Bienenbüttel: Viel Geld, keine Projekte

Die Vorstandsmitglieder der Bürgerstiftung (v.l.), Heinz-Günter Waltje, Stefan Schöniger, Silke Nierste und Holger Neuholz könnten und möchten jetzt Geld „unter die Leute bringen“.  (Foto: privat)

Die Vorstandsmitglieder der Bürgerstiftung (v.l.), Heinz-Günter Waltje, Stefan Schöniger, Silke Nierste und Holger Neuholz könnten und möchten jetzt Geld „unter die Leute bringen“. (Foto: privat)

Bienenbüttel/Lüneburg. Heinz-Günter Waltje hat ein Problem, das andere gern hätten: Er wird sein Geld nicht los. Genau genommen handelt es sich dabei nicht um sein Geld, sondern um das der Bürgerstiftung, die Waltje vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen hat, um soziale, kulturelle und ehrenamtliche Initiativen in der Gemeinde Bienenbüttel zu unterstützen.

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Wo das Geld knapp wird, fängt die Stiftungsarbeit an

Neben dem Stiftungskapital von mittlerweile rund 78.000 Euro liegen aktuell mehr als 11.000 Euro aus Spenden und Erträgen auf dem Konto der Bienenbütteler Bürgerstiftung. Die könnten die vier Vorstandsmitglieder nun theoretisch unter die Leute bringen. Praktisch mangelt es jedoch an Nachfrage.

Wie das passieren konnte? Waltje hat dazu eine Theorie: „Wegen der Pandemie finden ja im Augenblick in den Vereinen und Verbänden kaum Zusammenkünfte oder Versammlungen statt, wo beschlossen wird, welche Projekte die Mitglieder anpacken wollen.“ Projekte, die in der Regel Geld kosten – und in der Vergangenheit oft von der Stiftung mitfinanziert wurden. Eine Drohne für den Hegering, Notfallbänke an den Wanderwegen, Erste-Hilfe-Kurse für das Team vom Bürgerbus... Vereinfacht gesagt, fing die Arbeit im Stiftungsvorstand immer dort an, wo das Geld knapp war. Bis Corona kam.

Mehr als 23.000 Stiftungen in Deutschland

Ein Einzelfall? Die LZ hat beim Bundesverband Deutscher Stiftungen nachgefragt, der die Interessen der mehr als 23.000 Stiftungen in der gesamten Bundesrepublik vertritt. Pressesprecherin Beate Wild sind solche Probleme – unabhängig von der Form der Stiftung – nur punktuell bekannt: „Von einem breitflächigen Phänomen kann man unserer Einschätzung nach nicht sprechen“, heißt es aus der Verbandszentrale in Berlin. Wenn Fördersummen nicht abgerufen werden, könne das diverse Ursachen haben. „Die Corona-Pandemie spielt aber sicherlich auch eine Rolle, da viele Projekte pandemiebedingt vorübergehend eingestellt wurden“, sagt Wild.

Kerstin Gerber, Geschäftsführerin der Lüneburger Bürgerstiftung, kennt solche Probleme nicht: Weniger Projekte seit Ausbruch der Pandemie? Ja. Zu viel Geld? Nein. Die Stiftung schüttet jedes Jahr einen niedrigen bis mittleren fünfstelligen Betrag an Maßnahmen und Initiativen aus, die sich für ein besseres Miteinander der Generationen und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Kommune einsetzen. „Dabei hatten wir aber noch das Problem, dass wir das Geld nicht losgeworden sind“, stellt Gerber klar. Im Schnitt 20 Projekte fördert die Stiftung jährlich, im vergangenen Jahr waren es 17.

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Auch in Amelinghausen fördert man soziale Projekte

Ein ähnliches Bild zeichnet Helmut Völker von der Situation der Hans Hedder-Bürgerstiftung Amelinghausen. Diese unterhält insgesamt 17 niedrigpreisige Mietwohnungen, beschäftigt dafür drei 450-Euro-Kräfte. „Da haben wir nie zu viel Geld“, sagt Vorsitzender Völker. Wenn nach Abdeckung der laufenden Kosten durch die Mieteinnahmen mal ein kleines Sümmchen übrig bleibt, unterstützt die Stiftung auch andere soziale Projekte in der Samtgemeinde. In den letzten zwei Jahren erreichten den Vorstand aber keine Anträge, die dem Stiftungszweck entsprechen. Warum? „Das ist schwer zu beurteilen“, sagt Völker. „Es ist auf jeden Fall vieles pandemiebedingt auf der Strecke geblieben.“ Die Ertragsüberschüsse nutzt die Stiftung unter anderem, um ein Darlehen zu tilgen, das 2013 für die Sanierung der Wohnungen aufgenommen wurde. Im Unterschied zu Bienenbüttel wird die Stiftungsarbeit in Amelinghausen allerdings nicht durch Spenden, sondern über Mieteinnahmen und übrige Erträge finanziert.

Wieder ein Bürgerfrühstück im Sommer geplant

Im Norden des Landkreises Uelzen derweil hofft man, dass die Bewohner der Gemeinde Bienenbüttel doch noch Projekte einreichen – sofern es denn welche gibt. Bislang hat die Stiftung für dieses Jahr lediglich die Finanzierung von Kinderschwimmkursen im Waldbad zusagen können. Wer eine Förderung erhalten möchte, kann sich unter der Telefonnummer (05823) 953684 ganz formlos an den Vorstand wenden. Wichtig ist dabei, dass das Vorhaben nicht von der öffentlichen Hand getragen wird. Einen neuen Kindergarten zum Beispiel baut die Gemeinde – aber für besondere Ausstattungswünsche hat sich auch die Stiftung schon stark gemacht.

In diesem Jahr will der Vorstand nach drei Jahren Pause das Bürgerfrühstück wieder aufleben lassen. Am 3. Juli sollen wieder alle Bewohner Bienenbüttels eingeladen sein, auf einen Snack und einen Kaffee auf dem 29Rathausplatz zusammenzukommen – sofern es die Corona-Situation zulässt. „Wir packen das jetzt an – einfach, um wieder etwas Optimismus zu verbreiten“, sagt Waltje. Ein Teil der Einnahmen aus der Aktion soll wieder in die Förderung von Projekten in der Gemeinde fließen. Der Stiftungsvorsitzende erkennt darin eine Investition in die Zukunft – eine Zukunft mit vielen Projekten.

Von Anna Petersen

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