Sonntag , 27. September 2020
Radfahrer müssen weiterhin den Fahrradweg an der Lünertorstraße benutzen.

Straße bleibt für Radler tabu

us Lüneburg. Was ist gefährlicher, Straße oder Radweg? Im Kern ging es um diese Frage bei einem Antrag, den die Piraten vor Monaten in den Rat eingebracht hatte. Der fühlte sich nicht zuständig und verwies den Antrag in den Verkehrsausschuss, der sich jetzt damit beschäftigte. Konkret hatten die Piraten gefordert, die Radwegebenutzungspflicht auf der Lünertorstraße stadteinwärts zwischen Lüner Damm und Scholze-Kreuzung aufzuheben.

Die Piraten begründen ihren Antrag mit den engen Platzverhältnissen auf diesem Straßenabschnitt, die durch Laufkundschaft der dortigen Geschäfte, Werbeschilder auf den Fußwegen und den am Straßenrand parkenden Autos noch erschwert werde. Radfahrer seien zudem durch sich plötzlich öffnende Beifahrertüren gefährdet, auch würden sie durch geparkte Fahrzeuge nur schlecht von den Autofahrern auf der Straße wahrgenommen. All dies führe dazu, dass die Radfahrer hier nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren könnten. „Die Benutzungspflicht des Radwegs ist aus unserer Sicht nicht begründet, da weder eine besondere Gefahrenlage vorliegt, noch die baulichen Voraussetzungen erfüllt sind“, sagte Daniel Brügge von der Piratenpartei in der Sitzung. Mit der Aufhebung der Benutzungspflicht könnten Radfahrer selbst entscheiden, ob sie weiterhin den Radweg nutzen möchten oder lieber auf die Straße ausweichen wollen.

Die Stadt sieht das anders. Die Lünertorstraße sei eine Hauptverkehrsstraße mit sehr starkem Kraftfahrzeugverkehr durchschnittlich nutzten 7000 Fahrzeuge diesen Streckenabschnitt allein in dieser Fahrtrichtung , die Sicherheit der Radler wäre bei dieser besonderen Verkehrsdichte nicht gegeben. Eine weitere Führung der Radfahrer auf den Fahrstreifen würde zudem zu einer erheblichen Verringerung der Räumzeiten des Kraftfahrzeugverkehrs an der Kreuzung führen, aus Sicht der Stadt eine „nicht akzeptable“ Situation. Überdies sei auch die oft aufgestellte These, Radler seien auf der Straße grundsätzlich sicherer als auf Radwegen, nicht zutreffend, sagte Verkehrsdezernent Markus Moßmann. „Das hängt immer von den jeweiligen Verkehrsverhältnissen und den räumlichen Gegebenheiten ab.“

Der Argumentation der Stadt schlossen sich Dr. Gerhard Scharf (CDU) und Hubert Meißner (SPD) an, nicht aber Ulrich Löb (Grüne). Er regte an, vor den linksabbiegenden Autos eine Fläche für Radfahrer zu schaffen, um den Radverkehr insgesamt schneller fließen zu lassen. „Jetzt ist es so, dass die Radfahrer zweimal halten müssen, wenn sie nach links abbiegen wollen.“ Ernst Bögershausen (Grüne) beklagte sogar, „dass Autos immer noch Vorrang vor den Radfahrern haben“. Am Ende wurde der Antrag abgelehnt, auch der Hinweis von Michèl Pauly (Linke), dass die Aufhebung der Radwegepflicht ja nur bedeute, „dass man die Straße nutzen kann, aber nicht muss“, half nicht.

Auch ein weiterer Antrag der Piraten fand keine Zustimmung im Ausschuss. Sie hatten sich dafür eingesetzt, auf der Hindenburgstraße zwischen den Einmündungen Bastionstraße und Kurze Straße Tempo 30 einzuführen, da Fußgänger durch Fahrzeuge, die mit der Vorfahrt nach links in die Straße Am Springintgut abbiegen, oft nicht blinken würden und es dadurch häufig zu gefährlichen Situationen komme. Dem wollte die Stadt nicht folgen. Sie hielt dagegen, dass dieser Teil der Hindenburgstraße zum Stadtring gehöre, eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h dem Konzept widerspreche. Auch liege hier nach Aussage der Polizei kein Unfallgeschehen vor.