Der Mann mit dem neuen Namen

Bundesweit Schlagzeilen machte Thorsten Prenzler, damals noch unter dem Namen Thorsten Thümler, nach dem Hotelskandal im Jahr 2005. Danach zog er sich vorübergehend aus der Politik zurück. Jetzt kandidiert der Buchholzer  für die AfD im Kreistag. (Montage: sas)

Bundesweit Schlagzeilen machte Thorsten Prenzler, damals noch unter dem Namen Thorsten Thümler, nach dem Hotelskandal im Jahr 2005. Danach zog er sich vorübergehend aus der Politik zurück. Jetzt kandidiert der Buchholzer für die AfD im Kreistag. (Montage: sas)

Buchholz. Es sind gute Tage für Thorsten Prenzler. Gleich mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn wurden in diesen Wochen mangels Tatverdachts eingestellt. Der 40-jährige Buchholzer urlaubt derzeit in Dänemark, bevor es in die heiße Phase des Kommunalwahlkampfes geht. Prenzler ist ein Anwärter für den Kreistag des Landkreises Harburg, die Alternative für Deutschland (AfD) hat ihn im Wahlbereich 6 auf Platz eins ihrer Liste gestellt. Zu einer Zeit, als die Behörden gegen den gelernten Bankkaufmann noch wegen diverser Delikte ermittelten. Man habe ihn förmlich dazu gedrängt, schildert er auf Anfrage. „Die Personaldecke bei uns ist bekanntlich derzeit nicht die dickste.“

Mit Thorsten Prenzler könnte somit am 12. September ein selbst für AfD-Verhältnisse schillernder Politiker in den Harburger Kreistag einziehen, in dem immerhin die Weichen für das Zusammenleben von rund einer Viertelmillion Menschen von Egestorf bis Neu Wulmstorf gestellt werden. Es wäre nicht das erste politische Amt für Prenzler, der derzeit als hauptamtlicher Geschäftsführer der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft tätig ist.

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CDU erleichtert über den Austritt

2005 schaffte er es bereits im Alter von 34 Jahren bundesweit in die Schlagzeilen, damals noch als niedersächsischer Landtagsabgeordneter für die CDU. „Der Luxus-Schnorrer aus dem Landtag“, titelten die Boulevard-Medien, nachdem Prenzler, damals hieß er noch Thorsten Thümler, in Luxushotels als angeblicher Reisejournalist zu rabattierten Preisen übernachtete. Die Affäre flog auf und sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Im Juni 2005 erklärte der Christdemokrat daraufhin das Ende seiner politischen Karriere. Es folgte der Rückzug aus CDU und Landtag, sowie im Juni 2006 die rechtskräftige Verurteilung durch das Amtsgericht Oldenburg zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro wegen Betrugs.

„Sie haben wieder einmal das Klischee bedient, dass Politiker den Hals nicht vollkriegen können“, soll der Staatsanwalt dem Politiker damals laut Medienberichten mit auf den Weg gegeben haben. Und Bernd Althusmann, heute stellvertretender Ministerpräsident in Niedersachen, wurde damals mit den Worten zitiert „Wir sind erleichtert, dass weiterer Schaden von der Partei abgewendet wurde“.

Anzeigen aus der eigenen Partei

Thümler nahm dann den Nachnamen seiner Ehefrau an. 2015 wurde Thorsten Prenzler hauptamtlicher AfD-Geschäftsführeramt in Hamburg – und bekam im Oktober vergangenen Jahres sogar Ärger aus dem eigenen Lager. Aus Reihen der AfD wurde er unter anderem wegen Urkundenfälschung, fortgesetzten Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen angezeigt.

Doch von der parteiinternen Schlammschlacht blieb zumindest juristisch nichts übrig, „die Staatsanwaltschaft Hamburg hat die Verfahren eingestellt, weil kein hinreichender Tatverdacht besteht“, erklärte jetzt Behördensprecherin Mia Sperling-Karstens auf Nachfrage. Er selbst sehe sich bestätigt in seinem gradlinigen Kurs, die Vorwürfe seien konstruiert und völlig haltlos gewesen, erklärte Prenzler gegenüber dem Winsener Anzeiger.

Ärger gab es für den Buchholzer derweil in diesem Jahr auch privat. Ein Bauunternehmer zeigte ihn wegen Diebstahls und Unterschlagung an, weil er Baumaterial im Wert von rund 10.000 Euro nicht bezahlt haben soll. Thorsten Prenzler bestritt das vehement – und sieht die Justiz wieder auf seiner Seite. „Wir haben das Verfahren eingestellt, weil wir keinen hinreichenden Tatverdacht sehen“, erklärte Johannes Kiers, Sprecher der in diesem Fall zuständigen Staatsanwaltschaft Stade. Es handele sich nach Einschätzung der Ermittler eher um einen Vorgang, „der zivilrechtlich zu klären ist“.

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Akte liegt jetzt beim Generalstaatsanwalt

Derweil ist die Sache für Prenzler noch nicht ganz vom Tisch: Denn der Bauunternehmer hat Beschwerde gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Stade eingelegt, die Akte wandert jetzt zur Generalstaatsanwaltschaft nach Celle. Prenzler aber ist da guter Dinge. Schließlich habe er als Rechtsbeistand einen prominenten Hamburger Strafverteidiger, gibt er sich am Telefon betont unbekümmert.

Hamburger Medien haben für die Vorgänge rund um Thorsten Penzler derweil längst viel Spott übrig: Er habe bald mehr Ermittlungsverfahren am Hals als seine Partei Prozente, schrieb etwa die Morgenpost.

Von Thomas Mitzlaff

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