Ausflugstipp

Buxtehude – Klein-Holland an der Este

Der Ewer Margareta feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Er liegt im alten Hafenbecken von Buxtehude. (Foto: geo)

Der Ewer Margareta feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Er liegt im alten Hafenbecken von Buxtehude. (Foto: geo)

Buxtehude. Wer einen Ausflug nach Buxtehude unternimmt, wird zwar so vielen Hasen und Igeln wie nirgendwo sonst begegnen. Die erste Begrüßung aber übernehmen andere: In Buxtehude krakeelen die Möwen so wunderbar kräftig wie an der Küste. „Ist doch kein Wunder“, sagt eine Dame in roter Jacke. „Die Nordsee ist schließlich nur 95 Kilometer entfernt.“ Und einen Tipp hat sie gleich auch noch parat: „Immer schön tief einatmen, unsere Luft ist jodhaltig!“ Los geht’s auf unsere Tour durch Buxtehude. Eike Stapel-Tews, 74, pensionierte Lehrerin aus dem Alten Land ein paar Kilometer die Este hinunter und aufgewachsen in Deutsch Evern, trägt die rote Jacke der Buxtehuder Stadtführer. Auf dem Rücken, natürlich, sind Hase und Igel gedruckt: Denn an dem Märchen, 1846 im Hannoverschen Blatt erstmals auf Platt veröffentlicht und später von den Grimms in ihre Sammlung aufgenommen, kommt hier niemand vorbei. Schon auf dem Weg vom Bahnhof in die Altstadt begegnen wir den berühmtesten Tieren der Stadt: Der Altstadtverein ist mit seiner Aktion, überlebensgroße Hase- und Igel-Figuren zu verkaufen, äußert erfolgreich. Die Originale sind weiß, jeder Käufer kann die Sympathieträger so anmalen (lassen), wie es ihm gefällt – und für die Werbung am besten passt.

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Hübsche Gassen und Fachwerkfassaden

Wo wir gerade bei Sympathieträgern sind: Ein solcher ist die ganze Altstadt. Wer die zehn Minuten Bahnhofstraße bis zur Brücke über die Este geschafft hat, darf die nächsten Stunden durch ein Städtchen bummeln, das schnuckeliger und freundlicher kaum daherkommen könnte: mit schmucken Fachwerkfassaden, hübschen Gassen sowie den bei Bummlern heiß geliebten kleinen, inhabergeführten Geschäften. Und mit einem kleinen Stück Holland: 959 erstmals urkundlich erwähnt, ist Buxtehude die erste deutsche Stadt, in der ganz bewusst (und künstlich) ein Hafen angelegt wurde. „Dafür holte der Stadtgründer Giselbert von Brunkhorst die Holländer zu Hilfe, die schon seit dem 11. Jahrhundert im Alten Land siedelten“, erzählt Eike Stapel-Tews. Die leiteten das Wasser der Este um die Stadt herum und nannten diese Befestigungsgräben „Viver“. Drei Sandinseln nämlich hatte es damals inmitten der moorigen Landschaft des Urstromtals der Elbe gegeben: Auf denen ließ der Erzbischof die Kirche, das Rathaus und ein Bürgerhaus bauen. Alle übrigen Häuser wurden auf Eichenpfähle gesetzt, die nach der sogenannten Amsterdamer Methode ins Moor gerammt wurden. Die Este stauten sie im Bereich des heutigen Stadtparks, sodass das Wasser sogar eine Mühle antreiben konnte. Dort, am Stadtparksee, gibt es heute ein Café mit Sitzplätzen direkt auf dem Wasser, die Mühle an der Ritterstraße 16 ist heute Hotel sowie Wohn- und Geschäftshaus.

Holländer bauten eine Hafen

Zurück zu den Holländern: Die bauten in Buxtehude einen Hafen, um Handel treiben zu können. Vom Buxtehuder Fleth zur Elbe in Cranz sind es nur knapp zwölf Kilometer, bis zur Mühle in Buxtehude herrscht täglich Ebbe und Flut – der Tidenhub beträgt 2,80 Meter! Und dort, im alten Hafenbecken, liegt noch heute das letzte Frachtschiff der Buxtehuder Flotte: Margareta von 1897. Die Margareta ist ein Ewer, also ein für tideabhängige Gewässer typisches Frachtschiff mit flachem Boden. Westfleth und Ostfleth heißen die Straßen rechts und links des Gewässers, das wirkt wie eine holländische Gracht – und wie Holland es so an sich hat, liegt die Entspannung hier so greifbar in der Luft, dass es schwer ist, in Hetze zu bleiben oder gar zu verfallen. Wenn Sie am Fleth auf die Dächer der Häuser blicken, sich über die Kugeln auf dem First wundern und gerade keine Stadtführerin bei sich haben, die Sie danach fragen können: Dann wissen Sie nach den nächsten Zeilen trotzdem, was diese zu bedeuten haben. Sie sind, besser gesagt waren, das Zeichen dafür, dass das jeweilige Haus abbezahlt ist. Und wenn Ihnen in der Langen Straße 25 etwas bekannt vorkommt: Dann liegt das am Portal. Es ist in gotischer Form mit einem Taustein gemauert – auch „Lüneburger Kordel“ genannt. Von Carolin George

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Anreise und Service

Buxtehude ist vom Bahnhof Hamburg-Harburg sowohl mit der S-Bahn als auch mit der Regionalbahn zu erreichen. Vom Bahnhof sind es rund zehn Minuten zu Fuß in die Altstadt. Auf dem St.-Petri-Platz an der Kirche gibt es jeden Donnerstag ab 16 Uhr Straßenkunst.

Klassische Stadtführungen starten jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend um 14 Uhr, sonn- und feiertags um 11 Uhr. Treffpunkt ist das Historische Rathaus, Breite Straße 2. Eike Stapel-Tews spielt bei einer Führung Magister Halepaghe. Im alten Rathaus liegt auch die Tourist-Information.

In der Innenstadt gibt es freies W-LAN. An der Ecke Lange Straße/Am Geesttor stehen Boxen zur Verfügung, in denen Gepäck oder auch Fahrräder abgeschlossen werden können.

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