Der Libeskind-Bau wächst und wächst, viele fürchten, die Kosten auch. Jetzt wird schon über bis zu 90 Millionen spekuliert. Foto: t&w

Neuer Kostenschub am Uni-Bau?

jj Lüneburg. Kaum ist der letzte Preisschub beim Prestigebau der Lüneburger Universität verdaut, wird schon in Hannover über das nächste Millionen-Loch spekuliert, das sich am Libeskind-Bau auf dem Campus auftun soll. Nach ursprünglich 57 Millionen Euro, dann 76 Millionen Euro machen jetzt bis zu 90 Millionen Euro Baukosten die Runde.

Das berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung und beruft sich auf Regierungskreise. Für den Kostenschub werden Bauverzögerung, Umplanung, teures Material angeführt. Neu sind die Befürchtungen nicht, doch sie wollen nicht verstummen.

Am Montag war Lüneburgs Uni-Präsident Sascha Spoun bei der Staatssekretärin des Wissenschaftsministeriums. Ihr Sprecher Werner Nording sagt: ,,Wir kommentieren keine Zahlen, solange wir nicht den Bericht der Oberfinanzdirektion vorliegen haben und ihn ausgewertet haben." Henning Zühlsdorff, Sprecher der Uni Lüneburg zum HAZ-Artikel: "Erneute Spekulationen um eine Steigerung der Baukosten für das Zentralgebäude haben uns überrascht. Die dem Land zur Prüfung vorliegende Finanzierungsplanung sieht Baukosten von rund 76 Millionen Euro vor. Daran hat sich nichts geändert."

Die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers, die lange eine distanzierte Haltung zum Bau hatte, fordert: ,,Der Bau muss fertig werden." Die Abstimmung zwischen Uni und Ministerium sei deutlich besser geworden. Es gehe nun um eine strenge Kostenkontrolle. Dass in Lüneburg bei den 76 Millionen Euro nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein könnte, soll der Ministerin schon länger schwanen.

Innerhalb der SPD-Fraktion gibt es denn auch weiter kritische Stimmen. Eine Hochschulexpertin stuft den Libeskind-Bau mittlerweile in die Kategorie ,,Too big to fail" ein. Aber auch wenn er zu groß ist, um zu scheitern, prophezeit die rote Kassandra: "Es stehen erst die Grundmauern. Das werden am Ende mehr als hundert. Spannend ist, wer finanziert das?" In der Pflicht sei das Land, Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic müsse das Geld aufbringen. ,,Da werden andere Hochschulen bluten müssen. Ich bin empört, dass wir als Haushaltspolitiker nur noch Zaungäste in dieser Aufführung sind."

SPD-Wissenschaftsexpertin Dr. Silke Lesemann sagt: "Die Leuphana darf bei den Kosten keine Dauerbaustelle werden. Wir brauchen absolute Transparenz." Doch in der Baudiskussion dürfe auch nicht untergehen, dass an der Uni hervorragende Arbeit geleistet werde.

Der Grundstein für den Bau nach Ideen von Architekt Daniel Libeskind wurde im Mai 2011 gelegt. Im extravaganten Gebäude voller Schrägen werden unter anderem Audimax, Forschungs-, Studenten- und Seminarzentrum zu Hause sein. Fertig werden soll der Bau im Sommer 2015.

In Hannover warten alle auf den Bericht der Oberfinanzdirektion und auf die Entscheidung der EU, die über den Innovationsinkubator der Leuphana knapp 14 Millionen Euro zum Bau beisteuert. Denn dort recherchierte auch die EU-Korruptionsbehörde OLAF, merkte Kritisches zu den Finanzen an.

Die EU ist neben dem Land (bisher 21 Millionen Euro), Bund, Stadt und Kreis Lüneburg sowie der Uni-Stiftung einer der großen Geldgeber.