Mit Fotogalerie: Zwei Menschen und 650 Schnucken

Trio mit sechs Ohren: Josefine Schön und Clemens Lippschus mit Norbert, einer Burenziege. Das ist eine afrikanische Fleischziege. (Foto: geo)

Trio mit sechs Ohren: Josefine Schön und Clemens Lippschus mit Norbert, einer Burenziege. Das ist eine afrikanische Fleischziege. (Foto: geo)

Döhle. Zum Hof gehören zwar acht Hunde. Die wahren Wachleute hier aber haben einen langen Hals, zwei Füße und einen Schnabel: Es sind Helge und Luise, die Hofgänse – besser gesagt: die Hofwache. „An ihnen erkenne ich sofort, wenn Besuch kommt“, sagt Josefine Schön und lacht. „Sie zischen dann und fauchen.“ Die Hunde haben schließlich auch ganz anderes zu tun: Es sind Hütehunde, anders gesagt Schöns Kollegen mit Fell und vier Beinen.

Die Schäferin betreut die Heidschnuckenherde im Stall bei Döhle. „Mit Hunden arbeiten wollte ich schon immer“, sagt die 26-Jährige, die ursprünglich aus der Nähe von Dresden kommt. Als die Bewerbung beim Zoll keinen Erfolg hatte und sie ein Praktikum auf einem Milchziegenhof machte, kam sie auf die Idee, mit anderen Tieren zu arbeiten. Sie lernte Schäferin bei der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide: Die besitzt insgesamt sieben Heidschnuckenherden, beschäftigt zwölf Schäferinnen und Schäfer sowie zwei Lehrlinge.

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Mit einer Ziegenherde fing alles an

Als erste Herde übernahm Josefine Schön eine Ziegenherde, „das war voll mein Ding“, sagt sie. „Weil ich die Ziegen schon während meines Praktikums total mochte.“ Doch dann ergab sich vor einem Jahr etwas noch viel Besseres: Während ihrer Ausbildung nämlich hatte sie Clemens Lippschus kennen und lieben gelernt – beide arbeiten seit ihrer Lehre bei der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide, jeweils mit einer eigenen Herde. Als sie begannen darüber nachzudenken, wie realistisch ein Familienleben mit getrennten Herden an unterschiedlichen Orten wäre, merkten sie: Das wird nicht funktionieren. Die Arbeit aufgeben wollte aber auch keiner von beiden.



Und dann rief auf einmal ihr Chef bei Clemens Lippschus an und erzählte, dass der Hof bei Döhle frei würde. „Das war ein Glücksfall für uns“, sagt der Schäfer. „Wir betreuen die Herde zusammen und können hier auch zusammen wohnen.“

Der 31-Jährige kommt aus der Wedemark bei Hannover und wollte schon als Jugendlicher mit Schafen arbeiten. „Als Schüler habe ich bei einer Deichschäferei in Oldenburg an der Hunte ausgeholfen. Freitagsmittags in die Bahn, sonntagsabends zurück. Mich hat das total fasziniert: die Ruhe der Schafe, ihre Genügsamkeit. Und die Arbeit mit den Hunden.“

Priorität hat das Wohlergehen der Schafe

Und doch lernte er zunächst Heizungsbauer, zu unvernünftig schien der Traum der Arbeit mit Schafen, zu wenig gefielen ihm die später besuchten Herden. Von seinem ersten echten Gehalt kaufte er sich kein Moped, sondern einen Border Collie. „Den habe ich an Laufenten ausgebildet“, erzählt er lachend. Schafe hatte er schließlich nicht. Noch nicht. Denn: „Die Schafe haben mich nicht losgelassen“, sagt er. Nach ein paar Jahren gab er sich einen Ruck, suchte noch einmal neu nach Herden in Niedersachsen – und bewarb sich beim Verein Naturschutzpark. Seit neun Jahren lebt er nun seinen Jugendtraum.

Die Arbeit mit der Herde, übrigens die einzige Zuchtherde der Stiftung, teilt sich das Paar. Weil sie angestellt sind, haben sie vier freie Tage im Monat und 30 Tage Urlaub im Jahr. „Das ist Luxus“, sagt Lippschus. „Und weil wir beide denselben Beruf haben, ist das Verständnis für die Arbeitszeiten und die Prioritäten da – und das ist das Wohlergehen unserer Schafe.“

Am Wochenende oder an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern sei sie zwar mitunter etwas wehmütig, nicht immer bei der Familie sein zu können, gibt Josefine Schön zu. „Aber es ist ein wunderbares Gefühl, hier als Teil der Natur zu leben und für ihren Schutz zu arbeiten. Und das immer im Team mit den Hunden.“

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Ihr Wunsch ist mehr Sensibilität der Gäste in der Heide

Dass weit mehr und weit jüngere Leute durch die Heide wandern seit der Corona-Pandemie, das haben natürlich auch die beiden Schäfer bemerkt. Mal sei das schön und mal weniger – zum Beispiel, wenn nicht angeleinte Hunde in die Herde rennen oder Taschentücher in Massen herumliegen, das Toilettenpapier der Spaziergänger.

Wenn das Schäferpaar einen Wunsch frei hätte, dann wäre das mehr Sensibilität der Gäste – sowohl der Natur gegenüber als auch ihnen als Menschen. Für Fotos würden viele die Wege verlassen, obwohl das im Naturschutzgebiet verboten ist. „Wir sind eine Touristenattraktion, die oft einfach fotografiert wird“, sagt Clemens Lippschus. „Das ist ja im Prinzip auch kein Problem. Aber wir arbeiten hier, und vorher einmal zu fragen wäre einfach nett.“

Von Carolin George

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