Donnerstag , 22. Oktober 2020
Acht Weihnachtsmänner und -frauen in blauen und roten Kostümen demonstrieren am Amtsgericht für ein besseres Umgangsrecht. Foto: be

Trauriges Fest ohne die Kinder

rast Lüneburg. Seine Frau war im sechsten Monat schwanger, als sich das Paar 2005 trennte. Seine heute siebeneinhalb Jahre alte Tochter durfte Burkhard Röttger (49) nie sehen, auch der Umgang mit seiner fast zwölf Jahre alten Tochter wird ihm untersagt. „Ich habe viel Geld in die Hand nehmen und etliche juristische Verfahren führen müssen, um gegen den Umgangsausschluss anzugehen.“ Der Kampf habe ihn mittlerweile bis zu 20 000 Euro gekostet, brachte ihm aber vor kurzem einen kleinen Erfolg: „Ich darf meine jüngere Tochter am 23. Dezember sehen, das wird ein Treffen unter Aufsicht in einem Kinderhaus des Kinderschutzbundes. Dann kann ich ihr eine kleine Bernsteinkette als Weihnachtsgeschenk geben – und eine zweite Kette, die sie meiner älteren Tochter geben soll.“

Röttger gehörte zu den acht „Weihnachtsmännern“ in blauen und roten Kostümen von der Lüneburger Selbsthilfegruppe „Entsorgte Eltern und Großeltern“, die gestern vor einem vor dem Amtsgericht aufgestapelten Haufen von Geschenken demonstrierten – symbolhaft für die Geschenke, die ihre Kinder und Enkel nicht erhalten werden, weil der erziehende Elternteil dies verwehrt. „Immer noch gibt es zu viele Beschlüsse, die einen Elternteil nach Trennung oder Scheidung ausgrenzen“, sagt Gruppen-Sprecherin Dorette Kühn: „Somit wird das Recht der Kinder auf Kontakt zu beiden Eltern und allen anderen Bindungspersonen verletzt. Unter diesen Bindungsabbrüchen leiden die Kinder, viele werden psychisch krank.“ Viele Wissenschaftler warnten vor solchen Abbrüchen: „Aber die Justiz verschließt die Augen vor diesen Tatsachen. Familienrichter verweisen ständig aufs Kindeswohl, wenn ein Umgangsausschluss ergeht. Dabei wird vergessen, dass es dem Kind nur gut geht, wenn es geliebte Menschen sehen und anfassen darf – so wie vor der Trennung der Eltern.“ Die blauen Kostüme begründet Kühn so: „Blau ist für einen Weihnachtsmann unnatürlich. Ebenso unnatürlich ist es, dass Kinder ihre Eltern nicht sehen dürfen. Und unsere roten Kostüme stehen für die Hoffnung, dass wir endlich wieder einen vernünftigen Kontakt haben dürfen.“

In vielen Umgangsausschlüssen wird dem ausgegrenzten Elternteil oder den Großeltern zugestanden, zu Geburtstagen der Kinder oder anderen Feiertagen Briefe oder Päckchen zu schicken, doch Mitglieder der Selbsthilfegruppe wissen, dass diese die Kinder oft nicht erreichen, vom anderen Elternteil in den Müll geworfen werden. Eine ähnliche Erfahrung machte auch Burkhard Röttger: „Ich hatte meiner jüngsten Tochter ein Geburtstagsgeschenk geschickt. Es kam per Post zurück.“ Für ihn ist der Umgangsausschluss „keine Lösung, sondern seelischer Kindesmissbrauch“. Ihm hatte jetzt ein Familiengericht gestattet, seine jüngste Tochter alle 14 Tage für je zwei Stunden zu sehen – allerdings nur in Begleitung und an einem neutralen Ort: „In einer Bäckerei mit Kinderecke.“

Die Lüneburger Gruppe der „Entsorgten Eltern und Großeltern“ hat regelmäßige Treffen, zu der etwa 25 Betroffene kommen, ist auch bundesweit Ansprechpartner. Dorette Kühn: „Aus der ganzen Bundesrepublik melden sich Leute mit der Frage, was sie tun können. Ich kann ihnen nur raten, nicht aufzugeben, sich den Kindern immer wieder zu zeigen.“ Mehr Infos: www.entsorgte-eltern-und-grosseltern.de.