Freitag , 18. September 2020
Uni-Präsident Sascha Spoun (r.) und sein Vize Holm Keller (2.v.r.) locken immer wieder hochrangige Politiker nach Lüneburg, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel informierte sich 2008 bei der Hochschulführung und Architekt Daniel Libeskind, nach dessen Entwürfen das Zentralgebäude gebaut wird, über die Pläne der Leuphana. Nun müssen Spoun und Keller wegen der Finanzierung des Bauprojektes heftige Kritik einstecken.

Misstöne werden lauter

mm Lüneburg. Die Landesregierung hält am Bau des umstrittenen Uni-Zentralgebäudes fest. Ob aber auch die Verantwortlichen an der Leuphana bis zur geplanten Fertigstellung Ende 2015 noch fest im Sattel sitzen? Nicht, wenn es nach Vertretern im Studierendenparlament (StuPa) und Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) geht. Rücktrittsforderungen an Uni-Präsident Sascha Spoun und dessen Vize Holm Keller gab es bereits von ehemaligen Studenten (LZ berichtete), dem Ansinnen schließt sich nun die amtierende Studentenschaft an.

„Unser Vertrauen in die Universitätsleitung ist nachhaltig erschüttert“, heißt es von Studierendenparlament und Allgemeine Studierendenausschuss in einer gemeinsamen Stellungnahme. Darin legen sie die Fehlkalkulation und den stockenden Planungsprozess beim Bau des neuen Zentralgebäudes der Uni-Führung zur Last. Von anfangs 57,7 Millionen Euro (2011) auf bis zu 94 Millionen Euro summieren sich nach dem jüngsten Prüfbericht der Oberfinanzdirektion die Baukosten, im schlimmsten Falle könnten sie auf 125 Millionen Euro ansteigen.

Die Uni-Gremien halten deshalb „personelle Konsequenzen auf höchster Ebene der Universität für zwingend erforderlich“. AStA-Sprecher Thorben Peters verdeutlicht: „Sollte das hauptamtliche Präsidium nicht zurücktreten, fordern wir den Senat dazu auf, ein Abwahlverfahren einzuleiten und seiner Aufsichtspflicht gerecht zu werden.“ Gegenüber der LZ wollte die Uni die harschen Forderungen nicht kommentieren.

In ihrem zehnseitigen Papier fassen die Studentenvertreter Mängel in der Bau- und Terminplanung zusammen. Über die in den Berichten der Oberfinanzdirektion und des Landesrechnungshofes dargestellten Details zeigen sie sich empört. Dem Studierendenparlament wurden in einer vertraulichen Sitzung verschiedene Dokumente vorgelegt, damit sich die Vertreter ein Bild über die Beanstandungen machen konnten. Daraufhin seien laut der StuPa-Vorsitzenden Jana Höberman die Rücktrittsforderungen in die Stellungnahme eingearbeitet und verabschiedet worden. Der Vorstoß stieß nicht bei allen StuPa-Vertretern auf Zustimmung. Kritik äußert die zahlenmäßig größte studentische Liste Leuphana Gemeinsam Gestalten (LGG), die sechs von siebzehn Plätzen im StuPa besetzt. „Unsere Vertreter im StuPa wurden mit diesem Tagesordnungspunkt überrumpelt und finden das Vorgehen des AStA fragwürdig, gerade in Hinblick auf die mangelnde Vorbereitungszeit. Somit war es nicht möglich, die Fakten der Stellungnahme selber zu prüfen“, teilt LGG mit. Für die Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Spoun und seinem Vize Keller gäbe es keine Unterstützung.

„Die vorliegenden Fakten zeigen, dass die Uni mit der Bauleitung überfordert ist und dringend Konsequenzen gezogen werden müssen“, sagt hingegen AStA-Sprecherin Kristina Heller. Mehrkosten dürften nicht zu Lasten von Studium und Lehre an der Leuphana oder anderen Bildungseinrichtungen in Niedersachsen gehen.