Freitag , 18. September 2020
Hässlich und noch dazu kaputt: Der Zaun im Kurpark muss weg, findet der grüne Ratsherr Ernst Bögershausen. Foto: t&w

„Der Zaun muss weg“

ahe Lüneburg. Ernst Bögershausen ist jeden Tag im Lüneburger Kurpark unterwegs. Auf Anraten seines Arztes, der ihm nach einem Herzinfarkt im vorigen Jahr täglich eine Stunde flottes Gehen empfohlen hatte. So schön er die Grünanlage auch findet, eine Sache stört ihn gewaltig: der Zaun am Pfarrer-Kneipp-Weg. Weil Bögershausen nicht nur Stammgast im Park, sondern auch Lokalpolitiker ist, hat er sich jetzt vorgenommen, den Zaun zu kippen. Der erfülle keinerlei Funktion, sondern sorge nur für Umwege und sei zudem „hässlich“. Für die nächste Sitzung des Grünflächenausschusses hat er einen entsprechenden Vorstoß vorbereitet. Kurios: Selbst die Stadt weiß offenbar nicht, welchen Zweck der Zaun erfüllt.

Bei seinen täglichen Touren durch den Park falle ihm so manches auf, erzählt Bögershausen, den Zaun empfinde er dabei als störend für die Sichtachse, er trenne den Park regelrecht. Und der grüne Ratsherr wähnt sich mit diesem Urteil nicht allein: „Ich spreche häufig mit anderen Parkbesuchern, die sehen das ganz ähnlich“, erzählt der 69-Jährige. Er habe auch schon mit der AGL gesprochen, die für die Pflege der städtischen Grünanlagen zuständig ist, ebenso mit dem Chef der Kurmittel GmbH. „Die wären auch glücklich, wenn der Zaun endlich verschwände.“ Auch die Neue Arbeit, die das kleine Café im Park betreibt, hätte laut Bögershausen kein Problem damit, wenn der Zaun fallen würde.

Der Lüneburger sieht sich darüber hinaus auch durch andere Fachleute bestätigt, er verweist darauf, dass ein elf Jahre altes gartenhistorisches Gutachten für den Kurpark, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Darin heißt es: „Störend ist die starke Trennung des nördlichen und südlichen Teils durch eine asphaltierte Straße und einen unbegrünten Drahtzaun.“ Dadurch entstehe eine „starke Barriere“. Bögershausen findet: „Am schlimmsten sind die beiden Industrietore, die sind völlig untypisch für eine Grünanlage und passen überhaupt nicht in einen Park.“ Er ist überzeugt, dass sich der Abbau schnell und ohne zusätzliche Kosten realisieren ließe. Deshalb fragt er: „Wann wird der Rückbau des Zauns vorgenommen, wie er im Gutachten aus dem Jahr 2003 vorgesehen ist?“

Die Stadt mauert, will zu der Anfrage vor der Sitzung nicht viel sagen. Warum der Zaun dort steht? „Der steht da ja schon lange. Wir prüfen das jetzt“, sagt Pressesprecher Daniel Steinmeier. Ob die Verwaltung sich vorstellen kann, den Zaun zu entfernen? Wieder nur: „Wir prüfen das.“ Die nächste Sitzung des Grünflächenausschusses steht am 8. Juli im Terminkalender. Bleiben also sieben Wochen Zeit für die Stadtverwaltung, um zu ergründen, warum da ein Zeun im Kurpark steht.