dr. Horst Opaschowski gab gestern den Zuhörern im Leuphana Gesundheitsforum 2014 seine Prognosen bis zum Jahr 2035 mit auf den Weg. Foto: t&w

„Die Wohlstandswende kommt“

jdr Lüneburg. Geht es nach Prof. Dr. Horst Opaschow­ski, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht für uns Deutsche: Viele Menschen werden materiell ärmer – damit jedoch nicht unglücklicher. Gestern, am 7. Oktober, sprach der bekannte Hamburger Zukunftsforscher im Rahmen des „Gesundheitsforums 2014“ an der Leuphana Universität Lüneburg. Dort stellte er zum Thema „Vom Wohlleben und Wohlergehen. Ein Blick in die Zukunft von Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität in Deutschland.“ in Form von zehn Thesen seine Prognose zur Entwicklung der deutschen Gesellschaft bis zum Jahr 2035 dar.

„Alle stehen ständig unter Strom, sämtliche Sachen wollen zeitgleich erledigt werden, wenn die Sonne aufgeht, beginnen wir zu rennen“, beschreibt Opaschowski den Ist-Zustand unserer „Non-Stop-Gesellschaft“. Verantwortlich dafür sei unser Bedürfnis, ein sicheres Leben in unsicheren Zeiten zu führen: „Preise und damit Verschuldungsrisiken steigen, Armut wächst, aber wir möchten auf das Wissen um die eigene Stabilität nicht verzichten.“ Für Opaschowski zeichnet sich darin die notwendige Konsequenz ab, die eigene Lebenseinstellung zu verändern und dieser Umschwung befinde sich bereits im Vollzug. „Das Verständnis von Wohlstand hat sich seit der Ära Erhardt bereits stark verlagert“, weiß der 73-Jährige. „Die Wünsche der Deutschen sind inzwischen relativ bescheiden geworden: gesichertes Einkommen und eine bezahlbare Wohnung, sich die neuen Zähne leisten können.“

Anstelle der Glorifizierung materieller Güter finde eine Rückbesinnung auf den Aspekt der Nachhaltigkeit statt: Die eigene Gesundheit rücke stark in den Fokus, der Familienbegriff durchlebe einen Wandel: „Wir wollen lieber gut leben, als viel haben“, so Opaschowski. Die Frage des persönlichen Wohlergehens werde darum immer weniger vom Geld bestimmt sein, entsprechend mehr von der Sehnsucht nach Sinnerfüllung: „Auch Reiche haben Sinnkrisen. Es geht denen besser, die materiell nicht alles haben, dort besteht noch Luft nach oben.“

Opaschowski selbst sieht 95 Prozent seiner Vorhersagen bewahrheitet – nicht umsonst arbeitete er mehr als dreißig Jahre als Berater für Politik und Wirtschaft. Und obwohl wir seit Helmut Schmidt wissen, dass derjenige mit Visionen zum Arzt gehen sollte, prognostiziert Opaschowski seinen 300 Zuhörern abschließend „Die Wohlstandswende kommt.“ Er erklärt: „Ich bin auch Verhaltensforscher und das Verhalten von Menschen ist berechenbar.“

Damit dem individuellen Wohlergehen aber ein wenig auf die Sprünge geholfen werden kann, hat der Forscher noch einige Verhaltensregeln in petto:

Opaschowskis „10 Gebote“

  • Bleib nicht dauernd dran – schalt mal ab
  • Versuche nicht immer, deinen Standard zu verbessern
  • Knüpfe verlässliche soziale Netze
  • Mach die Familie zur Konstante deines Lebens
  • Definiere deinen Lebenssinn neu
  • Genieße! Aber nach Maß
  • Nicht alle Träume wahr machen
  • Du allein kannst es! Aber Du kannst es nicht allein
  • Mach nichts auf Kosten anderer Generationen
  • Verdiene dir deine Lebensqualität: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es