Elbe-Lübeck-Kanal: Noch nie so wenig Schiffe

Im Jahr 2021 registrierte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) nur noch 929 Frachter in der Schleuse in Lauenburg und 706 am anderen Ende des Kanals an der Schleuse in Büssau. Das sind historische Tiefstwerte für die Nutzung des 1900 eingeweihten Kanals. (Foto: tja)

Im Jahr 2021 registrierte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) nur noch 929 Frachter in der Schleuse in Lauenburg und 706 am anderen Ende des Kanals an der Schleuse in Büssau. Das sind historische Tiefstwerte für die Nutzung des 1900 eingeweihten Kanals. (Foto: tja)

Lauenburg. Der Elbe-Lübeck-Kanal versinkt langsam aber sicher in der Bedeutungslosigkeit, was seine einstige Funktion als Lebensader für die Schifffahrt in Norddeutschland angeht: Im Jahr 2021 registrierte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) nur noch 929 Frachter in der Schleuse in Lauenburg und 706 am anderen Ende des Kanals an der Schleuse in Büssau. Das sind historische Tiefstwerte für die Nutzung des 1900 eingeweihten Kanals, der die Ostsee über die Elbe an das deutsche Wasserstraßennetz anbindet. Die meisten Schiffe fahren in den Elbe-Setenkanal weiter oder kommen von dort.

2020 passierten 1332 Frachtschiffe die Lauenburger Schleuse als Ein- und Ausfahrt zum Elbe-Lübeck-Kanal. In jenem Jahr hatten die Schiffe insgesamt 563.388 Tonnen Ladung an Bord, 2021 waren es 464.609 Tonnen. In Büssau zählte das WSA 341.172 Tonnen Ladung. Kommentieren wollte eine Sprecherin des WSA in Lauenburg die aktuelle Entwicklung nicht.

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Vor allem Binnenschiffe der Größenklasse 900 und 1200 Tonnen

Für die Gegner des Ausbaus der rund 60 Kilometer langen künstlichen Wasserstraße dürfte die negative Entwicklung Wasser auf ihre Mühlen sein. Sie argumentieren bereits seit Jahren damit, dass das Verkehrsaufkommen im Elbe-Lübeck-Kanal dessen Ausbau nicht rechtfertigen würde. Die Befürworter des Ausbaus – die Überlegungen gipfelten 2018 in der Aussicht, den Kanal für knapp eine Milliarde Euro zu ertüchtigen – hatten stets dagegen gehalten: Erst wenn der Kanal ausgebaut sei, würde die Schifffahrt anziehen. Denn nach wie vor können Frachter nicht effektiv mit Containern beladen werden, wenn sie durch den Kanal fahren, außerdem sind die noch aus dem Jahr 1900 stammenden Schleusen zwischen Witzeeze und Büssau für moderne Binnenschiffe längst zu klein geworden. In Büssau wie in Lauenburg wurden vor allem Binnenschiffe der Größenklasse 900 und 1200 Tonnen registriert. Zum Vergleich: Auf Elbe oder Rhein fahren Frachter mit mehr als 2000 oder 2500 Tonnen.

Obwohl 2018 ein Planungsteam des Wasserstraßenneubauamtes Magdeburg Räumlichkeiten in Geesthacht bezogen hatte, um nah am Kanal dessen Ausbau zu planen, ist bisher nicht viel passiert. Aktuell laufen nur Bauarbeiten für den Ersatzneubau einer Straßenbrücke zwischen Buchhorst und Lanze. Die anfängliche Euphorie ist längst verflogen.

2001 hatten 4488 Schiffe 1,48 Millionen Tonnen geladen

„Möge der Kanal, den Sie mit unverwüstlicher Hanseatischer Thatkraft in Angriff genommen haben, in jeder Beziehung Ihren Erwartungen entsprechen“, hatte Kaiser Wilhelm II. zur Einweihung 1900 gewünscht – begleitet von Böllerschüssen und Fanfaren im Beisein von 1200 Gästen. Zunächst beflügelte die Wasserstraße die Wirtschaft auf dieser schon seit dem 14. Jahrhundert mit der Stecknitzfahrt bestehenden Verbindung.

Wie heftig die aktuelle Entwicklung ausfällt, zeigt sich beim Blick in die Statistiken zu den Zahlen vergangener Jahrzehnte der Lauenburger Schleuse. 2001 hatten 4488 Schiffe 1,48 Millionen Tonnen geladen, bei 2,71 Millionen Tonnen Ladung waren es 1965 sogar 20.183 Frachter. 2021 wurden unter anderem 213.584 Tonnen Baustoffe, 95.481 Tonnen land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, 24.954 Tonnen Erze oder Metalle (vor allem Schrott), 863 Tonnen chemische Erzeugnisse (ein Tankschiff) und 43.247 Tonnen Düngemittel per Schiff in Lauenburg geschleust. In Büssau kamen 72.090 Tonnen Nahrungs- und Futtermittel hinzu.

Vorbei zu sein scheint außerdem der Boom privater Sportboote. 3235 wurden in der Lauenburger Schleuse gezählt. In früheren Jahren waren es oft doppelt so viele, die die idyllische Wasserstraße passierten, um sich neue Reviere zu erschließen.

Von Timo Jann

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