Der Goldschakal - Vorne Fuchs, hinten Wolf

So sieht er aus: der Goldschakal. Experten glauben, dass sich der Beutegreifer auch in der Lüneburger Heide etablieren könnte. (Foto: AdobeStock)

So sieht er aus: der Goldschakal. Experten glauben, dass sich der Beutegreifer auch in der Lüneburger Heide etablieren könnte. (Foto: AdobeStock)

Lüneburg/Uelzen. Er ist größer als ein Fuchs und kleiner als ein Wolf: Mit dem Goldschakal könnte sich nach Einschätzung von Raoul Reding von der Landesjägerschaft ein weiterer Beutegreifer in der Region etablieren. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit“, sagt der Wolfsbeauftragte. Er rät den hiesigen Jägern, sich rechtzeitig auf den Neuankömmling vorzubereiten.

Ende August konnte Reding den ersten Nachweis aus dem Landkreis Uelzen bestätigen: Dort war das Wildtier in eine Fotofalle getappt. „Damit gibt es nun mindestens zwölf Goldschakalnachweise in Niedersachsen“, berichtet der Experte. Dass derlei Fotos bei ihm auf dem Schreibtisch landen, ist der Ähnlichkeit zum Wolf geschuldet. „Die Tiere werden schnell verwechselt. Man sagt: Vorne Fuchs, hinten Wolf. Sie haben eine lange spitze Schnauze mit spitzen Ohren und eine sehr kurze Rute, die bis zum Sprunggelenk geht.“

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Einfluss auf die Niederwildbestände

Anders als der eng verwandte Wolf bringe der Goldschakal aber lediglich zwölf bis 15 Kilo auf die Waage. „Und er wird uns wohl nicht die Probleme bei den Nutztieren bescheren wie der Wolf, aber er ist ein weiterer Prädator, der hier in der Kulturlandschaft eine Nische einnimmt und einen Einfluss auf die Niederwildbestände haben wird“, prophezeit Reding. Als beliebte Beutetiere nennt er den Kiebitz, Birk- und Rebhuhn.

Das lässt Lüneburgs Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs aufhorchen: „Diese Zuwanderer verwässern unsere Tierwelt. Wenn das mehr werden, verändern sie unser Biotop“, klagt er gegenüber der LZ. Zwar ist weder ihm noch Reding eine offizielle Sichtung aus dem Landkreis bekannt. „Wir gehen aber davon aus, dass die Tiere auch hier rumkreisen“, sagt Cohrs. „Was soll sie aufhalten? Die halten sich ja nicht an Kreisgrenzen.“ Die Jägerschaft müsse die Situation nun genau beobachten: „Handelt es sich um ein Pärchen? Vermehrt sich der Goldschakal? Wird er zum Problem? Dann müssen Maßnahmen durch den Gesetzgeber her“, fordert Cohrs. So sieht es auch Reding: „Auf jeden Fall macht es Sinn, sich darauf vorzubereiten, indem man sich erst mal über die Art informiert und sich an der Dokumentation dieser Einwanderung beteiligt“, rät der Wolfsbeauftragte. Zahlen und Daten seien wichtig, um früher oder später ein Management zu etablieren.

Überwiegend männliche Tiere in Niedersachsen

Die Landesjägerschaft wertet entsprechende Fotohinweise aus. In der Vergangenheit konnten auf diese Weise überwiegend männliche Tiere in Niedersachsen bestätigt werden. Im Sommer letzten Jahres sei aber auch bereits ein Weibchen in der Nähe von Hannover gesichtet worden – und schließlich dem Autobahnverkehr zum Opfer gefallen, weiß Reding. Woher die Tiere kommen? Das kann der Experte nicht eindeutig beantworten. Belgien, Niederlande, Südosteuropa: Möglich sei alles. „Das Zentrum der Verbreitung bilden aber Bulgarien und Anrainerstaaten.“

Einer, der das Geschehen ganz genau beobachtet, ist Dr. Jörg Tillmann. Bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit dem Thema Wildmanagement betraut, zählt er zwischen 1997 und August 2020 insgesamt 25 Nachweise des Goldschakals in Deutschland. „In der Zwischenzeit ist da aber schon noch ein bisschen was dazugekommen, teilweise auch noch punktueller“, berichtet er. „Es hat den Anschein, dass sich ein Tier hier und da auch etabliert hat und heimisch geworden ist.“ In Nordrhein-Westfalen habe ein Vertreter der Gattung auch einzelne Schafe gerissen, „aber den Goldschakal muss man in dem Kontext nicht dramatisieren“, sagt Tillmann. Auch er hält es für wahrscheinlich, dass sich der Goldschakal in Deutschland fest etablieren wird. In Polen gebe es bereits Nachweise einer Vermehrung.

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Der Goldschakal, ein Opportunist

„Der Goldschakal ist ein absoluter Opportunist, der wird sich hier wohlfühlen wie der Fuchs und sonstige Tierarten“, ist Reding überzeugt. Zumal die Tiere hierzulande ein großes Futterangebot vorfinden würden: „Die fressen Bodenbrüter, Niederwild, Rehkitze oder Aas – und ernähren sich im Zweifel auch vegetarisch.“ Den Wolf werde der Goldschakal wohl meiden. „Man kann davon ausgehen, dass die sich aus dem Weg gehen.“

Und der Mensch? Sollte sich nicht allzu große Sorgen machen, sagt der Fachmann. „Die Tiere stellen für uns keine größere Gefahr dar als der Fuchs.“ Begegnungen seien aber nicht völlig ausgeschlossen – vor allem, wenn die Tiere angefüttert würden. Ein Problem, das Reding bereits im Raum Celle begegnet ist: „Jeden Tag um 12 Uhr mittags stand er dort am Katzennapf.“

Von Anna Petersen

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