Prozess um Dreifachmord in Bispingen: Angehörige der Opfer brechen in Tränen aus

Maurice-Leroy G. (35) wartet auf den Prozessbeginn. Er ist wegen dreifachem Mord, schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern mit Todesfolge sowie Vergewaltigung mit Todesfolge angeklagt. (Foto: phs)

Maurice-Leroy G. (35) wartet auf den Prozessbeginn. Er ist wegen dreifachem Mord, schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern mit Todesfolge sowie Vergewaltigung mit Todesfolge angeklagt. (Foto: phs)

Lüneburg/Bispingen. Bevor er unter dem Verdacht festgenommen wurde, eine Familie ausgelöscht zu haben, war Maurice-Leroy G. (35) beim Heidepark Soltau als Helfer angestellt. Ein Moment der Normalität in einem Leben, das ansonsten von Alkohol und Obdachlosigkeit geprägt war. Und von Tötungsfantasien im Kopf von Maurice-Leroy G. Am Dienstag begann vor dem Landgericht Lüneburg der Prozess gegen den Mann, der am 16. Mai in Bispingen seine Partnerin Stefanie L. (35) und deren Kinder Luca (4) und Lilli Marie (11) umgebracht haben soll. Aus Mordlust und um sich sexuell zu befriedigen, wie es in der Anklageschrift heißt.

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Opfer erdrosselt beziehungsweise erstickt

Als die in Saal 21 verlesen wurde, brachen Angehörige der Opfer, die als Nebenkläger am Prozess teilnehmen, in Tränen aus. Stefanie L. und Maurice-Leroy G. waren erst seit Kurzem ein Paar. Am Abend des 15. Mai soll der Mann nach reichhaltigem Alkoholkonsum das Einfamilienhaus in Bispingen verlassen haben, um gegen 6 Uhr morgens zurückzukehren. Er soll die schlafende Frau mit einer Strumpfhose und den vom Tumult geweckten Sohn mit einem USB-Kabel erdrosselt haben. Er habe damit Würge- und Strangulationsfantasien umgesetzt, die er seit seiner Jugend hegte, um sich zu erregen. Er soll die elfjährige Tochter aus dem Kinderzimmer geholt haben, die dort neben der Nichte des Mannes schlief, ins Schlafzimmer getragen und neben der toten Mutter vergewaltigt und dabei erstickt haben.

Tagelange Suche nach der Tochter

Anschließend soll er die Leiche der Tochter in einem Wald bei Schneverdingen abgelegt haben. Einsatzkräfte hatten tagelang nach dem Kind gesucht, sogar mit Wärmekameras von Flugzeugen aus.

Die Anklagebehörde geht nach Oberstaatsanwalt Jochen Kaup von einer besonderen Schwere der Schuld und einer anhaltenden Gefährdung der Allgemeinheit durch den Angeklagten aus. Würde die Kammer dem folgen, könnte im Urteil die Sicherheitsverwahrung angeordnet werden, wodurch die Freilassung nach 15 Jahren sehr unwahrscheinlich würde.

Bevor der Prozess gegen Mittag beginnen konnte, musste der Psychiater Dr. Reiner Friedrich erst prüfen, ob der Angeklagte verhandlungsfähig ist.

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Angeklagte war bei RTL2 eine "Erfolgsgeschichte"

Wenige Monate vor der Horrortat war die Geschichte von Maurice-Leroy G. im Boulevard-Fernsehen von RTL2 noch als Erfolgsgeschichte gesendet worden. In "Hartz, Rot, Gold" hatte der Mann geschildert, wie ihm die Scheidung von der Mutter seines Sohnes den Boden unter den Füßen weggezogen habe; wie er seinen Job als Nachtwächter geschmissen; wie er am Elefanten-Kolonialdenkmal in Bremen übernachtet habe.

Vor acht Jahren hatte der Angeklagte Rap-Songs auf Youtube hochgeladen, in denen er über eine Verurteilung im Jahr 2002, Einsamkeit und seine Freigabe zur Adoption im Alter von 5 Jahren rappte.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Franz Kompisch antwortete Maurice-Leroy G., keine Aussage machen zu wollen. Am Freitag geht der Prozess mit der Vernehmung von Zeugen weiter.

Von Joachim Zießler

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