Planungsstopp für Millionenprojekt?

Die Ilmenauhalle hat ihre besten Jahre hinter sich, wartet auf einen möglichen Abriss. In einem Neubau soll nach derzeitigem Planungsstand nicht nur eine Halle für die Sportler des TSV Bienenbüttel Platz finden, sondern unter anderem auch ein Schießstand mit fünf Bahnen. Doch nun fordern die Grünen im Gemeinderat einen Planungsstopp. (Foto: t&w)

Die Ilmenauhalle hat ihre besten Jahre hinter sich, wartet auf einen möglichen Abriss. In einem Neubau soll nach derzeitigem Planungsstand nicht nur eine Halle für die Sportler des TSV Bienenbüttel Platz finden, sondern unter anderem auch ein Schießstand mit fünf Bahnen. Doch nun fordern die Grünen im Gemeinderat einen Planungsstopp. (Foto: t&w)

Bienenbüttel. Es wurden Gutachten erstellt, Fördergelder generiert, Gestaltungswünsche festgesetzt und Kosten geschätzt: Eigentlich war der Neubau einer Mehrzweckhalle in Bienenbüttel längst beschlossene Sache – doch nun fordern die Grünen im Gemeinderat einen vorläufigen Planungsstopp für das Millionenprojekt an der Niendorfer Straße. Als Gründe nennt die Fraktion den Standort im Überschwemmungsgebiet, eine noch fehlende Genehmigung des Landkreises und eine zu hohe Finanzlast für die Gemeinde.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Neue Kostenschätzung: 11,4 Millionen Euro?

Waren die Kosten zunächst auf rund 8,5 Millionen Euro geschätzt worden, nennt Grünen-Fraktionsvorsitzender Reinhard Schelle-Grote nun eine Summe von 11,4 Millionen Euro. Angesichts des Haushaltsdefizits, mit dem auch im Jahr 2022 zu rechnen sei, und einiger „notwendiger Maßnahmen“, wie etwa die Einrichtung einer Zwei-Gruppen-Kita, „fehlt uns jede Phantasie über die Finanzierung in dieser Größenordnung“, erklärt er in einem Antrag an Politik und Verwaltung.

"Absolutes Unverständnis" vonseiten der CDU

Auf Anfrage bei Bürgermeister Merlin Franke äußert sich dieser zu einer möglichen Kostensteigerung um rund drei Millionen Euro zunächst zurückhaltend: „Wir haben Verschwiegenheit im Arbeitskreis vereinbart.“ Daran wolle er bis zur Ratssitzung am morgigen Donnerstag, 9. Dezember, festhalten. Auf Gut Bardenhagen soll der Antrag der Grünen öffentlich diskutiert werden. Los geht’s um 20 Uhr.

Auf „absolutes Unverständnis“ stoßen die Grünen mit ihrem Vorstoß bei Christopher Tieding. „Wenn wir jetzt einen Planungsstopp machen, werden die Fördergelder definitiv verfallen“, gibt der Gruppensprecher von CDU und FDP zu bedenken. „Dann ist es eine Utopie, dass Bienenbüttel so eine Halle baut.“ 4,6 Millionen Euro sollen aus dem Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“ in den Neubau fließen, eine Million Euro hat zudem bereits der Landkreis Uelzen an Unterstützung zugesichert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein "bisschen Bauchgrummeln" bei der SPD

Auch für Mathias Jeßen von der Kommunalpolitischen Alternative kommt ein Planungsstopp nicht infrage: „Wenn wir das jetzt unterbrechen, verlieren wir wertvolle Zeit“, sagt er. Zumal die Kostensteigerung seines Wissens nach nicht primär auf den Hochwasserschutz sondern viel mehr auf gestiegene Materialkosten zurückzuführen sei. „Jede Verzögerung lässt die Preise weiter steigen“, warnt Jeßen. „Wir stoppen damit nicht die allgemeine Preisentwicklung.“

Ein „bisschen Bauchgrummeln“ hat derweil SPD-Fraktionsvorsitzender Arnold Witthöft bei den Planungen für das Mehrzweckzentrum – vor allem wegen des Standorts im Überschwemmungsgebiet. Rückendeckung für die Grünen gibt es von der SPD aber trotzdem nicht. Witthöft sieht vor allem den Landkreis Uelzen in der Pflicht, eine Entscheidung zu treffen: „Der hat ja die fachliche Kompetenz, die Eignung der Fläche angemessen zu prüfen. Wir sehen leider keinen anderen Standort, wo wir bauen können.“

Hoffnung auf Fertigstellung 2024

Dass im Augenblick noch keine Baugenehmigung der Behörde existiert, liegt laut Merlin Franke in einem „völlig natürlichen Vorgang“ begründet: Zunächst müsse das Bauleitverfahren der Gemeinde abgeschlossen und ein Generalunternehmer beauftragt werden: „Wo noch kein Auftrag erteilt wurde, kann auch keine Genehmigung ausgestellt werden“, stellt der Verwaltungschef klar. Sofern kein Planungsstopp eintreten sollte, könnte das Mehrzweckzentrum nach seiner Einschätzung im Jahr 2024 fertiggestellt werden.

Wasser steht im Schießstand

Darauf hofft nach wie vor auch Bienenbüttels erster Gildeherr Uwe Seehafer. Zwar können die Schützen den Schießstand unter dem Dach der maroden Ilmenauhalle derzeit noch nutzen, „das ist aber alles andere als gemütlich“, klagt er. „Das Grundwasser steht im Schießstand, alles ist feucht, diverse Stromkreise sind in der Zwischenzeit ausgefallen.“

Schon seit Herbst 2019 ist das Aus des Event- und Spielbetriebs in der Ilmenauhalle offiziell, wartet das Gebäude auf einen möglichen Abriss. In einem Neubau soll nach derzeitigem Planungsstand nicht nur eine Halle für die Sportler des TSV Bienenbüttel Platz finden, sondern unter anderem auch ein Schießstand mit fünf Bahnen. Dafür hatte die Gilde bereits einen Eigenanteil zur Finanzierung zugesichert. Der stammt aus Rücklagen der Vorjahre, die der Verein rein rechtlich eigentlich gar nicht haben dürfte, weiß Seehafer. Auch deshalb drängt aus seiner Sicht die Zeit: „Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Wie lange hält das Finanzamt noch still?“

Von Anna Petersen

Mehr aus Landkreis Harburg

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen