Donnerstag , 22. Oktober 2020
Die Animation zeigt, wie die Bahn aussehen könnte. Der Zug soll mit Lüneburg-Motiven verziert werden. Im westfälischen Münster ist so ein 18 Meter langer Elektro-Zug bereits im Einsatz. Quelle: gensch

Landet Solarbahn vor Gericht?

ca Lüneburg. In den nächsten zwei Wochen kommt die umstrittene Solarbahn bei Andreas Gensch an, doch wann er mit ihr Touristen durch die Stadt fahren kann, steht in den Sternen. Denn der Mechterser, der bislang in seinen Pferdekutschen Gäste zu den Sehenswürdigkeiten bringt, wartet auf Entscheidungen aus dem Rathaus und von der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) als Genehmigungsbehörde. Gensch sagt klar: „Ich will zwar keinen Ärger, aber wenn gegen mich entschieden wird, klage ich gegen die Stadt und die LNVG.“ Er habe bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Es gehe um seine wirtschaftliche Existenz, die Bahn koste 300 000 Euro: „Die habe ich nicht mal so eben unter dem Kopfkissen liegen.“

Wie berichtet, möchte der 56-Jährige den Kutschenbetrieb einstellen: Der Aufwand sei groß, in seinem Alter spüre er die körperliche Belastung. Zudem finde er neben seinen zwei Fahrern keine weiteren, auch seien die Kosten hoch. Die sogenannte Wegebahn bedeute weniger Arbeit und deutlich weniger Ausgaben. Zudem könne er in dem 18 Meter langen Zug unabhängig vom Wetter bis zu 60 Fahrgäste mitnehmen, auch für Rollstuhlfahrer gebe es dann Plätze.

Kritiker monierten bei einer Bürgerversammlung Mitte August im Glockenhaus und auf den Leserbriefseiten der LZ, die „Bimmelbahn“ passe nicht in die historische Innenstadt. Darüber hinaus befürchten die Stadtführer Umsatzeinbußen, weil Gensch mehr Gäste befördern könne als jetzt und über ein Kopfhörersystem auch fremdsprachige Erklärungen laufen lassen kann.

Obwohl seit zwei Jahren bekannt ist, dass Gensch mit seinem Elektrozug durch die Stadt rollen möchte, hat die Politik das Thema erst nach den Protesten im Sommer entdeckt. So habe im Vorfeld nur die CDU-Fraktion sein Informationsangebot angenommen, sagt Gensch. Aus dem Rathaus will er Zusagen gehabt haben, dass man der Bahn positiv gegenüberstehe: „Sonst hätte ich die Bahn doch nicht bestellt.“ Bestätigungen dafür gibt es nicht.

Nun wollen Bau-, Verkehrs- und Kulturausschuss das Thema am 13. November in einer gemeinsamen Sitzung diskutieren. Das wird dann wohl auch höchste Eisenbahn, da die LNVG dem Vernehmen nach noch im November eine Entscheidung treffen will.

Im Rathaus hat man bislang keinen Zeitdruck erkannt, schließlich habe man ja die Frist verlängern können. Verschiedene Organisationen und Behörden seien um Stellungnahmen gebeten worden. All das samt der Anregungen aus dem Trio-Ausschuss werde die Verwaltung zu einer endgültigen Stellungnahme an die LNVG zusammenfassen, sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck. Voraussichtlich werde die Verwaltung den Politikern für ihre Sitzung eine Vorlage präsentieren: „Noch ist aber nichts fertig.“

Gensch sagt, ihm habe man im Rathaus gesagt, dass er bestimmte Straßen mit seiner Bahn künftig wohl nicht mehr ansteuern dürfe, nämlich Sand, Markt, Rosenstraße/Brodbänken und Heiligengeiststraße: „Dann steigt kein Tourist mehr ein.“ Aus der Verwaltung heißt es dazu lediglich, um die Stellungnahmen für die LNVG zu erarbeiten, „haben wir auch mit Herrn Gensch gesprochen“.

Der Kutscher sagt: „Wenn wir uns einigen können, kann ich im nächsten Jahr noch mit den Pferden fahren, aber dann will ich die Bahn nutzen.“ Im Zweifel klage er. Und er hat noch eine Alternative: Ein Unternehmer habe ihm angeboten, er könne mit seinem Solarzug nach Sylt kommen, um Besucher über die Insel zu fahren.