Mittwoch , 21. Oktober 2020
Auch dem Chef der Lüneburger Wache, Christof Vietgen, vergeht das Lächeln, wenn das neue Signal losjault - irre laut. Foto: be

Die Polizei kreischt jetzt

ca Lüneburg. In manchem Auto donnern die Bässe so heftig, dass die Scheiben vibrieren, andere Wagen werden vielleicht von Senioren gesteuert, die sich sehr intensiv auf die Straße vor ihnen konzentrieren – Jung und Alt bekommen dann ab und an nicht mit, dass eine Streifenwagenbesatzung hinter ihnen sie zum Anhalten auffordert. „Das erleben die Kollegen immer wieder“, sagt der Lüneburger Polizeisprecher Kai Richter. Landesweit macht die Polizei nun mehr Krach, um Autofahrer im Fall der Fälle auf sich aufmerksam zu machen: Nach amerikanischem Vorbild jault jetzt ein Signal derart massiv los, dass es nach Meinung der Ordnungshüter nicht überhört werden kann. „Yelp“ heißt der neue Ton, die Beamten übersetzen es aus dem Amerikanischen mit Kreischen.

Lüneburgs Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu, der Leiter der Wache, Christof Vietgen, und Richter stellten die neue Technik gestern vor. Es ist quasi ein Paket, mit dem die Streifenwagen Stück für Stück ausgerüstet werden: Zwischen den Blaulichtern auf dem Dach des Streifenwagens blinkt die Schrift „Stopp Polizei“, dazu leuchten rote Lichter auf, fruchtet beides nicht, erschallt das ohrenbetäubende Yelp. Autofahrer sollen dann, wenn möglich, an die Seite steuern und anhalten, den Motor abstellen und Hände auf das Lenkrad legen, bis die Beamten da sind – den Ablauf kennt man aus US-Krimis. Die Polizei erhofft sich durch das neue Verfahren auch mehr Sicherheit für ihre Beamten.

In Niedersachsen werden 450, in der Polizeiinspektion Lüneburg ein Dutzend Streifenwagen umgerüstet, zu ihr gehören die Kreise Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg. In Lüneburg erhalten Wagen vor allem in der Stadt die neuen Lautsprecher. „Dort haben wir die neuesten Wagen“, sagt Richter. Denn es wäre zu teuer, auch alte Fahrzeuge umzubauen. So wird es noch dauern, bis alle Polizeiautos diesen infernalischen Lärm machen können.

Ein Video mit Eindrücken der neuen Polizeisirene gibt es auf der Facebookseite der LZ.