Freitag , 25. September 2020
Platz für bis zu 120 Flüchtlinge wäre auf dem Kasernengelände. Foto: A/be

Stadt hat „guten Deal“ gemacht

ahe Lüneburg. Die Stadt habe ein wenig auf Zeit gespielt und um Aufschub gebeten. Nicht, weil sie sich aus ihrer Verantwortung stehlen wollte, sondern weil es ihr schlicht an geeigneten Unterkünften mangelte. Nun aber muss und wird Lüneburg weitere Flüchtlinge aus den zentralen Aufnahmestellen aufnehmen. „Wir bekommen derzeit fortlaufend welche dazu“, sagt der Erste Stadtrat Peter Koch, aktuell seien es etwa fünf bis acht Personen pro Woche. Weil das internationale Haus am Meisterweg mit etwa 100 Bewohnern voll sei, mietet die Stadt zusätzlich vom Bund einen Block der ehemaligen Schlieffenkaserne. „Da stehen wir unmittelbar vor dem Einzug.“

Die Verhandlungen hatten sich einige Zeit hingezogen, ehe der Mietvertrag kürzlich unterzeichnet wurde. Mit dem Ergebnis ist Koch zufrieden. „Wir zahlen 17 000 Euro pro Monat und können bis zu 120 Personen dort unterbringen“, erläuterte er jetzt im Sozial- und Gesundheitsausschuss. Die Stadt habe das Mobiliar, das der Bundespolizei gehörte, gleich mit übernommen. „Betten, Matratzen – das war alles top in Schuss. Da haben wir einen guten Deal gemacht und gleich die Einrichtung aus dem Nachbargebäude mit gekauft“, sagte Koch. Drei, vier Räume würden wegen der dortigen Schadstoffbelastung nicht genutzt, sie seien aus dem Mietvertrag ausgeklammert worden. „Dafür zahlen wir auch nix“, versicherte Koch als Antwort auf eine Einwohnerfrage zum Thema von Birger Rietz.

Bevor die ersten Menschen, die aus Krisenregionen nach Deutschland geflohen sind, dort einziehen können, sind noch einige Arbeiten zu erledigen. „Wir haben den Block so übernommen, wie er war. Zuletzt wurde er nur bei den Castortransporten zur Unterbringung der Polizisten genutzt und war nicht für dauerhaftes Wohnen ausgelegt. Es gibt zum Beispiel keine Kühlschränke und keine Waschmaschinen. Auch die Elektroinstallation müssen wir auf den neuesten Stand bringen“, erklärt der Erste Stadtrat. „Zunächst wird das Obergeschoss hergerichtet, dort könnten etwa 40 Personen wohnen. Danach machen wir uns ans Erdgeschoss.“

Anders als am Meisterweg werde nicht jedes Zimmer mit einem eigenen Kühlschrank ausgestattet, stattdessen werde es Gemeinschaftsküchen geben. Koch weiß: „Das ist sicher schwierig, gerade wenn es religiöse Unterschiede gibt, aber es soll auch keine Wohnung auf lange Dauer sein. Deshalb sind gewisse Abstriche bei der Ausstattung sicher hinnehmbar.“ Über Details will die Stadt die Nachbarn in einer Anwohnerversammlung informieren.

Bislang hat die Stadt in diesem Jahr mehr als 70 Flüchtlinge aufgenommen, zuletzt auch einige wenige in einem Hotel untergebracht. Menschen aus Afghanistan waren genauso dabei wie Serben, Mazedonier, Montenegriner, Syrer oder auch Tschetschenen. Nicht alle hätten große Aussicht, Asyl gewährt zu bekommen, meint Koch. „Bei den Menschen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken liegt die Quote bei unter einem Prozent. Aber dennoch haben sie natürlich Anspruch auf Schutz, weil es dort, wo sie herkommen, nicht sicher ist.“ Mehr als 120 Neu-Aufnahmen werden es aktuellen Prognosen zufolge am Ende des Jahres sein. Für 2014 rechnet Koch mit weiteren 134 Flüchtlingen.

Um diesen Menschen die Intergration zu erleichtern und sie bei den alltäglichen Dingen des Lebens zu unterstützen, wird die Stadt auch weitere Sozialpädagogen einstellen. Auf das Stellenangebot in der LZ habe die Verwaltung etwa 40 Bewerbungen bekommen, zunächst sollen vier Fachleute eingestellt werden – das koste pro Jahr 256 000 Euro. Insgesamt rechnet die Stadt für nächstes Jahr mit Ausgaben in Höhe von 2,67 Millionen Euro für die Flüchtlinge und Asylbewerber, etwa 2,45 Millionen Euro davon würden erstattet, so dass unterm Strich 220 000 Euro von der Stadt aufgebracht werden müssen.