Freitag , 2. Oktober 2020
Rund 400 Arbeitsplätze bleiben nach einer zweiten Kündigungswelle beim Tiefkühlfischhersteller Pickenpack erhalten. Foto: t&w

Weniger Entlassungen als befürchtet

ca Lüneburg. Es ist zwar immer noch ein schmerzhafter Schritt, doch er fällt nicht so schlimm aus wie befürchtet: Der Tiefkühlfischproduzent Pickenpack entlässt nicht wie zunächst angekündigt 170 Mitarbeiter, sondern lediglich 90. Das berichten Geschäftsleitung und Gewerkschaft NGG übereinstimmend.

Die Betroffenen sollen ihre Kündigungen samt Informationsschreiben jetzt erhalten. Darin liegt das Angebot, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Das bedeutet, dass die Beschäftigten zumindest nicht sofort in die Arbeitslosigkeit müssen.

Geschäftsführer Finnbogi Baldvinsson sagt: „Es waren schwierige, aber wichtige Verhandlungen, und ich bin unseren Verhandlungspartnern dankbar, dass es gelungen ist, eine Vereinbarung zu treffen, die es uns erlaubt, nach vorn zu schauen und uns unseren zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Diese neue Struktur bringt uns wieder auf Erfolgskurs, und wir können uns jetzt darauf konzentrieren, unser Unternehmen schnell wieder in die Gewinnzone zu steuern.“

Denn die Lage ist angespannt für das Werk an der Lüner Rennbahn, das dem Vernehmen nach rote Zahlen schreibt: Handelsketten drücken die Preise, zudem drängen sich viele Anbieter auf dem Markt. In der Vergangenheit gab es zudem Kritik aus dem Arbeitnehmerlager, die Baldvinsson und seinen Kollegen schlechtes Management vorwarfen. So hätten Geschäftsführer auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen.

Jetzt sagt NGG-Sekretärin Silke Kettner: „Alles in allem haben wir ein gutes Ergebnis erzielt, auch wenn es bitter ist, dass 90 Kollegen gehen müssen.“ In den Verhandlungen von Unternehmen, Betriebsrat und Gewerkschaft sei festgezurrt worden, dass es bis Ende Juli 2017 keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen wegen Produktionsverlagerungen geben solle. Im Betrieb geht seit Monaten die Sorge um, dass Kapazitäten ins Schwesterwerk im ostfriesischen Riepe verlagert werden könnten.

Die Mitarbeiter, die gehen müssen, erhalten Abfindungen: So gibt es pro Beschäftigungsjahr 75 Prozent eines Monatsgehalts. Das gelte auch für diejenigen, die in die Transfergesellschaft wechseln. Dort sollen sie gezielt weitergebildet beziehungsweise in andere Jobs vermittelt werden. Doch die Belegschaft muss für den Kompromiss einen Beitrag leisten. Silke Kettner sagt: „Die Beschäftigten verzichten zwei Jahre lang auf eine Lohnerhöhung sowie auf Teile der Leistungsentlohnung sowie des Urlaubs und Weihnachtsgeldes und der tariflichen Altersvorsorge.“