Entblößt im Linienbus?

Tatort Bus: In einem Fahrzeug der KVG soll der Fahrer während einer Linienfahrt seinen Penis gestreichelt haben. Davon gibt es Fotos. Der Fahrer aber bestreitet die Vorwürfe vor Gericht. (Foto: phs)

Tatort Bus: In einem Fahrzeug der KVG soll der Fahrer während einer Linienfahrt seinen Penis gestreichelt haben. Davon gibt es Fotos. Der Fahrer aber bestreitet die Vorwürfe vor Gericht. (Foto: phs)

Winsen. Der Blick geht immer wieder ins „Sonderheft Lichtbilder“. Direkt heraus gesagt suchen der Richter, die Staatsanwältin und der Verteidiger auf den Fotos einen Penis. „Es ist Hautfarbenes zu erkennen“, wird festgestellt. Vor dem Amtsgericht Winsen steht ein 62 Jahre alter Mann wegen exhibitionistischer Handlungen unter Anklage. Er ist Busfahrer bei der KVG und soll im September vergangenen Jahres auf einer Tour während der Fahrt seine Hose geöffnet und Streichelbewegung an seinem Penis vollzogen haben.

Aufgefallen war das einer heute 20 Jahre alten Frau, die diese Vorgänge zuerst beobachtet und dann mit dem Handy fotografiert hatte. Sie war in der Linie 4406 in Pattensen zugestiegen. Bis zur nächsten Station „Luhdorf, Feuerwehrhaus“ habe der Busfahrer weiter an sich herumgespielt. Später, etwa ab der Bahnhofstraße in Winsen, sei die Hose wieder geschlossen gewesen. Endstation war der Winsener Bahnhof. Dort hatte sie das Kennzeichen des Busses fotografiert, am nächsten Tag zeigte sie den Vorfall bei der Polizei an.

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Angeklagter bestreitet die Vorgänge

Vor Gericht geht es zunächst ins Rechtsgespräch. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger könnten bei einer Einigung das Verfahren schnell beenden. Das Angebot ist eine Geldstrafe zu 80 Tagessätzen, dann wäre der Angeklagte nicht vorbestraft. Voraussetzung wäre ein Geständnis. Doch der Angeklagte bestreitet den Tatvorwurf. Er habe nichts gemacht, brauche so etwas nicht mehr in seinem Alter. Der Verdächtigung sei reine Fantasie. Er fahre die die Linie 4406 fast täglich, aber zu verschiedenen Uhrzeiten. Die junge Frau, die ihn beschuldigt, kenne er nicht.

Die Frau ist als Zeugin geladen. Im Bus habe sie auf ihr Handy geschaut, bis das Fahrzeug einen Schlenker gefahren sei, sagt sie aus. Das habe ihre Aufmerksamkeit auf den Fahrer gelenkt. Der habe nur eine Hand am Lenkrad gehabt und mit der anderen Hand seine Hose geöffnet. Die Zeugin hatte im Bus direkt hinter der zweiten Tür auf der rechten Seite gesessen. Den Vorgang habe sie über den zweigeteilten Spiegel des Busfahrers sehen können. „Ich wusste nicht, was da passiert. Dann habe ich seinen Penis gesehen“, sagt sie vor Gericht. Dann habe sie die Szenen im Spiegel mit dem Handy fotografiert.

Zahlreiche Schüler im Bus

Der Penis sei nicht erigiert gewesen, der Mann habe aber Streichelbewegungen mit der flachen Hand gemacht. Ob sie denn eine Eichel oder eine Vorhaut gesehen habe, will der Verteidiger wissen. Richter Dr. Meik Lange mahnt, dass die Zeugin nicht aufs Glatteis geführt werden solle.

Die 20-Jährige berichtet von einer skurrilen Busfahrt. Zwischen den Haltestellen sei der Fahrer mit offener Hose gefahren, an den Haltestellen habe er sich wieder bedeckt, etwa an der Haltestelle Ilmer Weg, wo zahlreiche Schüler am Mittag einsteigen.

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Verteidigung bekommt noch den Ortstermin

Um die exhibitionistischen Handlungen zu beweisen, braucht es also das „Sonderheft Lichtbilder“. Die Qualität der Handyfotos der Zeugin sind mäßig, die Kriminaltechnik aber hat Vergrößerungen angefertigt. Die 20-Jährige deutet auf die verschiedenen Aufnahmen, sagt, dass sie sich sicher sei, dass sich der Busfahrer auf den Fotos an den Penis fasse. Die Hand habe auf jeden Fall im Schoß gelegen.

Richter Lange und der Staatsanwältin sind die Fotos eindeutig genug für eine Verurteilung. „Ich verschließe mich aber auch nicht einem Ortstermin“, sagt Lange. Ein Angebot, dass die Verteidigung annimmt. Gemeinsam soll jetzt im Winsener KVG-Depot die Beweisaufnahme fortgesetzt werden. Der Bus, in dem die Tat geschehen sein soll, wird in Augenschein genommen. Vor allem aber soll geklärt werden, wie eigentlich die Blickwinkel sind, was im Spiegel zu sehen ist und was nicht.

Von Björn Hansen

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